Captain-Knatsch um Shaqiri

06. September 2019 17:30; Akt: 06.09.2019 17:41 Print

«Er soll das Ego in den Hintergrund stellen»

von E. Tedesco - Mit seiner Geste hat Granit Xhaka eine grosse Geste gemacht, die Xherdan Shaqiri zum Egoisten stempelt. Zumindest kann man das so auffassen.

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Seit Xherdan Shaqiri auf eine Nomination für die EM-Qualifikationsspiele in Irland (1:1) und gegen Gibraltar am Sonntag aus freiwilligen Stücken verzichtet hatte, waren die Spekulationen ins Kraut geschossen. Diskutiert wurde unter anderem, dass der Liverpool-Söldner sauer sei, weil er in der Captain-Rangliste hinter den ein Jahr jüngeren Granit Xhaka zurückgestuft wurde.

Die genauen Beweggründe für die Absage von Shaqiri kenne er nicht, sagte der 77-fache Internationale in Dublin auf Nachfrage. «Wenn wirklich das Captain-Bändeli das Problem ist, dann können wir gerne gemeinsam an einen Tisch sitzen», so Xhaka. «Wir sind genug erwachsen, um darüber zu reden.» Falls Shaqiri deswegen ein Problem haben sollte, dürfe dieser die Binde gerne haben. Offiziell ist noch Stephan Lichtsteiner Captain der Nati, solange er aktiv ist. Yann Sommer ist hinter Lichtsteiner und Xhaka die Nummer 3. Die Wahl wurde von Nati-Trainer Vladimir Petkovic getroffen.

Rolf Fringer: «Wenn er das so gesagt hat, zeugt das von Grösse»

«Da ich den tatsächlichen Grund für Shaqiris Absage nicht kenne, ist das eine heikle Angelegenheit. Aber wenn Granit Xhaka das so gesagt hat, dann zeugt das für Grösse und Persönlichkeit. Man spürt auch diese Reife und Entwicklung, die er gemacht hat. Aber man sollte auch Shaqiri anhören, ehe man den Stab über ihn bricht.

Die Voraussetzungen, um ein guter Captain zu sein? Er muss komplett sein, gute Leistungen bringen und auf und neben dem Platz vorbildlich sein. Auf Clubebene ist Denis Hediger beim FC Thun für mich eine Topwahl: Eine Integrationsfigur und eine grosse Persönlichkeit. Bei der Nationalmannschaft ist es etwas anders, weil die besten Fussballer des Landes vereint sind. Hier sind die Eigeninteressen grösser und auch die Eitelkeiten. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, einen Captain zu wählen: Entweder bestimmt der Trainer seinen Spielführer selbst oder er lässt das Team wählen. Der Nationaltrainer muss auf die Hierarchien achten und die drei oder vier herausragenden Persönlichkeiten auswählen.»

Georges Bregy: «Er soll das Ego in den Hintergrund stellen»

«Ich finde die ganze Diskussion nicht lässig und verstehe auch nicht, wieso das Thema so wichtig ist? Ich war auch nie Captain und habe trotzdem immer meine Meinung gesagt. Ich bin auch ohne Binde am Arm akzeptiert worden. Ob jetzt Granit Xhaka die Captain-Binde trägt oder er – na und? Das ändert doch nichts. Alle loben Shaqiri und reden vom Superstar, Auch Nati-Trainer Vladimir Petkovic betont immer, dass Shaqiri ein wichtiger Spieler für die Mannschaft ist – was will er noch mehr? Er soll sein Ego in den Hintergrund stellen, denn das tut der Mannschaft nicht gut, wenn sich einer so wichtig nimmt.

In der Nati fühlt er sich offenbar nur hinter den Spitzen im Zentrum wohl. Bei Liverpool muss er bei Trainer Jürgen Klopp auch öfters auf die Seite ausweichen – und beschwert sich auch nicht. Es gibt eine Grenze.»

Boris Smiljanic: «Die Aussagen von Granit gehören nicht an die Öffentlichkeit»

«Ich kenne Granit Xhaka nicht persönlich, aber das Gefühl sagt mir, dass er der richtige Captain ist. Er ist nicht umsonst Stammspieler und Captain bei Arsenal und er spricht auch unangenehme Themen an. Wir dürfen auch einmal stolz auf unsere Nationalspieler sein und nicht immer nur verlangen, dass die Spieler stolz sein sollen, für unser Land zu spielen. Sie können mir glauben, die Jungs haben genug Arbeit und Stress in ihren Vereinen.

Die Nationalmannschaft ist für jeden Spieler eine Herzensangelegenheit, sofern er auch von den Fans und den Medien geschätzt wird. In der Schweiz ist das leider oft nicht der Fall. Die Spieler sind bei weitem nicht frei von Fehlern, aber sie erbringen eine enorme Leistung und müssen viele Opfer bringen, um ihren Beruf auszuüben. Das verdient Respekt.

Grundsätzlich finde ich, dass viele Dinge an den Haaren herbeigezogen werden. Xherdan Shaqiri will sich auf Liverpool konzentrieren. Der Trainer und Verband haben das akzeptiert und auch so kommuniziert – Punkt. Warum diskutiert man die ganze Woche über dieses Thema. Der Fokus muss auf der Mannschaft liegen und diese braucht jegliche positive Unterstützung, um erfolgreich Fussball spielen zu können. Da haben auch die Medien eine grosse Verantwortung. Aber ich muss auch sagen, die Aussagen von Granit in Dublin gehören nicht an die Öffentlichkeit. Er soll die Captainfrage mit Shaqiri und dem Trainer intern ausdiskutieren. Man darf nicht vergessen, dass Vladimir Petkovic den Captain bestimmt und nicht Granit Xhaka.»

Fussball

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Keller am 06.09.2019 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball

    Dieses gehabe um Sahqiri ist einfach nur noch peinlich für die Schweiz! Es muss und wird auch ohne Ihn gehen!!! mek

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  • Christian Ott am 06.09.2019 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade um Shaqiri

    Shaqiri, bei allem Respekt, ist offensichtlich nicht die hellste Kerze auf der Torte. Kein Problem, solange er gut Fussball spielt. Aber, offensichtlich ist sein Umfeld / Berater noch weniger talentiert. Schade, er hätte dasZeugs für viel mehr, aber eben, das Umfeld....

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  • Psquale am 06.09.2019 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nati vor ever

    Den braucht die Nati nicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman am 07.09.2019 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Shaqiri wird es knapp

    Den Shaq so schnell wie möglich Captain's Binde geben sonst wird es knapp für die Nati bei dieser Qualifikation.

  • Never am 07.09.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prima

    Gut so. Die Doppeladler sollen sich gegenseitig zerfleischen. Prima.

  • frankG. am 07.09.2019 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Grosshans+Wichtigtuer"

    Wichtigtuer, Besserwisser, das wird sich nie ändern! Wenn er in der letzten Minute eines Finalspiels aufs Feld geschickt wird, ist er bei der Siegesfeier der erste der den Pokal in die Höhe stemmt. Die Nationalhymmne kann er auch nicht singen. Die Fussbalnati muss einiges ändern. Shaqiri braucht es nicht.

  • Katzerich am 07.09.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwach

    Früher hat der Trainer den Captain bestimmt. Somit sagt das alles über die Kompetenz "unseres" Trainerovic.

  • Peter am 07.09.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Rosarote Brille

    Pep Guardiola hat einmal gemeint, dass Shaqiri zu wenig intelligent sei. Das ist glaube ich, gar nicht mal so falsch. Wie kann sich sonst ein Durchschnittsfussballer - in wie vielen Spitzenvereinen hat er bereits den Durchbruch geschafft? - richtig in keinem - dermassen überschätzen? Herr Shaqiri kommen Sie vom zu hohen Ross herunter!