International Champions Cup

30. Juli 2018 19:41; Akt: 31.07.2018 09:03 Print

Wo statt der Münze eine Kreditkarte geworfen wird

Der International Champions Cup gewinnt für die Grossclubs an Bedeutung. Es geht ein bisschen um den Sport – vor allem aber ums Geld.

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Es war eine Rekordkulisse in Michigan: 101'000 Zuschauer kamen fürs Spiel zwischen Manchester United und Liverpool (1:4) ins College-Football-Stadion, in dem für einmal Fussball gespielt wurde. Die Partie fand im Rahmen des International Champions Cup statt. Freude daran hatte Xherdan Shaqiri, der mit einem Traumtor glänzte.

Shaqiris Fallrückzieher ins Glück. Video: Tamedia/SNTV

Unglücklich schien dagegen José Mourinho, der Trainer von Manchester United. Er zeigte sich verwundert über die Fans: «Die Atmosphäre war gut, aber an ihrer Stelle wäre ich nicht gekommen. Ich hätte kein Geld dafür ausgegeben, diese beiden Mannschaften zu sehen.»

Bei United spielten die «Kinder»

Denn: «Das ist nicht unser Kader, nicht einmal die Hälfte oder 30 Prozent. Heute haben vier oder fünf Spieler gespielt, die tot waren, weil ihnen der Club etwas bedeutet und sie alles zu geben versuchen. Sie bringen sich so gar selbst in Gefahr, weil sie nicht die ganzen Kinder allein gegen Milan oder Liverpool spielen lassen wollen.»

Die Kinder, das waren die vielen Nachwuchsspieler, die aufliefen – weil sich die grossen Namen noch von der WM erholen. Viele Stars fehlen dem Turnier und weilen in den Ferien. Verletzungsgefahr für jene, die teilnehmen, herrscht tatsächlich: Gegen Tottenham erlitten die Barça-Spieler Denis Suarez und André Gomes Verletzungen, wodurch sie wochenlang ausfallen werden.

Ein Milliardär übertrumpft die Fifa

Und doch boomt das Vorbereitungsturnier. Was 2013 mit 8 Mannschaften begann, ist heute ein Wettbewerb mit 18 Teams. Es ist eine Art Club-WM, die sich Fifa-Präsident Gianni Infantino gewünscht hatte, aber nicht umsetzen konnte. Milliardär Stephen M. Ross, Besitzer des Football-Teams der Miami Dolphins, aber konnte. Und so spielen heuer Real Madrid, Barcelona, Bayern München, Manchester City mit – ja, alle grossen Namen des europäischen Fussballs.

Hauptsächlich in Nordamerika, aber auch in Europa und Singapur werden die Testspiele ausgetragen. Nur schon die Spielorte zeigen: Schlussendlich geht es vor allem ums Geld.

Die globale Marke stärken

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte im Vorfeld: «Das ist eine wichtige Reise, weil bei aller Verwurzelung, die wir ohne Frage in München haben, sich ein Club wie der FC Bayern auch global entwickeln muss.» Dortmund hat seine drei Spiele bereits absolviert und führt die Tabelle nach zwei Siegen an. Andere Teams haben aber erst ein Spiel absolviert.

Der Modus funktioniert so: Wer nach 90 Minuten siegt, erhält drei Punkte. Gibt es keine Entscheidung, geht es direkt ins Penaltyschiessen, wo der Sieger zwei, der Verlierer einen Punkt erhält. Maximal sind also in drei Spielen 9 Punkte möglich – richtig interessiert an der Rangliste ist aber niemand.

Wichtiger waren auch für Dortmund Werbeaktionen, gerade mit Akteuren wie US-Spieler Christian Pulisic. Wie der BVB-Marketingchef Carsten Cramer im «Kicker» schätzte, verdient sein Verein rund fünf Millionen Euro mit der Tour durch die USA. Dortmund erhofft sich eine grössere Präsenz in Nordamerika, auch die Bundesliga soll profitieren. «Wir haben die PR-Termine um den Fussball herum geplant und nicht umgekehrt», betonte Cramer aber.

Skurriles aus Singapur

Die bisher wohl skurrilste Marketingszene spielte sich in Singapur noch vor dem Anpfiff ab. Beim Spiel zwischen Arsenal und PSG trafen sich die beiden Captains, Mesut Özil und Adrien Rabiot, zur Platzwahl. Der traditionelle Münzwurf wurde ersetzt: Anstatt Bargeld flog eine Kreditkarte durch die Luft. Sponsor der Partie: natürlich die Kreditkartenorganisation.

Kritiker also liegen nicht gänzlich falsch, wenn sie sagen: Der International Champions Cup ist eine gewaltige Marketingveranstaltung – mit kurzen Fussball-Unterbrechungen.

Fussball

(te)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ende am 31.07.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ende einer ära

    Ich schau kein fussball mehr. Fussball starb in ende 90er.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ende am 31.07.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ende einer ära

    Ich schau kein fussball mehr. Fussball starb in ende 90er.

    • KickerOnFire am 31.07.2018 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ende

      Deshalb gibt es nun auch eine Gegenbewegung gg. diese verkommerzialisierten Turniere: 3. Bundesliga letztes Wochenende, Kaiserslautern - 1860 München, 41'000 (!!!) Zuschauer Back to the roots, das Publikum hat es schliesslich immer noch selbst in der Hand !! ;-/)

    • BM Fan am 01.08.2018 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @KickerOnFire

      wo steht den der CH Fussball? Die kriegen nicht mal 41 tausen zuschauer hin, ausser einige male in Basel oder Bern....CH Fussball= 6.Liega DBL von 1. - 3. Liega, dass Maas der dinge in Weltfussball

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