Englische Gelassenheit

07. Dezember 2011 07:20; Akt: 07.12.2011 09:48 Print

Zur Vorbereitung ein Glas Rotwein

von Eva Tedesco - Der FC Basel darf, Manchester United muss gewinnen. Trotzdem gibt sich ManU-Trainer Sir Alex Ferguson in Basel gelassen. Und zeigt sich um Mitternacht beim Schlummertrunk.

Erst gibt Sir Alex Ferguson letzte Informationen an der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Basel preis, dann eilt er zum Abschlusstraining seiner «Roten Teufel» im St.-Jakob-Park. (Video: 20 Minuten Online)
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Sir Alex tickt anders. Am 31. Dezember wird der Trainer von Manchester United 70 Jahre alt. Im Normalfall geniesst ein Mann seines Alters den Lebensabend und spielt ab und zu ein paar Löcher am Golfplatz. Nicht so der charismatische Schotte, der achtmal zum Trainer des Jahres in England und zweimal zum Weltklubtrainer des Jahres (1999, 2008) gekürt worden ist und auch aktuell wieder zu den Nominierten zählt. Zumindest aber kursiert die Vorstellung, dass ein Trainer vor einem so bedeutenden Champions-League-Spiel im stillen Kämmerlein über der Taktik brütet oder wenigstens ein bisschen angespannt ist. Nicht so Sir Alex.

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Der Zeiger der riesigen Uhr am Messeplatz zeigt fast Mitternacht, aber der ManU-Trainer scheint trotz seiner bald 70 Lenze nicht müde zu werden. Von Anspannung ist rein gar nichts zu bemerken. Der Schotte sitzt entspannt im Hinterzimmer des Restaurants im Basler Swissôtel, vertieft in ein Gespräch mit Andy Roxburgh. Der ehemalige Teamchef der schottischen Nationalmannschaft und derzeitige Technische Direktor der Uefa und Ferguson geniessen das Fachsimpeln bei einem Glas Rotwein abseits des Trubels offensichtlich.

Knapp sechs Stunden zuvor war das noch ganz anders. Das Medien-Center im St. Jakob-Park war brechend voll. Rekordverdächtig voll. Es war laut und hektisch. Und alle wollten möglichst viele Informationen aus dem Mund des Managers hören, der in Begleitung von Verteidiger Phil Jones auf der Bühne mit den Champions-League-Logos Platz genommen hatte. Ferguson hatte die Ruhe weg. Wieso auch nicht? Schliesslich kommt er mit dem Wissen nach Basel, den populärsten Klub der Welt zu führen und auch, dass der FCB zwar in der Schweiz der Branchenleader ist, aber allein schon der Marktwert seiner Mannschaft (geschätzte 400 Millionen Euro) etwa zehnmal so hoch ist wie derjenige des FCB. Ganz abgesehen von der Anzahl Länderspiele und der Erfahrung seiner Spieler.

Die Erfahrung von 16 CL-Teilnahmen

Kein Verein hat sich häufiger für die Champions League qualifiziert als die «Roten Teufel». Auf 16 Teilnahmen kommt Manchester United schon. Und nur Barcelona, Real Madrid und die AC Milan haben mit drei Siegen die Königsklasse öfter gewonnen. Selbst die Ausgangslage kann die Engländer nicht aus der Ruhe bringen: Gewinnt der FCB, steht Rotblau im Achtelfinal und Manchester wäre nach 1994/95 und 2005/06 zum dritten Mal nicht über die Gruppenphase hinausgekommen.

Auf die Bedeutung des Duells angesprochen, antwortet Ferguson cool: «Jedes Spiel ist ein grosses Spiel. Meine Spieler waren in den letzten Jahren immer in grossen Spielen dabei, egal ob Achtelfinals, Halbfinals oder Finals. Sie sind es gewöhnt, sich in solchen Spielen durchzusetzen und diese Erfahrung hilft uns natürlich. Ausserdem hat uns auswärts in der Champions League schon lange keiner mehr geschlagen.»

Diesmal mit Superstar Wayne Rooney

Dass sein Team nicht in Bestbesetzung antreten kann, irritiert Sir Alex ebenfalls nicht. Javier Hernandez, Dimitar Berbatov und Michael Owen fehlen verletzt. Dafür ist Wayne Rooney, der beim 3:3 im «Hinspiel» im Old Trafford gefehlt hat, dabei. Dass der Angreifer nach dem Spiel in Basel noch eine Anhörung bei der Uefa in Nyon hat – der englische Verband will erreichen, dass Rooneys Sperre für drei Spiele an der EM-Endrunde 2012 reduziert wird – dürfte den Profi nicht belasten. Ferguson: «Das Hearing wird keinen Einfluss auf sein Spiel haben.»

Genauso wenig wie das Remis aus dem Aufeinandertreffen vor einigen Wochen auf den Rest der Mannschaft. «Wir leiden wegen der Gelassenheit aus dem Hinspiel. Wir haben zu viele Chancen ausgelassen, was uns zwei Punkte gekostet hat. Das war ein komisches Spiel», sagt der Manager über das Remis Ende September in Manchester. «Wir sind zu spät aufgewacht und konnten zum Glück am Schluss ausgleichen.»

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt

Auf die leichte Schulter nimmt der Weltklassetrainer das Duell gegen den FC Basel aber keinesfalls. «Ich war schon öfter im St. Jakob-Park, und jedes Mal herrschte eine tolle Stimmung. Die Zuschauer werden für Basel ein Vorteil sein, denn ich glaube, wir haben nur rund 1000 Fans dabei.» Der Vorteil von 36 000 Fans liegt also beim FCB, denn das Joggeli ist seit Wochen ausverkauft. Die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt. Und wer weiss, vielleicht tickt diesmal nicht nur Sir Alex anders.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • denk-mal am 07.12.2011 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    hopp ManU

    macht euch Hoffnungen, so viel ihr wollt: ManU wird siegen und Basel untergehen

  • Fabio am 07.12.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    ManU

    Ich hoffe so sehr, dass ManU heute ein riesen Spiel zeigt. Basel hat wohl vergessen gegen wen sie spielen. Bleibt doch einfach mal realistisch!

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  • Bruder Motzi am 07.12.2011 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Als nicht eingefleischter Fan des FCB

    hinterfrage ich das ganze Affentheater um den FCB, liebe 20Min. Klar ist es toll, gegen ein ManU einen "Final" zur Quali bestreiten zu dürfen. Wäre das Vorgeplänkel und Geschrei auch in diesem Ausmass, handelte es sich um eine andere CH-Equipe? Heute Abend ist die Entscheidung, für mich eine klare Sache. ManU lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Wenn doch, ziehe ich selbstverständlich gegenüber dem FCB den Hut und würde ihnen den Erfolg gönnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • denk-mal am 07.12.2011 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    hopp ManU

    macht euch Hoffnungen, so viel ihr wollt: ManU wird siegen und Basel untergehen

  • Fabio am 07.12.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    ManU

    Ich hoffe so sehr, dass ManU heute ein riesen Spiel zeigt. Basel hat wohl vergessen gegen wen sie spielen. Bleibt doch einfach mal realistisch!

    • Wayne am 07.12.2011 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      ManUtd

      ManUtd ist und bleibt neben Barcelona das beste Team in der Championsleague der letzten paar Jahre. Sie haben Spieler mit einer Riesenerfahrung und den weltbesten Trainer an der Seitenlinie. Basel wird auseinandergenommen.

    • Basel Ole am 07.12.2011 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Achtelfinal

      Im Fußball ist alles möglich! Glaubet nit an Geister Dr FCB kommt ins Achtelfinal.1:0 Für Basel.

    • Mike Schmid am 07.12.2011 11:20 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso?

      Wieso sollte Basel vergessen haben gegen wen sie spielen?

    • WillemvanPenalty am 07.12.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Daumen drücken!

      Was bist du den für ein Schweizer? Egal aus welcher Region wir doch kommen, heute Abend sollten alle den Basler die Dauem drücken, oder?

    • Schweizer am 07.12.2011 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      wo bleiben die Ambitionen ?

      Ich muss sagen, du wärst ein super Profi-Sportler. Ohne Abmitionen. Ohne Träume. Du würdest vermutlich dieses Spiel Forfait geben. Da sie ja sowieso gewinnen. Mathematisch gesehen wäre der erste der die Champions League gewinnt dann bis in die Unendlichkeit auch der darauffolgende Sieger, da er ja beim ersten mal besser war alles alle andern :D Es gewinnt immer ein schlechter eingestuftes Team gegen ein besseres. Sonst wäre ja der Sieger immer der Gleiche...

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  • Bruder Motzi am 07.12.2011 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Als nicht eingefleischter Fan des FCB

    hinterfrage ich das ganze Affentheater um den FCB, liebe 20Min. Klar ist es toll, gegen ein ManU einen "Final" zur Quali bestreiten zu dürfen. Wäre das Vorgeplänkel und Geschrei auch in diesem Ausmass, handelte es sich um eine andere CH-Equipe? Heute Abend ist die Entscheidung, für mich eine klare Sache. ManU lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Wenn doch, ziehe ich selbstverständlich gegenüber dem FCB den Hut und würde ihnen den Erfolg gönnen.

    • Mike Schmid am 07.12.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

      Auch als eingefleischter Fan des FCB

      Geht mir genau so, antürlich freue ich mich auf das Spiel aber der Hype der Medien darum herum widert mich an. Ich werde dieses Spiel genau so sehr geniessen wie ein Spiel gegen den FCZ (dort habe sogar noch mehr Emotionen)!

    • WillemvanPenalty am 07.12.2011 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Einfach Fussball-Fan sein!

      Ja ich denke diese Hype würde auch entstehen wenn der FCZ, GC, YB etc. in solch einem Spiel spielen würden. Das Problem ist aber, dass obwohl ich nicht FCB Fan bin, keine andere Mannschaft in der Schweiz das Format des FCB hat.

    • Nate vom Besten am 07.12.2011 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Ich war Fussballfan.

      Ich war nie Basel fan, gerade weil die Basler das beste Kader der Schweiz hat. Es ist ganz einfach geworden im Fussball. Wer am meisten Geld hat, feiert am meisten Erfolge! Darum wird heute auch Man.Utd. weiterkommen. Wer weiter denkt, fragt sich, wie gut das für die Schweizer Fussballliga wirklich ist, wenn Basel weiterkommen würde!? Noch mehr Geld = noch mehr Dominanz. Die Hoffnung stirbt zuletzt... Der Fussball stirbt zuerst!

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