WM in der Wüste

03. Dezember 2010 19:29; Akt: 03.12.2010 19:29 Print

Wie Blatter seine Wiederwahl sicherte

Dass die WM 2022 in Katar gespielt wird, mag viele überraschen. Sepp Blatter aber hat damit seine Dauerkarte für das Präsidentenamt endgültig verlängert.

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Sepp Blatter und Mohamed Bin Hammam im Mai 2009 in Kuala Lumpur.

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Für einen Moment war es still. Als Sepp Blatter am Donnerstag die Karte aus dem Couvert zog und der Name Katar zu sehen war, stockte den Fans weltweit der Atem. Vielleicht aber war die Überraschung bei einigen gar nicht mehr so gross. Nach den ganzen Korruptionsvorwüfen liegt die Glaubwürdigkeit der Fifa im Keller. Und einige sind sich sogar sicher, dass die Wahl bereits Ende April entschieden war.

Es war die Zeit, als Mohamed Bin Hammam, Fifa-Exekutivmitglied aus Katar, seine Zukunft als Präsident der Fifa gekommen sah. Und am Stuhl von Blatter rüttelte. Jener Bin Hammam, der 1998 als Förderer Blatters im Wahlkampf gegen den Schweden Lennart Johansson in Erscheinung trat. Blatter siegte damals – und die Helfer aus Katar wurden zu Blatters engsten Freunden. Als Blatter sich 2002 der Wiederwahl als Fifa-Präsident stellte, jettete er mit Bin Hammam wochenlang durch die Welt, um Stimmen für den Schweizer zu sichern. Mit dem Langstreckenjet des Emir von Katar soll Blatter mit seinem Weggefährten für seine Machterhaltung geworben haben – vor allem in Afrika und Asien.

«Wie käme ich dazu?»

Blatter soll Bin Hammam versprochen haben, sein Nachfolger zu werden. Doch jetzt rüttelte dieser bereits vorzeitig am Stuhl des Wallisers. Im April jettete Blatter nach Katar, um den Machtkampf zu beenden. Kurz darauf erklärte der Fifa-Präsident in Dubai, er unterstütze Katars Bewerbung für die Fussball-WM 2022. Die «SüddeutscheZeitung» wollte vom Fifa-Präsidenten wissen: «Haben Sie einen Deal gemacht, um 2011 für weitere vier Jahre präsidieren zu können?» Blatter: «Aber sicher habe ich keinen Deal gemacht. Wie käme ich dazu? Als Fifa-Präsident werde ich mein Amt doch nicht missbrauchen!»

Mehrere Fifa-Mitglieder, die nicht genannt werden wollen, widersprachen laut «Spiegel Online» aber dem Walliser. Für sie ist klar: Im April wurde die WM nach Katar vergeben – und damit Blatters Wiederwahl endgültig gesichert.

Zumindest Letzteres scheint gewiss. Die Stimmen aus Afrika hat er sich mit der WM-Vergabe an Südafrika geholt, jene aus dem Osten dank Russland 2018. Und der arabisch-asiatische Raum ist Blatter jetzt zu Dank verpflichtet – wegen Katar 2022.

(meg)