Umstritten

24. November 2019 11:07; Akt: 24.11.2019 11:23 Print

War das wirklich Rot?

FCB-Captain Valentin Stocker schubst den Schiedsrichter und fliegt nach Spielschluss vom Platz. Zurecht? Wir lösen auf.

Doppeltes Rot gegen Stocker und Ademi. (Video: SRF)
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Er gilt seit jeher als Heisssporn, nun wurde er seinem Ruf wieder einmal gerecht. Valentin Stocker liess sich nach dem 0:2 seines FC Basel bei Servette zu einem Schubser gegen Schiedsrichter Karim Abed hinreissen. Er rempelte den französischen Gast-Referee an und zeigte ihm zynisch den Daumen. Dafür sah Stocker – nach Spielschluss – die rote Karte und wird seinem Team am kommenden Sonntag im Spitzenspiel gegen YB fehlen.

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Ist Stockers Platzverweis gerechtfertigt?

FCB-Goalie Jonas Omlin tadelte hinterher im Interview bei Teleclub in beide Richtungen: «Der Schiedsrichter war arrogant, er hat während des ganzen Spiels nicht mit den Spielern gesprochen. Aber Valentin darf sich so eine dumme Aktion natürlich nicht leisten.»

Aber war das überhaupt eine rote Karte? War es wirklich eine Tätlichkeit, wie sie einen Platzverweis reglementskonform zur Folge hat? Karim Abed muss sie so gedeutet haben, und er zeigte auch noch gleich Stockers Teamkollege Kemal Ademi die rote Karte, als der sich über den Entscheid beschwerte. Diesen zweiten Platzverweis nahm Abed später allerdings zurück.

«Bravo, tolle Leistung!»

Stockers rote Karte dagegen bleibt im Rapport, und der 30-jährige Mittelfeldspieler war entsprechend empört. Gegenüber SRF sagte er: «Ich habe ihn nur an der Schulter berührt und gesagt: Bravo, tolle Leistung!» Auch Teamkollege Taulant Xhaka fand: Stocker habe den Schiedsrichter nur berührt, nicht geschubst.

Allerdings ist der Fall klar. In Absatz 12 der Fifa-Regeln steht geschrieben: «Ein Spieler, der anstössige, beleidigende oder schmähende Äusserungen oder Gebärden macht, muss des Feldes verwiesen werden.» Es geht bei der Regel unter anderem darum, die Integrität des Schiedsrichters zu schützen. Ab wann für diesen eine schmähende Aussage oder Geste vorliegt, ist Ermessenssache. Das gilt auch für den Fall einer Tätlichkeit.

Der Präzedenzfall Lezcano

Und es gibt im Schweizer Fussball einen Präzedenzfall. Nachdem sich vor vier Jahren der damalige Luzern-Stürmer Dario Lezcano einen Kopfstoss gegen den Schiedsrichter erlaubt hatte, sperrte ihn die Disziplinarkomission der Swiss Football League für acht Spiele. In ihrer Urteilsbegründung hielt sie fest, dass unter den Begriff «Tätlichkeit» jede Handlungsweise falle, «mit der in die körperliche Integrität des Schiedsrichters absichtlich oder eventualvorsätzlich eingegriffen wird».

Dazu zählt Stockers Aktion ziemlich eindeutig. Ob in diesem Fall die Sprachbarriere zusätzlich eine Rolle gespielt hat, ist Mutmassung – Abed stammt aus dem südfranzösischen Städtchen Brignoles. Stocker sagt dazu: «Ich kann nicht verstehen, weshalb ein französischer Schiedsrichter in der Schweiz Spiele leitet.» Im Schweizer Spitzenfussball kamen und kommen im Rahmen von Austauschprogrammen der Verbände auch Unparteiische aus Österreich oder Katar zum Einsatz. (wie)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gregor am 24.11.2019 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    ein bisschen Persönlichkeit...

    jetzt dem Sprachunterschied noch Schuld geben? Es wird nicht gerempelt und fertig. Lernt Euch im Griff zu haben. Kann bei meiner Arbeit auch nicht immer alles rauslassen.

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  • RS am 24.11.2019 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Jaaa, der Schiri darf nicht angefasst werden , E Basta

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  • Markus am 24.11.2019 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Völlig egal was sich der Schiedsrichter alles geleistet hat, er wird nicht angefasst.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinrich Knecht am 27.11.2019 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CO2-Skandal-Schiri einfliegen

    Da werden Schiris eingeflogen um ein Spiel zu leiten. Rote Karte für den Verband! CO2-Skandal und Sprachblödsinn. Mehr Kommentar braucht es nicht (Punkt)

  • Moppelinho am 26.11.2019 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball hat regeln.

    Das Fußballspiel hat regeln. Eine davon ist. Der Schiri ist absolut unantastbar. Weder verbal noch körperlich oder auf sonst eine Weise. Da Fußballer dazu neigen die Regeln des Sports permanent neu zu definieren ist es unabdinglich das Schiris für die Einhaltung der Regeln sorgen. Also rot für das anfassen sowie für die höhniche Geste danach. Und das ohne Diskussion. Egal was vorher war.

  • Bernard Lapointe am 25.11.2019 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Le welsh

    Basel hatte zu oft konforme Schiedsrichter. Im Hinspiel hat der Schlag von Xahka auch den Karton verdient rot ..

  • Mimo Sen am 25.11.2019 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich sollte ein Schiri ja

    de-eskalierend wirken, und nicht nichtige Situationen mit einer übertriebenen Reaktion noch anheizen. der Ademi kam nur dazu, WEIL der Schiri dermassen übertrieben reagierte... solche Mimosen und Eigendarsteller sollten keine Spiele auf dieser Stufe leiten. Nach Abpfiff dafür eine rote zu geben hat mehr mit der verletzten Eitelkeit des Schiris zu tun als mit einer Tätlichkeit. und wenn er einem Captain nicht zuhören will, und ihn jener dann leicht am Arm berührt um seine Aufmerksamkeit zu erregen, ist das auch mehr als verständlich und kein Drama...

    • Leo Hunziker am 25.11.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

      Der Schiri hat alles richtig gemacht!

      Stocker hat den Schiri eben NICHT "nur leicht am Arm berührt" sondern so geschubst, dass es auch so verstanden werden muss, wie es gemeint war. Und dann schob er auch noch die höhnische "Daumen hoch"-Geste hinterher. Verständlich, dass sich das ein (unvoreingenommener, weil ausländischer) Schiri nicht gefallen lässt und die rote Karte zieht!

    • J.B. am 25.11.2019 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Gruss von einem Schiedsrichter

      Sie geben nun dem Schiedsrichter die Schuld, weil er Stocker die rote Karte zeigte? Lesen Sie was derzeit auf Fussballplätzen im Amateurbereich passiert. Nicht ohne Grund streiken z.T. deutsche Amateurschiedsrichter. Es geht darum im Profifussball kleinste Vergehen gegen den Schiedsrichter zu ahnden um so eine Wirkung im Amateurbereich zu erzielen. Für mich gilt: sobald ein Schiedsrichter in nicht freundschaftlicher Weise berührt wird - glatt rot. Denn wenn es so weiter geht haben wir bald keine Schiedsrichter mehr.

    • Rob Freitag am 26.11.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Korrekt

      Stimme absolut zu, weil die Pfeife sich profilieren möchte spielt er sich hier übertrieben auf. Hoffentlich überdenkt er seinen Job, weil so schadet er dem Sport....

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  • Edi am 25.11.2019 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolut ok

    Heisssporn.....Mimösli und das als Capitan.....