Fussball-Krawalle

21. Mai 2012 15:09; Akt: 21.05.2012 18:20 Print

Wenn Fans nicht mehr zu halten sind

Die letzten Tage zeigen: Gehen die Fussballmeisterschaften in die Entscheidung, drehen die Fans vermehrt durch. Radikale Massnahmen könnten Abhilfe schaffen.

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Es lässt sich kaum wegdiskutieren: Gehen die Fussball-Meisterschaften in die entscheidenden Phasen, reissen bei den Fans immer öfter die Sicherheitsleinen. Das zeigen auch die Vorkommnisse in den letzten Wochen.

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Soll die entscheidende Phase der Fussballmeisterschaften unter Auschluss der Öffentlichkeit stattfinden, um Krawalle zu verhindern?
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Allen voran die Ausschreitungen in der deutschen Relegation zwischen Hertha Berlin und Fortuna Düsseldorf: Pyro-Würfe aus dem Gästeblock sowie Fans, die den Platz verfrüht stürmten, sorgten beinahe für einen Spielabbruch. Nur unter grossem Einsatz von Sicherheitsleuten konnten die Zuschauer wieder auf die Tribünen zurückgedrängt und das Spiel nach längerem Unterbruch zu Ende geführt werden.

Nur ein Tag zuvor kam es auch beim Relegationsspiel der zweiten Liga zu Gewaltausbrüchen von Fussball-Anhängern. Nach dem Abstieg des Karlsruher SC stürmten die Fans den Platz und zündeten Rauchbomben. In der Folge kam es noch heftiger: Die Krawallanten griffen die KSC-Geschäftsstelle an und lieferten sich eine Strassenschlacht mit der Polizei. Dabei wurden 76 Personen verletzt, darunter 18 Polizisten.

Heftige Tumulte beim Istanbul-Derby

Wiederum einige Tage zuvor knallte es auch in Istanbul heftig: Beim Derby und entscheidenden Spiel um die Meisterschaft zwischen Fenerbahçe und Galatasaray verkrafteten die Fener-Fans nicht, dass ihr Klub es verpasste, den türkischen Meistertitel zu gewinnen und verwüsteten ihr eigenes Stadion. Die Polizei musste hart durchgreifen, um der Lage Herr zu werden.

Zuletzt sorgten am Sonntag Auxerre-Fans gegen Montpellier mit Tennisbällen und WC-Rollen für einen langen Unterbruch. Das Spiel konnte erst weitergeführt werden, nachdem der Auxerre-Sektor geräumt worden war. Verwirrende Bilder gab es am gleichen Tag auch in der Schweiz. Die Servette-Fans stürmten nach dem Erfolg über Meister Basel und der Sicherung des Europacup-Platzes auf das Feld. Gewaltanwendungen gab es zwar keine, es hätte aber auch anders kommen können.

Die Häufung der Krawalle im Zusammenhang mit Fussball gibt zu denken. Bayern München fühlt sich nach den Tumulten überall dazu verpflichtet, sich bei den eigenen fairen Fans zu bedanken (siehe Infobox). Eine nette Geste, aber eigentlich dürfte «anständiges Verhalten» doch vorausgesetzt werden. Weder in Deutschland noch in der Türkei oder in der Schweiz scheint man die Situation wirklich im Griff zu haben. Nichts scheint zu funktionieren, deshalb unser provokativer Vorschlag: Die letzten drei Runden der Saison könnten unter Ausschluss der Zuschauer ausgetragen werden.

Was halten Sie von diesem Vorschlag? Wie würden Sie das Problem lösen? Diskutieren Sie hier mit.

(fbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fussballfan am 21.05.2012 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harte Sanktionen für alle

    Die Strafe für Fehlverhalten müssten so hoch sein, das sich der -eventuelle Pyro Werfer- zehn mal überlegt ob er das tut. Gleichzeitig müsste man alle im gleichen block befindlichen Personen zur Mitverantwortung ziehen und ebenfalls hart bestrafen. 1. Geht von einer 1000 grad heissen fakel ein zu hohes Risiko aus - erst recht wenn sie geworfen wird. 2. Ist jeder im block mit verantwortlich und dem Krawallmacher wird schnell auf die Finger geklopft sobald er nur daran denkt.

  • Heimat am 21.05.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Ich finde dies eine super Idee. Somit wird der neutrale Matchbesucher auch noch radikalisiert.

  • Doris Maurer am 21.05.2012 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Pyros

    Ich frage mich,warum es meistens nur im Fussball solche ausschreitungen gibt! Bei anderen Sportarten sind auch so viele Fans und dort kann msn friedlich geniessen. (z.B Schwingen) Es muss einfach strenger darauf geachtet werden, dass keine Pyros in die Stadien mitgenommen wird. Die sind einfach nur gefährlich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • branchr branchr am 21.05.2012 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    viel zu lange zugeschaut

    es ist doch wie am 1. Mai...die wirklichen Krawallmacher kann oder will man nicht rauspicken. Mit den heutigen Kameras könnte sogar ein Laus im Haar entdeckt werden. Also haben diese sogenannten Fans oder 1. Mai Randalierer nie etwas zu befürchten. (siehe auch die Vorfälle im Letzigrund und den Hooligans, keiner aber keiner ist irgendwo scharf in Aktion zu sehen)

  • Patrick Frey am 21.05.2012 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Die Medien sind nicht unschuldig ...

    Krawalle im Fussball gibt es schon seit Jahren, das ist nicht erst seit dieser Saison so. Durch die Kommerzialisierung des Sports wird der ganze Fussball nicht gerade fanfreundlicher gemacht (z.B. Relegationsspiel in der Bundesliga). Da geht es um so viel, dass die Emotionen einfach hochkochen. Auch die Medien verleihen diesem ganzen Hype Flügel. Wenn Servette-Fans den Platz stürmen um mit Ihren Spielern zu feiern, wird sofort von "Platzsturm" und "Chaoten" gesprochen ... dadurch werden die Fans in ein (noch schlechteres) Licht gerückt.

  • Diego am 21.05.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied zu England

    In England gibts keine dämlichen Ultras und auch keine Pyros. Dort nennt sich der Fan 'Supporter' und das ist ein himmelweiter Unterschied. Die Vereine nehmen grosse soziale Verantwortung in der community war. Da wären Basel und Zürich überfordert mit all ihren Problemfällen auf den Stehplätzen!

  • Paul Dampf am 21.05.2012 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Dampf ablassen.

    Wir werden heute auf fast allen Ebenen massiv eingeengt. Dass man in der Anonymität dann die Sau rauslassen will, ist eine logische und legitime Schlussfolgerung. Sollte eine obligatorische Identifikation wie Fotografieren und Ausweispflicht beim Eintritt stattfinden, wird das solche Auschreitungen im Stadion sicherlich verhindern, jedoch suchen die sich dann andere Ebenen zum ausrasten. ZBspl. ausserhalb des Stadions, 2. oder 3.Liga Spiele oder einen ganz anderen Sport.

  • Fussballfan am 21.05.2012 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harte Sanktionen für alle

    Die Strafe für Fehlverhalten müssten so hoch sein, das sich der -eventuelle Pyro Werfer- zehn mal überlegt ob er das tut. Gleichzeitig müsste man alle im gleichen block befindlichen Personen zur Mitverantwortung ziehen und ebenfalls hart bestrafen. 1. Geht von einer 1000 grad heissen fakel ein zu hohes Risiko aus - erst recht wenn sie geworfen wird. 2. Ist jeder im block mit verantwortlich und dem Krawallmacher wird schnell auf die Finger geklopft sobald er nur daran denkt.