CC schlägt zurück

23. Mai 2019 12:52; Akt: 23.05.2019 15:32 Print

«Yakin hätte besseren Anwalt nehmen sollen»

von E. Tedesco - Sion-Präsident Christian Constantin lässt kalt, dass der ehemalige Trainer Murat Yakin seinen Lohn notfalls gerichtlich einfordern will.

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Nach acht Monaten beurlaubt Christian Constantin Murat Yakin, Sion befindet sich im Barrage-Strudel. Für die letzten vier Spiele der Super-League-Saison wird die Mannschaft von Christian Zermatten und dem U21-Trainer Sébastien Bichard betreut. Yakin geht rechtlich gegen CC vor. Der U21-Trainer des FC Sion übernahm interimistisch das Traineramt des geschassten Gabri. Nach Irrungen und Wirrungen haben sich nun der Italo-Berner und der mächtige Präsident finanziell einigen können. Rund dreieinhalb Monate war der 38-jährige Spanier im Wallis tätig. Dann wurde es CC ein weiteres Mal zu bunt: Entlassung. Gabri wird nach nur einem Spiel der Rückrunde, einer 1:3-Heimpleite gegen GC, gefeuert. Der Italiener kommt von Lugano und ist der neue Hoffnungsträger im Wallis. Der Erfolg lässt jedoch auf sich warten, stattdessen muss Tramezzani nach einem schwachen Saisonstart gehen. Er soll den Wallisern zu neuem Schwung und zum 14. Sieg im 14. Cup-Final verhelfen: Sébastien Fournier wird interimistisch vom Nachwuchsverantwortlichen zum Trainer der ersten Mannschaft befördert. Sion verliert erstmals in seiner Geschichte einen Cup-Final, 0:3 gegen Basel. Ende Saison kehrt Fournier in den Nachwuchs zurück. Dem Deutschen gelingt ein guter Start im Wallis, doch nach der Winterpause sackt der Punkteschnitt zusammen. Das kostet ihn schliesslich den Platz an der Seitenlinie, obwohl er das Team in den Cupfinal geführt hat. Tholot kommt zum dritten Mal als Trainer zum Zug. Der ehemalige Sion-Spieler trainierte die Walliser bereits 2009 und 2003. Am 12. Mai 2015 wird der Vertrag des Franzosen frühzeitig um zwei Jahre verlängert. Am 12. August 2016 beschliessen Trainer und Präsident Constantin gemeinsam, die Zusammenarbeit zu beenden. Smajic (r.) springt im Wallis wieder ein. Er war bereits 2004 für vier Monate Trainer. Nun erhielt er einen Vertrag bis 2017. Der eigentliche Trainer mit Lizenz, Jochen Dries (l.), wirft den Bettel nach der 0:2-Niederlage gegen St. Gallen am 7. Dezember 2014 hin. Eigentlich hätte Claudio Gentile den FC Sion ab der Saison 2104/15 trainieren sollen, doch der Italiener taucht im Wallis nicht auf. Chassot wird zum neuen Übungsleiter ernannt. Sein Problem: Er besitzt nur das A-Diplom und nicht die für die Super League nötige Uefa-Pro-Lizenz. Christian Constantin hat eine Lösung gefunden: Dries, der bereits 1998 Sion-Coach war und eine Uefa-Pro-Lizenz besitzt, unterstützt Chassot. Claudio Gentile (2.v.l.) hätte am 9. Juni beim FC Sion anfangen sollen. Doch der Italiener tauchte nicht auf. Hier auf einem älteren Foto von 2002 (2.v.l.). Rechts neben ihm steht der junge Bernard Challandes, der auch schon unter Constantin als Trainer gedient hat. Auf die Rückrunde der Saison 2013/14 übernimmt Ponte von Laurent Roussey. Für den 58-jährigen Aargauer ist Sion die erste Station in der höchsten Schweizer Spielklasse seit dem FC Luzern in der Saison 2001/2002. Doch am Ende der Saison erhält Ponte keinen neuen Vertrag. Roussey wird von CC auf die Strasse gestellt. Fünf Niederlagen in Serie und das frühe Cup-Aus in Luzern sind dem Sion-Boss zu viel. Decastel übernimmt den Posten von Rossini. Er selbst wurde erst im letzten Oktober nach 57 Tagen im Amt als Sion-Trainer entlassen. Das nächste Mal Schluss ist aber bereits wieder am 21. Oktober 2013, nachdem er mit den Sittenern in 12 Spielen nur 11 Punkte holen konnte. Rossini hat die nötige Uefa-Pro-Lizenz und wird den FC Sion zusammen mit Spielertrainer Gennaro Gattuso coachen. Er fliegt am 13. Mai 2013 bereits wieder. Gattuso bleibt dem Verein als Spieler erhalten. Gattuso waltet als Spielertrainer im Wallis. Erst wird ihm wegen der fehlenden Lizenz Arno Rossini zur Seite gestellt, dann wird er wieder zum Spieler degradiert. Muñoz übernimmt die Nachfolge von Pierre-André Schürmann, kann sich aber nur gut zwei Monate halten. Schürmann erhält nur einen befristeten Vertrag bis zum Ende der Hinrunde. Nach fünf Spielen verzichtet CC auf eine Verlängerung. Nach nur 57 Tagen im Amt muss Decastel gehen, Nachfolger wird der ehemalige Schweizer U21-Nationaltrainer Pierre-André Schürmann. Nach einem 0:3 gegen den FC St. Gallen hält Fournier vor seinen Spielern eine Brandrede und beschimpft diese aufs Übelste. Zwar entschuldigt er sich, doch aller Kredit ist verspielt. Nur wenige Tage danach nimmt er seinen Hut. Petkovic verlor drei seiner vier Spiele als Sion-Trainer, konnte die Walliser in der Barrage gegen Aarau aber dennoch vor dem Abstieg retten. Ein Angebot von Lazio Rom war schliesslich verlockender, als unter Constantin zu arbeiten. Roussey hielt es über 400 Tage unter der Herrschaft Constantins aus, dann trat er völlig überraschend zurück. Der entlassene FCZ-Meistertrainer hielt es im Wallis nicht lange aus. Der Franzose ist im Wallis kein Unbekannter. Von 1997 bis 1999 stürmte er für Sion und 2003 war er als Spielertrainer tätig. Zermatten war schon nach dem Krankschreiben von Stielike im Trainerstab und ist mit Barberis gleichberechtigt. Ausgerechnet an Weihnachten präsentiert CC seinen neuen Trainer. Umberto Barberis übernimmt zum zweiten Mal in Sion. Stielike wurde von Constantin lange in Ruhe gelassen. Mitte November wurde Stielike aber «krank» und CC übernahm auch noch den Trainerposten. Bigon sprang wieder einmal als Notnagel ein und durfte dieses Mal neun Spiele an der Seitenlinie stehen. Nur acht Spiele überlebte das Duo. Nach Meinungsverschiedenheiten holte Constantin Bigon an die Seitenlinie zurück. Constantin gab Bigon bei seinem zweiten Versuch ungewöhnlich viel Zeit. Am Ende wurde auch er seines Postens enthoben. Gabet Chapuisat war das letzte Opfer von Sion-Präsident Constantin in der Entlassungsserie der Saison 2006/07. Marco Schällibaum musste den Trainerstuhl nach zwei Monaten bereits wieder räumen. Moulin kommt nochmals zum «Handkuss». Didier Tholot übernahm noch im selben Jahr. Bereits im November wird ihm Guy David als Assistent zur Seite gestellt - kurz darauf mit Ami Rebord ein dritter Trainer. Im Mai werden alle drei rausgeworfen. 2003 kommt Constantin zurück und stellt als ersten (und insgesamt neunten) Trainer Charly Rössli ein. Richard zum dritten - und vorläufig letzten Mal: Constantin gab 1997 das Sion-Präsidium ab. Richards zweites Engagement unter Constantin. In Constantins erster Amtszeit (1992-1998) wurde Trossero als Erster ersetzt.

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Seit der Freistellung von Murat Yakin am 7. Mai hat nur Christian Constantin, der Yakin in einen Französisch-Intensivkurs schicken wollte, via Deutsch- und Westschweizer Medien kommuniziert. Vom freigestellten Trainer selber war nichts zu hören. Bei Yakins Vorgängern war der Ablauf stets derselbe gewesen. CC verbreitet Vorwürfe und Verbitterung, dann schickt er sie in die Wüste. Kaum einer lehnt sich gegen die Spielchen des Sion-Präsidenten auf.

Inoffiziell begann Yakin schon vor Wochen, sich zu wehren. Der 44-Jährige kündigte am 10. Mai seinen Arbeitsvertrag mit der Olympique des Alpes SA (FC Sion) aus wichtigen Gründen fristlos auf. «Die Kündigung erfolgte aufgrund des rechtswidrigen Verhaltens des Präsidenten des FC Sion, Christian Constantin, der die Persönlichkeitsrechte von Murat Yakin sowie die Fürsorgepflicht als Arbeitgeber wiederholt und schwerwiegend verletzt hat», sagt Kai Ludwig, der Rechtsanwalt von Yakin gegenüber 20 Minuten.

Chancen stehen gut für Yakin

Yakin hatte einen Vertrag bis Sommer 2021. Er will die gesamte Summe geltend machen und diese Forderung notfalls auch gerichtlich durchsetzen. Die Darstellung von Constantin im «Blick», wonach ihm eine Auflösung des Vertrages unter Verzicht auf Lohnansprüche offeriert worden sei, sei unzutreffend, so der Anwalt. Es hätten zu keinem Zeitpunkt Gespräche zwischen ihm und Vertretern des FC Sion bezüglich einer Auflösung des Arbeitsvertrages stattgefunden.

«Die Parteien befinden sich auch nicht in Verhandlungen über eine aussergerichtliche Einigung», so Ludwig. Yakin selbst wollte sich nicht äussern, der 44-Jährige verwies wegen des anstehenden Verfahrens auf seinen Rechtsanwalt.

Constantin «überhaupt nicht nervös»

Anders Constantin. Der 62-Jährige ist wie immer nicht um eine Antwort verlegen. Auf Yakins mögliche Klage angesprochen, entgegnet er, dass er Kenntnis davon habe, deswegen aber «überhaupt nicht nervös» werde. Constantin sagt gar: «Yakin ist schlecht beraten. Er hätte einen besseren Anwalt nehmen sollen.»

Die beiden hätten vergessen, dass eine Klausel in Yakins Kontrakt Folgendes festgelegt habe: Wenn Yakin das Arbeitsverhältnis vor Ende der Vertragslaufzeit beende, müsse er seinerseits Sion 750'000 Franken zahlen.

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