FCB-Legenden

16. Juni 2019 09:18; Akt: 16.06.2019 09:26 Print

Streller und Frei sind ähnlich gescheitert

von E. Tedesco - Die ehemaligen Nationalspieler Marco Streller und Alex Frei wechselten schnell vom Rasen ins Büro und scheiterten auf ähnliche Weise.

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waren zwei der herausragenden Schweizer Stürmer. Frei erzielte allein für Rotblau 108 Tore (167 Pflichtspiele) und ist Rekord-Torschütze der Schweizer Nati (42 Tore). Streller schoss 144 Treffer (324 Partien) nur für den FC Basel. Zusammen holten die beiden mit dem FCB 18 Titel (13 Meisterschaft und 5 Cup). Die beiden erfolgreichen Stürmer wechselten vom Rasen ins Büro und wurden Sportchefs. Seit Juni 2017 ist Streller Sportdirektor sowie Mitglied des Verwaltungsrats und des Vereinsvorstand des FCB. Am 14. April 2013 bestreitet Alex Frei mit dem FCB sein letztes Spiel (3:1 gegen den FCZ). Am Tag darauf wurde er beim FC Luzern als neuer Sportchef vorgestellt. 20 Monate versuchte sich Frei im Luzerner Haifischbecken – erfolglos. Zermürbt von internen Querelen gab er am 6. Dezember 2014 auf. Gezeichnet und wie er später sagt am Rande eines Burnout. Zwei Jahre ist Streller im Amt ehe er am 14. Juni 2019 die Segel streicht. Seinem Rücktritt ist ein langer Machtkampf mit Präsident Bernhard Burgener und Trainer Marcel Koller vorausgegangen und wohl auch nicht ganz sauberen Spielchen hinter den Kulissen seiner eigenen Crew. Den Machtkampf um seine Zukunft hat Trainer Marcel Koller gegen Marco Streller wohl gewonnen. Eine Position der Stärke bedeutet das indes nicht. Vom ursprünglichen Verwaltungsrat ist Alex Frei ausgeschieden, weil er kaum Fortschritte sah. Massimo Ceccaroni ist noch dabei wie Marco Streller. Aber als Sportchef ist er zurückgetreten und dennoch noch im Verwaltungsrat? Irgendwie kurios... Alex Frei trainiert aktuell die U18 des FC Basel und schliesst zudem im Herbst seine Trainerausbildung mit der Uefa Pro Lizenz ab.Der ehemalige Torjäger sieht seine Zukunft im Trainerbusiness.

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Fehler gesehen?

Von Anfang an war er der Frage ausgesetzt, was ihn eigentlich zum Sportdirektor des Schweizer Vorzeigeclubs legitimiere. Was, ausser seinem rotblauen Herzen und dem Status einer Clublegende, der Liebe zur Region, der Erfahrung eines Goalgetters? Vor zwei Jahren frage man sich: Kann Marco Streller als Sportchef des FC Basel funktionieren? Ohne klare Antwort darauf, tritt er zwei Jahre später zurück.

Vom FCB-Rasen hinter den Schreibtisch beim FC Luzern, und die Frage war die gleiche: Kann er das? 20 Monate versuchte sich Alex Frei im Luzerner Haifischbecken als Sportchef – erfolglos. Zermürbt von Sticheleien aus dem Hinterhalt und internen Querelen, von der Art, wie seine Arbeit aus dem Club heraus torpediert wurde, gab er auf, sagte, dass er unter den gegebenen Umständen nicht weiterarbeiten könne. Seinen Verdruss erklärte er später folgendermassen: «Man hat 27 Sitzungen für einen Spieler der 80'000 Franken kostet.»

Streller wiederum schrieb am Freitag, nachdem er einen internen Machtkampf beim FCB verlor: «Es sind zwei, drei Sachen passiert, die ich nicht akzeptieren kann.» Auch der FCB-Sportchef beklagt fehlende Rückendeckung.

Zu wenig Kompetenzen, zu lange Entscheidungswege

Die Sportchefs nehmen bei der Führung eines Fussballclubs heutzutage eine zentrale Rolle ein. Vielleicht ist er sogar die wichtigste Person im Club, wenn man seine Aufgaben anschaut: Er entscheidet über Transfers, Verträge der Spieler und über die Wahl des wichtigsten Angestellten – des Trainers. Deshalb sollte den Sportchefs, Sportdirektoren oder Sportkoordinatoren genügend Kompetenzen eingeräumt werden.

Wie Frei einst, sah sich auch Streller dieser Kompetenzen beschnitten. Zumindest waren die Entscheidungswege zu lang und zu kompliziert. Der FCB war immer einen Schritt zu spät. Sei es bei der Entlassung von Raphael Wicky, der Verpflichtung von Silvan Widmer oder bei der Analyse über die Zukunft von Trainer Marcel Koller. Diese Entscheidung hätte der FCB lange vor Saisonschluss fällen müssen.

Aktionismus und Fehlentscheidungen

Frei und Streller waren zwei der herausragenden Schweizer Stürmer. Frei erzielte allein für Basel 108 Tore (167 Pflichtspiele), ist Rekord-Torschütze der Schweizer Nationalmannschaft (42 Tore). Streller schoss 144 Treffer (324 Partien) für den FC Basel. Zusammen holten sie 18 Titel (13 Meisterschaft und 5 Cup). An fussballerischem Rüstzeug fehlte es nie.

Aber je grösser der Sportchef einst als Spieler war, desto grösser ist der Druck, der später auf ihm lastet. Und mit Niederlagen umzugehen, dafür kannten sie als Spieler nur eine Art: auf dem Platz, im nächsten Spiel. Als Sportchef konnten sie keinen Einfluss nehmen in ihren Logen, keine Tore schiessen. Oft führte das zu Aktionismus oder zu Fehlentscheidungen. Frei und Streller waren Fussballer mit Leib und Seele. Aber sie sind zwei Sportchefs, die scheiterten.

Frei hat seine Berufung gefunden

Frei bereut zwar nicht, schliesst aber aus, je wieder als Sportchef zu arbeiten. Die Themen, mit denen man sich rumschlage, seien nicht die seinen. Der 39-Jährige weiss, was er will, hat inzwischen seine Berufung im Trainerjob gefunden. Im November schliesst er die Uefa-Pro-Lizenz ab und liebäugelt mit einer Karriere im Trainerbusiness.

Und Streller? Der bald 38-Jährige (feiert am Dienstag Geburtstag) bleibt trotz Rücktritt als Sportdirektor kurioserweise Mitglied im Verwaltungsrat des FC Basel und Präsident Bernhard Burgener ist sogar noch «froh» darüber. Abgesehen davon, weiss Streller sicher, was er nicht will: Trainer werden. Ob Streller wie Frei kategorisch ausschliesst, je wieder als Sportchef zu arbeiten? Gut möglich.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zorro am 16.06.2019 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ueberschätzt

    Ich habe mich schon immer gefragt, was die beiden dazu legitimiert, Sportchefs zu sein. Ein guter Spieler ist nicht gleich ein guter Sportchef. Die haben sich einfach masslos überschätzt.

  • UPP am 16.06.2019 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fähigkeiten

    Vielleicht braucht es als Sportchef doch mehr, als einen starken Fuss und eine grosse Klappe.

  • Andreas Nobel am 16.06.2019 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unten beginnen.

    Die sollen zuerst mal in unteren Ligen beginnen und nicht denken ich bin ein grosser Name.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fussball am 16.06.2019 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armer

    Mit KV Lehre ohne Berufserfahrung direkt in eine Fuehrungsposition das gibt es nur im Fussball.Kein Industrie hievt ein normaler KVler direkt in das oberste Managment

  • Schämu am 16.06.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Welt ist hart

    Es braucht eben mehr als nur Füsse zum kicken.

  • Thomas Sutter am 16.06.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Strategie und Finanzen

    Nicht Streller und Frei sind gescheitert, sondern bei beiden Fällen unfähige Präsidenten und Entourage

  • Beppi am 16.06.2019 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beide

    sind keine Legenden, sondern krasses Beispiel von Überheblichkeit.

  • FrStr am 16.06.2019 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball und Arbeit

    Es sind Fussballspieler die benötigen Zeit und müssen von unten bei einem kleineren Club anfangen. Damit sie auch wissen was konstruktive arbeit ist.