Bibiana Steinhaus

08. Mai 2018 13:34; Akt: 08.05.2018 15:04 Print

Zensiert, weil sie eine Frau ist

Eine Bundesliga-Partie von Bayern München wurde fürs iranische Fernsehen zu einer Herausforderung – wegen der Schiedsrichterin.

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Bibiana Steinhaus. So nahe sahen iranische Fussballfans die Schiedsrichterin am Fernseher nie. (Bild: Keystone/Michael Sohn)

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Am vergangenen Wochenende gewann der FC Bayern mit 3:1 gegen den 1. FC Köln. Ein Kehrausspiel zwischen Meister und Absteiger. Für Bibiana Steinhaus aber eine grosse Sache: Die Schiedsrichterin leitete ihr neuntes Bundesliga-Spiel.

Die Partie wurde auch im Iran gezeigt, doch das stellte den dortigen Fernsehsender vor einige Probleme. Die Regie wollte den iranischen TV-Zuschauern das Bild nicht zumuten, dass eine Frau ein Männer-Fussballspiel leitet. Deshalb wurden alle Einstellungen, in denen eine Grossaufnahme von ihr zu sehen war, zensiert.

Frauen werden verhaftet

Frauen und Fussball, diese Kombination ist im Iran noch immer nicht gern gesehen. Seit 1979 dürfen Frauen keine Fussballstadien betreten. Auch das Fussballspielen ist ihnen untersagt. Deshalb verkleiden sich Frauen immer wieder mit Bärten und Schnäuzen, um sich in Stadien zu schmuggeln und die Spiele anzuschauen, so auch beim Spiel zwischen Persepolis und Sepidrood Rasht. Die Aktion sorgte für Aufsehen.

Im März wurden 35 Frauen kurzzeitig von der Polizei verhaftet, als sie in Teheran ebenfalls versucht hatten, sich ein Spiel anzuschauen. Bei diesem war auch Fifa-Präsident Gianni Infantino anwesend. Deshalb wurde von diversen Medien spekuliert, ob die Frauen absichtlich diese Partie besuchen wollten, um Infantino auf das Stadionverbot aufmerksam zu machen.

2006 erfolgte eine kurzzeitige Regeländerung

Die Regeln sind aber sehr inkonstant: Bei gewissen Spielen wird verkleideten Frauen, die entdeckt werden, nur der Zutritt ins Stadion verweigert, bei anderen werden sie verhaftet. Ein anderes Beispiel zeigt, dass der Iran nicht grundsätzlich etwas gegen Frauen im Stadion hat, sondern nur keine iranischen Frauen bei Spielen sehen will. Bei einem WM-Qualifikationsspiel in Teheran gegen Syrien waren syrische Frauen im Stadion erlaubt.

Der frühere Präsident des Iran, Mahmoud Ahmadinejad, hatte die Regel 2006 einst aufgehoben, da er der Meinung war, dass sie nicht gegen das islamische Gesetz verstösst. Wenige Wochen später wurde sein Entscheid vom religiösen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei wieder rückgängig gemacht.

Nicht die einzige Zensur

Auch die AS Roma war vor wenigen Wochen Opfer der iranischen Zensur, genauer gesagt ihr Wappen. Die säugende Wölfin mit ihren vier sichtbaren Zitzen war den iranischen Sittenwächtern zu viel. Deshalb wurden diese kurzerhand zensiert und unscharf gemacht.

Bereits im Dezember während der WM-Auslosung wurde ein Teil davon nicht gezeigt, da das Kleid der Moderatorin den iranischen Moralwächtern zu freizügig war.

So wurde das Logo der AS Roma im iranischen TV gezeigt. Quelle: Screenshot Twitter.

(sal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sven am 08.05.2018 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ok

    irgendwie krass, dass es noch immer länder und kulturen auf der welt gibt, deren einzige evolution seit der steinzeit das benützen eines handys ist

  • Klara am 08.05.2018 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machtgetue

    Ich habe gemeint, dass der Iran moderater geworden sei, aber scheint nicht der Fall zu sein, sind irgendwo stecken geblieben, ja es gibt noch andere solche Länder, also bleibt dort.

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  • Otmar M. am 08.05.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Was haben die für ein Frauenbild

    Die Leben doch noch im tiefsten Mittalter.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fippu am 08.05.2018 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorgen die keine sind

    Wen juckts? Mich nicht! Ich schau ja nich auf dem Iranischen Sender Fussball

  • Heinz am 08.05.2018 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Mal sehen

    Wie die integriert werden können.

  • Thomas am 08.05.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armer Iran

    Armer Iran. Fühlt sich von starken unabhängigen Frauen so bedroht. Klammern sich an ihre veraltete Sichtweise..

  • Ruedi am 08.05.2018 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das problem?

    Sollen die doch so leben wie sie wollen..... solange von uns keine anpassung gefordert wird lasse auch ich sie so leben wie sie wollen. Und solange alle zu hause bleiben.....

  • Bruno Meier am 08.05.2018 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Relativieren statt infiltrieren

    Allen die glauben, dass diese frauenfeindliche Haltung dem allgemeinen Willen der iranischen Bevölkerung entspricht sei Folgendes gesagt: Besuchen und bereisen Sie dieses phantastische Land mit seinen gebildeten und aufgeschlossenen Menschen. Deren Gastfreundschaft und der kulturelle und landschaftliche Reichtum des Irans wird vieles von dem relativieren, was uns die hiesigen Medien klar machen wollen. Sich eine eigene Meinung zu bilden, hat noch nie geschadet. Die Iraner sind sehr kritisch ggü. ihren Staats- und Glaubenseliten.