Die etwas andere Tabelle

15. April 2019 16:20; Akt: 15.04.2019 16:22 Print

Wo Arsenal und Barcelona absteigen würden

von Marcel Rohner - Zählt man in den europäischen Top-Ligen nur die Tore von einheimischen Spielern, gibt es einige Überraschungen. Die Schweiz hätte einen anderen Meister.

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Sie würden den FC Basel zum Meister machen. Albian Ajeti (12 Tore) und Luca Zuffi (6). Würden in der Schweiz nur die Treffer von einheimischen Spielern zählen, würde der FCB die Tabelle klar anführen, noch vor dem FC Thun und YB. Letzter wäre weiterhin GC. Der Sensationsmeister von 2016 würde es wieder schaffen. Dank 22 Toren des Duos Jamie Vardy/James Maddison läge Leicester City vor Burnley und Tottenham auf Platz 1 der Premier League. Arsenal wäre Stand jetzt Zweitletzter. Bei den Freiburgern teilen sie sich die Tore auf. Die besten vier Torschützen der Mannschaft sind Deutsche. Es sind Nils Petersen (10 Tore), Luca Waldschmidt (8), Lucas Höler und Florian Niederlechner mit je vier. Ohnehin beschäftigt das Team von Kult-Trainer Christian Streich nur sieben Ausländer. Gemeinsam mit Bayer Leverkusen würden sie um den Titel kämpfen. Bayern und Dortmund lägen auf den Rängen 3 und 4. Er ist nicht nur Topskorer von Sampdoria Genua, sondern auch der von der Serie A: Fabio Quagliarella. Der Altmeister würde die Ligurer auf Platz 1 der Liga schiessen. Bitter sähe es für die aktuelle Top-4 aus: Juventus schafft es nur auf Platz 8, Napoli und die beiden Mailänder Vereine stehen geschlossen auf den Rängen 12 bis 14. Jaime Mata und Jorge Molina von Getafe jubeln. Das Team aus dem Madrider Vorort ist die Überraschungsmannschaft in der spanischen Liga und liegt derzeit auf Platz 5. Noch besser wäre es, wenn nur die Tore von Mata, Molina und deren Landsmänner zählen würden: dann wäre Getafe Erster, noch vor Athletic Bilbao. Real Madrid wäre die graue Maus im Mittelfeld, Barcelona würde um den Abstieg kämpfen. Der einzige Leader aus den europäischen Top-Ligen, der sich auch dann behaupten würde, wenn nur die Tore seiner einheimischen Spieler zählen würden, heisst Paris St-Germain. Dies dank Kylian Mbappé. Der junge Franzose schoss bisher 27 Tore in der Ligue 1 und sorgt quasi im Alleingang dafür, dass sich PSG mit Olympique Lyon um den Titel duellieren würde.

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Früher, in den 90er-Jahren zum Beispiel, da gab es im europäischen Fussball eine Einschränkung, was die Ausländer betrifft. Drei durften es beispielsweise in Italien sein, Inter Mailand setzte mit Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme auf ein deutsches Trio, der Stadtrivale AC Milan auf ein holländisches, bestehend aus Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard. Alle anderen Spieler in den Kadern waren Italiener.

Heute wechseln Spieler aus aller Herren Länder jeden Sommer und Winter die Vereine, Einschränkungen gibt es nur noch bei Spielern aus dem Raum ausserhalb der EU. Kein Verein verlässt sich mehr auf Ausländer-Trios. In der Super League ist das nicht anders, gut 48 Prozent aller Spieler sind keine Schweizer. Von den fünf europäischen Top-Ligen weisen nur Spanien (42 Prozent) und Frankreich (47 Prozent) eine etwas tiefere Quote auf. Spitzenreiter ist wenig überraschend die Premier League, wo gut zwei Drittel aller Spieler aus dem Ausland stammen.

Basels Swissness zahlt sich aus

Diese hohen Zahlen wirken sich natürlich auch auf die Torschützen aus. Weil der gerade ausgespielte Super-League-Spieltag 29 mit nur vier Toren nicht sehr aussagekräftig ist, bedienen wir uns bei den Spielen von einer Woche zuvor. 15 Tore gab es da, die einzigen Schweizer Torschützen waren Djibril Sow, Sandro Lauper (beide YB), Ruben Vargas (Luzern) und Dereck Kutesa (St. Gallen).

Das Fussball-Portal Transfermarkt.ch führt sehr viele Statistiken und Tabellen. Darunter eine, die zeigt, was denn eben wäre, wenn nur Tore von nationalen Torschützen zählen würden, am Wochenende vom 6. und 7. April also nur jene von Sow, Lauper, Vargas und Kutesa. So viel vorneweg: Es würde einige 0:0-Spiele mehr geben. Und in der Schweiz würde es wohl auch einen anderen Meister geben. Stand jetzt führt der FC Basel diese Tabelle an, mit 15 Punkten Vorsprung vor dem FC Thun, die Young Boys wären sogar hinter dem Kantonsrivalen zu finden.

Am tiefsten sinken aber würde der FC Sion. Liegt das Team von Präsident Christian Constantin in der echten Super-League-Tabelle derzeit auf Platz 4, wäre es in der Tabelle mit Schweizer Torschützen Rang 8. Keine Veränderung gibt es bei den Zürcher Vereinen: Der FC Zürich bleibt Siebter, GC das Schlusslicht mit nur einem gewonnenen Spiel.

Premier League: Wieder der Sensationsmeister

Diese Spielerei lässt sich natürlich auf alle anderen Ligen ausweiten. Mit einigen Überraschungen. In der Premier League beispielsweise wäre der Sensationsmeister von 2016 wieder auf Kurs: Leicester City führt mit nur englischen Torschützen vor Tottenham und Burnley. Manchester City und Liverpool, die beiden Mannschaften, die sich noch um den Titel duellieren, wären auf den Plätzen 4 und 11 zu finden.

Die Differenz der beiden ist vor allem auf Raheem Sterling zurückzuführen. Der erzielte 17 der 18 englischen City-Treffer, bei Liverpool ist es James Milner mit sechs Toren. Brutal ist die Bilanz übrigens bei Wolverhampton. Würden nur die Treffer von Engländern zählen, hätten die Wanderers nur ein Tor erzielt. Und: Arsenal mit seinen zwei Schweizern Stephan Lichtsteiner und Granit Xhaka wäre Zweitletzter.

Bundesliga: BVB und Bayern immerhin in den Top-4

Kein anderes Bild in der deutschen Bundesliga. Wobei: Immerhin sind hier beide Meisterkandidaten vorne dabei. Bayern München läge auf Platz 3, Dortmund auf Platz 4. Bei beiden kommt der Top-Torschütze zwar jeweils aus dem Ausland – es sind der Spanier Paco Alcácer und der Pole Robert Lewandowski –, dafür sind bei den Dortmundern Marco Reus mit seinen 15 Treffern und bei den Münchnern Serge Gnabry (9) und Leon Goretzka (7) ziemlich erfolgreich.

Den Meistertitel würden aber zwei andere Teams unter sich ausmachen: der SC Freiburg und Bayer Leverkusen. Eintracht Frankfurt, mit seinem treffsicheren Trio Sebastien Haller (Frankreich), Luka Jovic (Serbien) und Ante Rebic (Kroatien) in der realen Tabelle auf Platz 4, müsste dafür gegen den Abstieg kämpfen.

Serie A: Die Top-4 in den unteren Regionen

Würde man in der Serie A nur die Torschützen mit italienischem Pass zählen, hätten es die Top-4 (Juventus, Napoli, Inter und Milan) gar nicht einfach. Der Serienmeister aus Turin nämlich würde um die Teilnahme an der Europa League kämpfen und läge auf Platz 8. Napoli und die beiden Mailänder Vereine würden geschlossen auf den Plätzen 12 bis 14 landen. Das ist nicht unlogisch, schliesslich kommt Juventus' bester Torschütze Cristiano Ronaldo aus Portugal, jener von Napoli (Arkadiusz Milik) und Milan (Krzysztof Piatek) aus Polen und der von Inter (Mauro Icardi) aus Argentinien.

Der produktivste Mann in den Reihen von Sampdoria Genua hingegen ist ein eigener, er heisst Fabio Quagliarella und führt das Rennen um den Titel des Capocannoniere, des Torschützenkönigs, mit 22 Toren an. Darum sind die Ligurer auch auf Platz 1 dieser Liste zu finden, mit fünf Punkten Vorsprung auf die AS Roma. Dahinter, und das ist die grösste Überraschung, liegt SPAL Ferrara. Eigentlich ein Abstiegskandidat, belegen die Norditaliener in der realen Serie-A-Tabelle immerhin Platz 13.

La Liga: Abstieg für Barcelona?

Ziemlich ähnlich wie in Italien wäre die Situation in Spanien, auch hier hätten die Giganten ihre liebe Mühe, es würde sie noch brutaler treffen als die Mailänder Vereine und Napoli. Barcelona würde momentan einen Abstiegsplatz belegen. Top-Torschütze wäre Gerard Piqué mit seinen vier Toren. Da hilft auch Lionel Messi mit seinen 33 Toren nicht. Er hat zwar neben dem argentinischen auch einen spanischen Pass, in dieser Tabelle zählt er aber als Ausländer.

Immerhin: Huesca auf Platz 17 schiebt sich nur dank der Tordifferenz vor die Katalanen. Real Madrid hätte den Klassenerhalt schon so gut wie gesichert. Bei noch sieben ausstehenden Spielen haben die Hauptstädter 14 Punkte Vorsprung auf den ewigen Rivalen. Wenig überraschend ist hier Athletic Bilbao ganz vorne mit dabei, das nur auf Basken im Kader setzt. Leader aber wäre Getafe.

Ligue 1: Der Meister bleibt der gleiche

Um noch ein bisschen die Normalität zu wahren, schielen wir nach Frankreich. Dort nämlich ist Paris St-Germain in beiden Situationen Tabellenführer. Richtig, PSG, das jeden Sommer massig Geld ausgibt, ist die produktivste Mannschaft, wenn man nur die französischen Treffer zählt. Das hängt natürlich vor allem mit einem Mann zusammen. Kylian Mbappé ist momentan Liga-Topskorer.

In der realen Tabelle hat PSG den Meistertitel quasi gesichert, in dieser fiktiven wäre der Kampf mit Olympique Lyon in vollem Gange. Lyon liegt in der französischen Meisterschaft auf Platz 3. Frankreich bringt also gleich zwei Teams aus den Top-4 in die gleichen Regionen der Tabelle mit nur nationalen Torschützen. Das schafft von den besten fünf Ligen in Europa nur Deutschland.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fussballfan am 15.04.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit muss man haben

    Interessant und lustig zum lesen, für was für Statistiken die Leute Zeit aufwenden, um diese zu erstellen.

  • Slimivi am 15.04.2019 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nationalmannschaft

    und jetzt noch diese zahlen. dann ist mein tag gerettet. nicht.

  • Anton am 15.04.2019 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Spielerei

    Na ja, lustige Spielerei. Vielleicht gäbe es da und dort ein paar einheimische Torschützen mehr. Und was, wenn die Söldner in fremden Diensten in ihre Ligen zurückkehren? Ach stimmt, in der Schweiz wären dies viele Torhüter :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Norbert am 21.04.2019 01:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der schlaue ist OBEN!!Investieren? ??

    Aufhören mit so Quatsch Statistiken die nichts nützen!!Wer keine Topstars holt wie Basel und das Geld auf die Bank legt ohne Zinsen und so 38 Millionen der Champions League verpasst,tuet mir leid!!!!

  • Josef Rusch am 20.04.2019 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Sehr selektiv, vor allem wenn man für die Headline Messi dann als Argentinier anstatt Spanier zählt.

  • Sucuk am 19.04.2019 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Einheimischer ?

    Seit wann ist Albian Ajeti ein einheimischer?

  • Barca Fan am 16.04.2019 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Fake News

    Lionel Messi hat sowohl die argentinische wie auch die spanische Staatsangehörigkeit. Somit ist dieser Beitrag nicht viel wert...

    • marko 34 am 19.04.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Barca Fan

      Genau

    • Norbert am 21.04.2019 01:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Barca Fan

      Er in der Nati!!!!

    einklappen einklappen
  • Marco Müller am 16.04.2019 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Messi hat auch den spanischen Pass. Folglich würde Barca nie und nimmer gegen den Abstieg kämpfen.