Türkischer Militär-Jubel

14. Oktober 2019 09:50; Akt: 14.10.2019 11:26 Print

Zwei Likes sorgen für Wirbel in Deutschland

Emre Can und Ilkay Gündogan drücken beim türkischen Jubel-Bild auf «Gefällt mir». Einen Tag später rudern sie zurück.

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Die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can haben sich für ihre Reaktion auf ein umstrittenes Foto salutierender türkischer Fussballer verteidigt. «Glauben Sie mir: Nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen», hatte Gündogan kurz vor seinem Startelf-Einsatz beim 3:0-Sieg im EM-Qualifikationsspiel in Estland am Sonntagabend mitteilen lassen, zu dem er zwei Tore beigesteuert hatte. «Das war ein klares Statement von Ilkay für Deutschland», sagte Bundestrainer Joachim Löw zum Doppelpack des Mittelfeldspielers.

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Zuvor hatten sowohl Gündogan wie auch Can bei Instagram ein Foto mit einem sogenannten Like versehen, das türkische Fussballer zeigt, die nach Cenk Tosuns 1:0-Siegtor gegen Albanien mit der Hand an der Stirn salutieren. Der Militärgruss sei den bei der «Operation Friedensquelle» eingesetzten Soldaten gewidmet gewesen, teilte der türkische Fussballverband mit. Der türkische Militäreinsatz richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien und wird international scharf kritisiert.


Türkische Spieler salutieren nach einem Tor von Cenk Tosun (Nummer 9). (Bild: Reuters)

Gündogan und Can nahmen ihre Likes bei Instagram später wieder zurück. Er habe gehandelt, «ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten», sagte Can der «Bild»-Zeitung und fügte hinzu: «Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg.»


Ein Bild, das für viele Diskussionen sorgte: Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. (Bild: Keystone)


«Ein bisschen schade»

Gündogan betonte, er habe sein Like für das umstrittene Bild «bewusst zurückgenommen», als er gesehen habe, dass seine Reaktion «politisch gewertet wurde. Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen aus der DFB U-21 gefreut habe, dass er das Siegtor gemacht hat.» Im vergangenen Jahr war der Profi von Manchester City vor der WM wegen eines gemeinsamen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Kritik geraten.

Dass aus seiner Unterstützung für seinen «sehr guten Freund» Tosun eine solche Geschichte werde, sei «ein bisschen schade», sagte Gündogan am Sonntagabend in Tallinn. «Da war natürlich absolut keine politische Absicht dahinter, Emre und ich sind beide konsequent gegen jeglichen Terror und gegen jeglichen Krieg», erklärte Gündogan.

Auch Bundesligist Fortuna Düsseldorf schaltete sich in den Wirbel um den Siegesjubel türkischer Nationalspieler ein. Die Fortuna-Profis Kaan Ayhan und Kenan Karaman beteuerten demnach in einem Gespräch mit dem Verein, die Gesten beim Spiel gegen Albanien seien lediglich «Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen» gewesen. Auch auf einem Mannschaftsfoto in der Kabine hatten türkische Spieler, darunter auch Ayhan (24) und Karaman (25), mit der Hand an der Stirn salutiert.

Fortuna Düsseldorf will die Geschehnisse vom Freitagabend mit seinen beiden Profis nach deren Rückkehr von der Länderspielreise noch einmal aufarbeiten. Der Club sei «davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben», wurde Sportvorstand Lutz Pfannenstiel zitiert.

St.-Pauli-Ultras fordern Entlassung von Sahin

Die Europäische Fussballunion (Uefa) will zunächst den offiziellen Spielbericht von der Partie abwarten, bevor eine Entscheidung über mögliche Ermittlungen in der Sache fällt. Nach den Statuten des Dachverbands sind politische Äusserungen und Gesten auf dem Spielfeld in Uefa-Wettbewerben untersagt.

Zuletzt hatte bereits eine Solidaritätsbekundung des Zweitliga-Profis Cenk Sahin vom FC St. Pauli für das türkische Militär für Aufregung gesorgt. Sahin hatte in türkischer Sprache gepostet: «Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!» Angehängt ist der Name der Militäroperation. Der Club distanzierte sich von dem Instagram-Post. Die St.-Pauli-Ultras forderten die sofortige Entlassung von Sahin.

Dieser sagte türkischen Medien zufolge, er werde seine Reaktion im Internet nicht löschen. Nach seiner Rückkehr zum Verein werde sich die Situation klären, versicherte Sahin.

Fussball

(dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adrian Kayser am 14.10.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederholungstäter

    Zuerst Foto mit Kalif Erdogan Jetzt Like für Kriegerischen Akt in Syrien Ein Schelm der böses denkt .... Er ist einfach Erdogan Anhänger Sollte in der Türkei Fussball spielen und leben ... natürlich auch im Militär seinen Dienst absolvieren.. wie ein guter Türkischer Staatsbürger

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  • PJ am 14.10.2019 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahres Gesicht gezeigt

    Wirbel? Diese "Statements" der Spieler sind ein absolutes NO GO!!! Die Vereine sollten handeln. Und der Fussballverband sowieso.. Dass die besagten Spieler im Nachhinein, wenn sie die Reaktion der Öffentlichkeit mitbekommen, wieder zurückkrebsen, das reicht nicht. Ihre Meinung bleibt.. Somit sind/wären sie für mich nicht mehr tragbar..

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  • surfer am 14.10.2019 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lernt nie

    Scheint so als lernt der Gündogan nie dazu...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nach Denker am 14.10.2019 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    FUSSballer

    Sie habens in den Füssen, nicht im Kopf, wenn ich ihre Erklärung richtig deute

  • Swissman73 am 14.10.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ist alles schon geklärt

    Wenigstens hat er gestern nach dem Post 2 Tore und 1 Assist geliefert. Nach dem Spiel eine Erklärung an die Medien abgegeben, wie Emre Can auch. Den Rest haben die Medien heute draus gemacht. Ich glaube wir hier in der Schweiz haben mit unseren Söldnern und Doppeladlern genug Sorgen. Da müssen wir nicht auf andere schauen.

  • Muro83 am 14.10.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gross Kürbistan

    Passt doch super Die syrische Arme kommt auf bitten der Kurden in den Norden und besetzt das Gebiet. So bleibt ein gross Kürbistan ein ewiger Traum. Die kurdischen Milizen müssen dann ihre Waffen abgeben und die Türkei hat ihr Ziel erreicht.

  • abc am 14.10.2019 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussballer vs Papst

    Hallo! Er ist Fussballer, und nicht der Papst! Er muss auch keine Hochschule besucht haben, sondern einfach Tore schiessen.

  • Geissenpeter am 14.10.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdogan führt nur NATO Praxis fort

    die NATO angeführt von den USA hat weltweit Länder ohne UNO Mandat angegriffen. Ich bin gegen die NATO und Krieg. Aber jetzt Erdogan zu verteufeln und zuvor alles gebilligt zu haben ist schon etwas heuchlerisch. Wenn schon müsste man die NATO kritisieren, die Erdogan schützt.