U21-(Nicht)-Spieler

16. Juni 2011 12:33; Akt: 17.06.2011 00:39 Print

Zorn auf der Ersatzbank

von Eva Tedesco, Hobro - Ungeliebte Entscheide fällen ist hart. Das muss auch U21-Nati-Trainer Pierluigi Tami an der EM-Endrunde erfahren. Denn die Unzufriedenheit bei den Ersatzleuten wächst.

Nassim Ben Khalifa und Pierluigi Tami zu der Situation der unzufriedenen Ersatzspieler.
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17 Feldspieler von 20, die mit nach Dänemark gereist sind, hat U21-Naticoach Pierluigi Tami an der EM in den ersten beiden Gruppenspielen eingesetzt. Fabio Daprelà (Brescia), Daniel Pavlovic (GC) und Frank Feltscher (Bellinzona) warten immer noch auf die ersten Einsatzminuten. Die Unzufriedenheit der drei EM-Fahrer wird von Tag zu Tag grösser.

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Fast eine Halbzeit lang lief sich Frank Feltscher beim Spiel gegen Island warm. In der 84. Minute entschied sich der U21-Naticoach aber gegen ihn und wechselte Nassim Ben Khalifa ein, dem die Erleichterung anzusehen war: «Der Trainer hat im zweiten Spiel viele Wechsel vorgenommen und wenn wir gewinnen, ist das besser für mich und auch für die anderen Ersatzspieler.» Hinter dem Nürnberg-Söldner stapfte der Mittelfeldspieler der AC Bellinzona wortlos und raschen Schrittes durch die Mixed Zone. Der Frust war Feltscher ins Gesicht geschrieben. In neun von zwölf Qualifikationsspielen (plus Barrage) hatte er gespielt. In der Endrunde findet er sich bislang nur auf der Bank wieder.

Die Tabellensituation spricht gegen Rochaden

Tami kann den Unmut der Ersatzspieler verstehen. «Es können immer nur 11 spielen. 12 Spieler im 23-Mann-Kader bleiben enttäuscht zurück.» In Einzelgesprächen versucht Tami, seine Entscheidung verständlich zu machen. «Aber leider verstehen sie die Spieler nicht immer.» Nun haben ihm auch die Resultate einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn Tami hatte für die dritte Runde eine Rochade vorgesehen, um einigen Spielern, die gegen Dänemark und Island zum Einsatz gekommen waren, eine Pause zu gönnen.

Das Klima im Team wäre gefährdet

Aber obwohl die U21 als einziges Team an der aktuellen Endrunde noch ohne Verlustpunkte dasteht und als einziger Teilnehmer in zwei Partien noch keinen Gegentreffer kassiert hat, kann sie im letzten Spiel ausscheiden. Dann nämlich, wenn Dänemark gewinnt und die Schweiz gegen Weissrussland nicht zumindest ein Remis holt. Tami wird kein Risiko eingehen und auf seine beste Elf setzen – und auf jene Spieler, die schon gut im Rhythmus sind.

So muss der U21-Nati-Trainer aber gleichzeitig dafür sorgen, dass das Klima in der Mannschaft nicht Schaden nimmt. Zwar hat der 49-Jährige, der seit Juli 2009 die Geschicke der U21 führt, gesagt, dass er einmal, vielleicht auch zweimal mit einem Spieler rede – aber nicht öfter. «Es gibt ein Limit», so der Tessiner, «das Verhalten gegenüber der Mannschaft muss korrekt sein». Dennoch hat er entschieden, am Mittwoch im Training noch einmal mit den betroffenen Spielern zu sprechen.

Letzte Möglichkeit: Härteres Durchgreifen

«Ich glaube, dass ich bei der Uefa einen Antrag für fünf erlaubte Wechsel stellen muss», sagt Tami sarkastisch. Wenn auch sein Fingerspitzengefühl nichts bewirkt, kann der Erfolgscoach (58 Prozent Siege, 17 Spiele seit seiner Übernahme der U21) notfalls auch härter durchgreifen und unpopuläre Entscheide fällen. Das wünscht sich Tami aber auf keinen Fall. Und mal ehrlich – den Titel eines Europameisters können sich ja alle 23-Kaderspieler aufs Visitenkärtchen drucken lassen.