Wegen neuen Regeln

14. Juni 2019 05:10; Akt: 14.06.2019 05:10 Print

Zielen Stürmer nächste Saison auf Hände?

von Florian Raz - An der WM der Frauen gelten die neuen Hands-Regeln. Sie könnten auch in der Schweiz eine Elfmeter-Schwemme bringen.

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Jennifer Hermoso schiesst, Südafrikas Captain Janine van Wyk schützt ihr Gesicht – und gleich darauf gibt es Elfmeter. (Bild: Getty)

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Der Gedanke kommt ihr kurz nach dem Schlusspfiff. «Ich hoffe nicht, dass ich irgendwann die Linie runterrenne und dann den Ball an den Arm oder die Hand einer Gegnerin kicke, um einen Penalty zu schinden», sagt Fran Kirby als sie auf die frisch eingeführten Regeln zum Handspiel angesprochen wird. Diese gelten an der Weltmeisterschaft der Frauen – und halten ab der kommenden Saison weltweit Einzug.

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Hätten Sie in dieser Szene im Spiel zwischen Brasilien und Jamaika Penalty gepfiffen?

Kaum zwei Stunden vor ihrem Gedankenspiel ist Kirby die Linie runter gerannt, hat mit ihrer Flanke den Arm der Schottin Nicola Docherty getroffen – und damit einen Elfmeter für England provoziert.

1. Penalty bei England - Schottland


Natürlich beteuert Kirby danach, sie habe mit ihrem Ball auf den Kopf ihrer Kameradin Lucy Bronze gezielt. Aber auch der Engländerin dämmert unmittelbar nach dieser Szene: «Ich hoffe zwar nicht, dass andere auf die Idee kommen, extra auf den Arm der Gegnerin zu zielen – aber es könnte durchaus passieren.»

Eigentlich war das Ziel der internationalen Regelhüter ja, die Regeln für das Handspiel auf die kommende Saison hin klarer zu gestalten und damit für mehr Klarheit zu sorgen. Die ersten Spiele der WM in Frankreich aber deuten darauf hin, dass das Ifab stattdessen möglicherweise ein Monster kreiert hat.

Bei Stürmern ist alles klar. Aber bei Verteidigern?

Einsichtig ist, dass künftig keine Tore mehr zählen, die mit der Hand erzielt werden. Unabhängig davon, ob die Hand mit oder ohne Absicht ins Spiel kommt. Zudem werden sogar Treffer aberkannt, bei deren Vorbereitung eine Hand mit im Spiel war. So weit, so einfach.

Im Spiel gegen den Ball wird es allerdings gleich weitaus komplizierter. Neu gilt es für das verteidigende Team neu als Handspiel, wenn ein Spieler bei einem Ballkontakt «seinen Körper aufgrund seiner Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrössert». Und wenn sich seine Hand/sein Arm über der Schulterhöhe befindet». Ausnahmen gibt es nur sehr wenige. Etwa dann, wenn der Spieler die Hand braucht, um sich bei einer Grätsche gegen unten abzustützen.

Ist es unnatürlich, Arme und Hände zu haben?

In Frankreich zeigt sich derzeit, wie der Weltfussballverband Fifa seine neuen Regeln ausgelegt sehen will. Und das ist nicht zum Vorteil der Verteidigerinnen. Derzeit scheint es schon fast als unnatürlich zu gelten, wenn Abwehrspieler überhaupt Arme und Hände an ihrem Körper haben.

Dabei ist die Szene aus der Partie zwischen England und Schottland noch die am wenigsten strittige, weil Dochertys ihre Hand doch sehr weit vom Körper hat. Aber es gibt auch den Fall der Jamaikanerin Allyon Swaby. Sie erhält den Ball aus einem halben Meter Distanz an den dicht am Körper liegenden Ellbogen gespielt und wird dafür mit einem Elfmeter bestraft. Oder die Südafrikanerin Janine van Wyk, die ihr Gesicht schützt – und ebenfalls einen Penaltypfiff provoziert.

2. Penalty bei Brasilien - Jamaika


In Frankreich werden die Spielerinnen vor dem Anpfiff klar instruiert. Gemäss Kirby erklärten ihr die Videoschiedsrichter der Fifa vor der Partie gegen Schottland, dass es für einen Penalty reicht, «wenn der Arm nicht nahe am Körper ist». Gilt dieser Massstab in der kommenden Saison weltweit, dann wird der Fussball eine Elfmeterschwemme erleben.

Und es ist durchaus denkbar, dass Stürmer künftig versuchen werden, die neuen Regel auszunutzen und einen Handspenalty zu provozieren. Auch Daniel Wermelinger beobachtet die Regelauslegung an der WM intensiv. Der Schweizer Leiter des Ressorts Spitzenschiedsrichter glaubt aber noch an das Gute im Fussball, wenn er sagt: «Ich gehe nicht davon aus, dass es Teams gibt, die stundenlang im Training auf die Arme ihrer Kollegen zielen.»

3. Penalty bei Spanien - Südafrika


Trotzdem machen die neuen Regeln die Saisonvorbereitung für die Schweizer Spitzenschiedsrichter intensiv. Ende Juni findet ein gemeinsamer Kurs statt. Später wird das «Thema Handspiel mit allen Vereinen der Super und Challenge League aktiv thematisiert», sagt Wermelinger.

Eines gibt der Schweizer Schiedsrichter-Chef unumwunden zu: «Das Thema, was als natürlich gilt und was als unnatürlich, wird noch lange das Potenzial für heisse Diskussionen haben. Vieles ist nicht präzise messbar und lässt Spielraum für persönliche Interpretationen.»

Diskussionsstart? Vermutlich schon am 20. Juli. Dann wird die erste Runde der Super League gespielt.

Fussball

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • let am 14.06.2019 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Ball

    Irgendwie muss ich den Kopf ja schützen! Spielt doch einfach wieder mal Fussball zur Abwechslung!

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  • Roland am 14.06.2019 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Penalty suchen

    Klar und deutlich, jeder Stürmer, dessen Leistung an Toren berechnet wird, sucht den Handspenalty, logisch, würde ich auch machen. Spannend wird sein, welche Kreationen einschlagen werden, Ball dem Gegner an die Hand lupfen und vorbeirennen, da wird es viele neue Techniken geben, ich bin gespannt.

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  • Culmann am 14.06.2019 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CL-Finale

    War der Penalty beim CL Finale nicht auch gesucht? Ich hate das Gefühl, dass der Liverpoolspieler bei dessen "Flanke" nur die Hand des Gegners sucht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Einfädler am 16.06.2019 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übersicht....

    Wenn ich dem Geschehen auf so manchem Feld so zusehe, komme ich zum schluss: Fussball ist ein Frauensport!!... Aber was ist überhaupt ein Frauen und was ein Männersport? Flitzen?? Kunstturnen?? Radfahren?? Und was ist überhaupt SPORT?? Turnen? Was ist Sport und wax Turnen? Oder ist das auch Sport.?!

  • Selfmade am 16.06.2019 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    money & ice cream

    Fußball sollte wieder 'zurück' zu den Wurzeln... Was heute da auf vielen Feldern läuft hat mit 'meiner' Vorstellung von Fussball nicht mehr viel zu tun, deshalb: Fußball adee!! Es gibt noch viiiele andere Sportarten.... (die auch interessant sind & noch nicht vom Geld verseucht sind!! ;) )

  • Peter am 16.06.2019 00:14 Report Diesen Beitrag melden

    verstehe Aufregung nicht

    Der 1ste ist sowas von klar, die hat ja die Arme draussen wie ein Torwart. Der Dritte auch. Gesicht schützen?! Wildes rumfuchteln würde ich das nennen. Über den 2ten kann man streiten. Wurde übrigens immer so gehandhabt in den tieferen Ligen. Ist der Arm nicht angelehnt, ist's Hands. Nur die Profis scheinen da mehr Spielraum zu haben. Wie mit dem Halten & Schubsen bei einem Flankenball...

  • Jason am 15.06.2019 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Hockey

    Ist doch ganz einfach ,Bindet doch den Spielern vor dem Matsch die Hände hinter dem Rücken zusammen.Ach nein geht ja nicht,sonst sieht man ja die Tattoos der Ballerinas nicht mehr.

  • dolfino am 15.06.2019 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ewige meckern

    die fifa hätte besser daran getan eine klare Regel zu erstellen wer mit dem schiri diskutieren darf. nämlich nur noch der Capitain und alle anderen Spieler min.5m Abstand zum schiri. wer das nicht einhält kriegt gelb.