Moderner Sklavenhandel

18. Juni 2011 09:42; Akt: 28.07.2011 14:48 Print

Was ist ein Fussballer wert?

von Eva Tedesco, Aalborg - Top-Klubs wie Bayern München und Manchester United sollen bereit sein, viel Geld für Xherdan Shaqiri zu bieten. Was ist das Basler Kraftpaket wert?

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Der Marktwert von Xherdan Shaqiri schnellt von Saison zu Saison in die Höhe. (Keystone/AP)

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Im Januar 2009 lag Shaqiris Marktwert bei 50'000 Euro. Ein Jahr später beziffert transfermarkt.de den Wert schon mit 2,5 Millionen Euro und im August 2010 kratzte «Shaq» an der fünf Millionen Marke. Dank 51 Spielen (FC Basel, A-Nati und U21 inklusive zwei Gruppenspielen an der EM), neun Toren und 11 Vorlagen in der Saison 2010/11 Tendenz steigend. Bei der letzten Aktualisierung, am 15. Juni 2011, lag Shaqiris Marktwert laut der Internetseite bei acht Millionen Euro.

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Wikipedia schreibt zum Begriff Marktwert: Der Marktwert (auch Tageswert) ist der durch einen tatsächlich gehandelten Preis bestimmte Wert eines Gutes im Zeitpunkt dieser Transaktion. So weit so gut. Immobilienkäufer können sich zum Beispiel an realen Fakten wie Lage, Grösse und Bausubstanz eines Objektes halten. Wie berechnet sich dieser Wert eines Fussballers? Im Fussball gibt es keine allgemein gültige Formel, die man heranziehen kann. «Die einzige gültige Formel im Fussball ist Angebot und Nachfrage», sagt Michael Reschke, Manager bei Bundesligist Bayer Leverkusen. «Konkurrenz belebt das Geschäft» – und treibt den Preis in die Höhe.

Transferwert und Marktwert

Im Fussball unterscheidet man zwischen Transferwert, als jenem Wert, zu dem ein Verein bereit ist, einen Spieler zu verkaufen und ein anderer Verein bereit ist, ihn zu kaufen und dem Marktwert. Dabei soll es sich einerseits um den objektiv ermittelten Substanzwert eines Spielers handeln, und andererseits soll der Faktor Zukunftsperspektiven ebenfalls einfliessen, schreibt transfermarkt.de. Wobei Transferwert und Marktwert nur in seltenen Fällen übereinstimmen. Da der Transferwert auch von der Vertragsdauer, Lohn, Mitkonkurrenz und dem Eigentümer des Spielers, sprich Verein, abhängt. Dann nämlich, wenn ein Verein das Potenzial seines Spielers erkennt und mehr Geld aus dem Transfer herauszuschlagen versucht.

Der Marktwert auf der Internetseite ist nichts anderes als eine Schätzung auf der Basis von möglichst vielen Informationen. Diese Angaben holt man sich bei Beratern, Journalisten, Scouts und den Statistiken aus den Datenbanken der Klubs, die von den registrierten Usern bewertet und diskutiert werden. Wenn diese Mitglieder glauben den richtigen Wert errechnet zu haben, wird er als Marktwert übernommen. Aber er bleibt theoretisch und entspricht selten dem tatsächlichen Wert des Spielers. Doch er reicht als Richtwert.

Je älter die Daten, desto weniger Gewicht haben sie

Den Hauptteil des Marktwertes machen die aktuellen Leistungsdaten aus. Je älter die Daten, desto weniger Gewicht haben sie. Dazu gehören die Anzahl Spiele, Tore, Vorlagen und Spielminuten. Je besser ein Spieler ist, desto mehr kostet er, ist ja logisch. Belegen kann man aber auch die Zugehörigkeit zur A-Nati, U-Auswahlen und natürlich Turnierteilnahmen wie die U21-EM derzeit. Aufgebote für ein Nationalteam sind immer auch ein Indiz für Qualität. Weitere Faktoren: Die Konstanz des Spielers (unterliegt seine Leistung Schwankungen), Charaktereigenschaften (Egoist, Problemkind), wie kann er mit Druck umgehen und internationale Erfahrung.

Wichtig ist auch das Image. Wie wird über den Spieler in den Medien berichtet? Wie ist seine Aussenwirkung auf die Öffentlichkeit? Spielt er bei einem Top-Klub oder bei einem Abstiegskandidaten? Je grösser die Bekanntheit, desto schneller geht der Marktwert in die Höhe. Ein Beispiel dafür ist Bayern-Star Thomas Müller, dessen Marktwert sich nach der WM in Südafrika verdoppelt hat. Bei jungen Spielern kommt die Erwartung dazu, die man auf diesen Spieler setzt. Viele Vereine sind heute gewillt, mehr Geld für ein Talent mit Zukunftsperspektiven auszugeben, in der Hoffnung, dass dieses Investment sich bei einem Weiterverkauf rechnet.

Nur Bayern und Wolfsburg können sich Shaqiri leisten

Mit einem Tor und einem Assist bisher, hat Shaqiri an der U21-EM seine Leistungsdaten aufdatiert und die Scouts auf der Tribüne verzückt. Doch die Castingshow des Basler Kraftwürfels hat schon Jahre zuvor begonnen. Der Flügelflitzer mit den spektakulären Dribblings steht schon lange in den Notizbüchern der Scouts und ist über den finanziellen Rahmen vieler Vereine hinausgewachsen. In Deutschland könnten sich deshalb wohl nur noch die Bayern und vielleicht Wolfsburg Shaqiri leisten.

In München soll man seit der Begegnung in der Champions-League-Gruppenphase an Shaqiri denken. Er soll den Bayern rund acht Millionen Euro wert sein. Das könnte zu wenig sein, denn auch Manchester United und andere Topklubs sind am Bebbi interessiert. Und der FC Basel könnte sein Juwel auch für zehn Millionen Euro verkaufen, wenn er wollte. Und schon ist wieder die einzig wahre Marktwert-Formel aktiv: Angebot und Nachfrage. Ist ein Klub bereit 10 Millionen zu zahlen, dann ist der Spieler eben 10 Millionen wert.