U17-Weltmeister

29. Dezember 2009 15:24; Akt: 29.12.2009 16:31 Print

Will Seferovic plötzlich für Bosnien spielen?

Erneute Verwirrung um einen der U17-Titanen: WM-Final-Torschütze Haris Seferovic will gemäss bosnischen Medienberichten für die Nati Bosnien-Herzegowinas spielen. Er selbst sagt: «Alles erfunden.»

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Macht auch im Urlaub Schlagzeilen: Haris Seferovic mit Vater Hamza vor dem Haus der Familie in Sanski Most (BiH). (Bild: «Dnevni Avaz» )

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GC-Spieler und U17-Weltmeister Haris Seferovic weilt in den Ferien. Mit seinem Vater verbringt er die Tage zwischen Weihnachten und Silvester in der Heimat seiner Eltern – Bosnien und Herzegowina. Statt ruhiger Urlaubstage gibt es aber Schlagzeilen für den 17-Jährigen: «Ich will für Bosnien spielen», titelte «Dnevni Avaz». Die populärste Tageszeitung des Landes will das Talent im Haus seiner Eltern in Sanski Most zum Interview getroffen und die Frage gestellt haben, die auch in der Schweiz bereits für Diskussionen sorgt: Für welche A-Nationalmannschaft läuft der bosnisch-schweizerische Doppelbürger auf?

Die Antwort ist ein Schlag für den Schweizer Fussballverband: «Mein Wunsch ist es, im Dress der bosnischen Nationalmannschaft aufzulaufen», zitiert «Dnevni Avaz» den 17-jährigen Weltmeister. Und auch gegenüber dem Sportportal «24sata» aus Mostar soll Seferovic die gleiche Aussage gemacht haben. Es sei sein Wunsch, aber auch der seiner Eltern, heisst es in den Berichten weiter.

«Alles frei erfunden», sagt Seferovic

Tatsächlich hatte sich sein Vater Hamza Seferovic bereits früher geäussert, für welches Land sein Herz schlägt. «Ich bin glücklich in der Schweiz. Aber in Bosnien bin ich aufgewachsen, dort habe ich meine Wurzeln, das ist meine Kultur», so Hamza Seferovic nach der U17-WM Mitte November gegenüber 20 Minuten Online. Der erfolgreiche Sohn selbst äusserte sich bisher gegenteilig und versicherte, er wolle auch in Zukunft im roten Dress auflaufen.

20 Minuten Online erreichte das Nachwuchstalent in Bosnien und konfrontierte ihn mit den Schlagzeilen. Der Anruf schien Haris Seferovic wenig zu überraschen: «Ich habe mit niemandem gesprochen», sagt der 17-Jährige klipp und klar gegenüber 20 Minuten Online. Es sei alles frei erfunden, mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

Erinnerungen an den Fall Xhaka

Bereits vor Wochenfrist hatten mazedonische Sportseiten berichtet, dass der U17-Weltmeister und kosovarisch-schweizerische Doppelbürger Granit Xhaka für die Heimat seiner Eltern auflaufen wolle. «Das ist alles Propaganda», dementierte die Mutter gegenüber 20 Minuten Online. Es gebe keine Diskussion darüber, für wen ihr Sohn spiele, das sei und bleibe die Schweiz.

Dennoch lässt der Bericht über Seferovic aufhorchen: «Dnevni Avaz» ist kein unbedeutendes Lokalmedium, sondern eine der populärsten Zeitungen im Land. Würde sich ein solches Blatt eine komplett erfundene Geschichte erlauben? «Vielleicht bereut er seine Aussage in der Zwischenzeit», sagt der Autor des Artikels. Wie der Korrespondent von «Dnevni Avaz» berichtet, seien er und sein Kollege von «24 sata» gemeinsam im Hause Seferovic gewesen. «Wir haben bestimmt nichts erfunden.»

Empfang beim Bürgermeister

Inzwischen hat auch der Bürgermeister von Sanski Most den Nachwuchsspieler empfangen, wie «Mojasana.ba» berichtet. Im Gespräch zwischen den beiden ist es gemäss dem Portal unter anderem auch um die A-Nationalmannschaft gegangen, wobei Seferovic erneut die Aussage gemacht habe, er wünsche sich, für die bosnische Nati zu spielen. Der Verband habe unlängst Kontakt aufgenommen.

Unabhängig von der Echtheit des Berichtes gibt es Hoffnung, dass der talentierte Stürmer der Schweiz dennoch erhalten bleibt: «Der Entscheid hängt von einigen wesentlichen Faktoren ab», relativierte Seferovic den Wunsch gegenüber allen drei Medien. Konkret wurde er aber nicht. Mehr könne er im Moment dazu nicht sagen.

(amc)