Ausschreitungen

20. März 2019 20:37; Akt: 20.03.2019 21:21 Print

Was gegen Fangewalt getan wird – und was es bringt

von Florian Raz - Der Blick auf Massnahmen gegen gewalttätige Fans zeigt: Weniger kann manchmal mehr sein.

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Vermummt und gewaltbereit: Hooligans stürmen in Lausanne den Rasen. (Bild: Keystone)

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Nach dem Pyro-Skandal der GC-Fans in Sitten ist der Aufschrei gross. Der Tenor selbst bei CVP-Bundesrätin Viola Amherd: Jetzt muss doch endlich etwas gegen randalierende Zuschauer an Fussballspielen unternommen werden!

Allerdings sind bereits heute Massnahmen in Kraft, und diese sind nicht so wirkungslos, wie das angesichts der wüsten Szenen in Sitten erscheinen mag.

Dank dem Hooligan-Konkordat haben die Behörden die Möglichkeit, Melde-Auflagen auszusprechen. Das heisst, dass sich verurteilte Übeltäter an Spieltagen bei der Polizei melden müssen. Eine sehr weitgehende Massnahme, die erst selten eingesetzt wurde.

Häufiger werden Rayonverbote ausgesprochen. Hier darf sich der Verurteilte nicht in der Nähe von Stadien aufhalten. Diese Verbote sind allerdings schwerer zu kontrollieren.

Alle Stadien der Super League sind mit Kameras ausgestattet, um etwa Pyro-Zünder zu identifizieren. Das Problem: Diese vermummen oder verstecken sich hinter Fahnen. Trotzdem kommt es aufgrund von Videoaufnahmen immer wieder zu Verurteilungen. Seit 2015 filmt die Liga unter dem Namen ­«Focus One» auch ausserhalb der Stadien.

Widersprüchlich wirkt auf den ersten Blick das 2015 eingeführte Konzept Good Hosting. Auswärtsfans werden von weniger Sicherheitsleuten empfangen als früher. Diese treten erst noch weniger militärisch auf. Das soll zu weniger Gewalt beim Stadion-Eingang führen. Im Mai wird eine Studie der Uni Bern über die Wirkung vorgestellt. Hinweise, dass weniger manchmal mehr sein kann, gibt es. Ausschreitungen bei den Einlass-Kontrollen haben deutlich abgenommen. Allerdings ist das Konzept bei Clubs wie Luzern oder Thun umstritten, weil sie zuletzt Probleme mit Gästefans hatten, die sich weigerten, in den Gästesektor zu gehen.

Bleibt ein wichtiger Punkt, den GC vernachlässigt hat: den Dialog mit Fans, um ­Randale im Vorfeld vorzubeugen.

Was keine Massnahme garantiert, sind total gewaltfreie Kurven. Dazu müsste die Fan­szene verboten werden, verbunden mit der Frage, wo es gewaltbereite Kurvengänger dann hinzieht.

Fussball

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EX - Ultra am 20.03.2019 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vor einigen Jahren...

    war ich selbst mittendrin... Wochenende für Wochenende. Es gab nichts geileres als mit seinen Kumpels an die Spiele zu gehen. Jedoch stand das Spiel nicht im Vordergrund. Wichtig war, wer ist der Gegner. Nicht der Gegner der Fussballmannschaft, nein unser Gegner, die anderen Ultras! Prügeleien, Pyros, saufgelage... Adrenalin PUR! Alles gehörte dazu, und wir waren stolz. (Einige sind es wohl immernoch). Jetzt wenige Jahre später bereue ich mein assoziales, egoistisches Verhalten damals und verurteile dies aufs schärfste. Leider kann ich die Zeit nicht zurück drehen u d ändern, was ich jedoch beeinflussen kann ist meine Zukunft. Und diese sieht jedenfalls um einiges besser aus...

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  • K. Acker am 20.03.2019 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Benennung

    Die Medien sollten aufhören, von "Fans" zu sprechen. Denn es sind nichts anderes als Fussball-Chaoten. Mit Fan sein hat das Ganze nichts zu tun. Durchgreifen, zum abkühlen mal ein paar Tage in eine Zelle sperren, so dass sie sich dem Chef und ihrem Umfeld erklären müssen. Stadionverbot und Aufkommen für die verursachten Schäden. Dann ist rasch ruhe im Karton!

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  • Peter am 20.03.2019 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Cool unser Staat hats im Griff...

    Hooligans können in der Schweiz machen was sie wollen. Fährst du jedoch zu schnell bist du dran. Dann wird der ganze Staatsapparat aufgezogen damit man dich fertig machen kann. So funktioniert unser Staat. Dort wo es Arbeit gibt schaut man weg und dort wo man abkassieren kann wird automatisiert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nada Nada am 21.03.2019 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Egal was Ihr alle schreibt

    Solange dem Steurzahler die Kosten auf die Augen gedrückt werden können, passiert absolut gar nix. Was macht eigentlich das DOPPELPASS-Team von Züri und GCZ und FCZ gegründet im September 2018?

  • Konsequent am 21.03.2019 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwangabstieg

    Sobald der Club die Fans nicht mehr im Grifg hat Zwangabstieg in die 5. Liga und Geisterspiele!

    • Beo Bachter am 22.03.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Konsequent

      Das ist wieder mal eine Glanzleistung einer Lösung... Und wenn ihr Kind eine Scheibe einschlägt, wandern Sie für mindestens ein Jahr in die Kiste, oder wie?

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  • Frtizus am 21.03.2019 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Fritz

    1. Wieso hat England das Problem nicht?2.Verstehe ich sowieso nicht diese Gurkenliga mit GC YB usw,das man für solche Vereine die im internationalen Vergleich ein Mückenschiss sind prügelt. Geschweige Pyros zündet in Stadien. Meines Erachten nach müsste man den Verein der seine sogenannten Fans nicht in Griff bekomt, erhämlich Strafen 1. und 2. sollte der Verband die Sicherheitskosten zur Hälfte übernehmen oder mehr Geld den Vereinen zu sprechen wie im Pokal oder Liga.

    • dave203 am 21.03.2019 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frtizus

      in der saison 2017/18 wurden allein in der premierleague 492 stadionverbote ausgesprochen. nur weils bei uns nicht in der zeitung steht heisst das nicht dass es keine probleme gibt.

    • K. Enner am 21.03.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Frtizus

      Die Premiere League ist ein Millionen, um nicht zu sagen Milliarden Produkt - da wird geschaut, dass keine negativ Schlagzeilen an die Öffentlichkeit gelangen. Weil die Nachfrage und genügend zahlungskräftige Kunden vorhanden ist können auch andere Richtlinien angewendet werden - versuch das jedoch einmal bei unserer Super League! Zudem hat sich in England das Problem nur verschoben und zwar in Richtung der unteren Ligen - aber davon wird bei uns ja so gut wie nicht berichtet.

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  • Zürcher Ex-Pat am 21.03.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Die gewaltbereiten Kurvengänger dürfen das Spiel im Polizeiposten am Fernsehen mitverfolgen. Wenn solche Kravallmacher jeden Spieltag im Polizeiposten verbringen müssten um sicherzustellen, dass sie nicht im Stadium sind, könnten die echten friedlichen Fans ruhig den Match im Stadium geniessen.

  • Authoritätenmix am 21.03.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mütter als Aufseher und harte Strafen

    In Brasilien gibt es Clubs, da werden die Mütter der Chaoten im Stadion als Aufseherinnen eingebunden. Anzahl Probleme bis dahin: unzählige Verletzte und sogar Tote, seit der Massnahme: 0 Probleme. Das plus knallharte Bestrafung ohne bedingten!!!

    • Duvaj Tega am 21.03.2019 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      Wo ist der Chef

      Nur haben die Schweizer keine Autorität vor der eigenen Mutter wie in anderen Länder. In der Schweiz muss der Chef ins Stadion damit es ruhig bleibt.

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