Ruben Vargas

15. Oktober 2019 16:29; Akt: 15.10.2019 16:29 Print

«Ich habe keine Angst, aber ich habe Respekt»

von E. Tedesco - Ruben Vargas kämpft in Aserbeidschan mit der U21-Nati um die EM-Qualifikation. Gut möglich aber, dass er an der Endrunde nicht mehr dem Team angehört.

Ruben Vargas hat erfolgreiche Monate hinter sich. Das sagt der U21-Internationale über seinen Wechsel in die Bundesliga, über sein A-Nati-Debüt und die Rückkehr in die U21-Nati. (Video: 20 Minuten)
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Nein, den Dreh für eine Dokumentation über die U21 will Ruben Vargas jetzt nicht machen. Seine Haare sind nicht geschnitten. So will er nichts ins TV, der Coiffeur sei aber unterwegs. Nach einer halben Stunde ist der U21-Internationale kehrt er zum Medientermin zurück.

Ruben Estephan Vargas Martinez, wie er vollem Namen heisst, ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Aber trotz seinen jüngsten Erfolgen ist der Zentralschweizer bodenständig geblieben. Im Sommer 2017 debütierte Vargas in der 1. Mannschaft des FC Luzern. Nach nur zwei SL-Saisons mit 19 und 31 Einsätzen wechselte er in die Bundesliga zum FC Augsburg, der vom Schweizer Trainer Martin Schmidt trainiert wird.

Hatten Sie nie Zweifel, dass der Wechsel ins Ausland zu früh kommen könnte?
Ruben Vargas: Ich war bereit für den nächsten Schritt und überzeugt von Augsburg, nachdem ich Trainer Martin Schmidt in Bern zu einem Gespräch getroffen hatte. Zudem hätte mich der FCL innerhalb der Super League nicht abgegeben.

Warum gerade Augsburg?
Augsburg ist ein familiär geführter Verein. Bodenständig. Das gute Umfeld ist schön und ich habe viele Ansprechpersonen auf und neben dem Platz, die mir das eingewöhnen vereinfacht haben, da ich das erste Mal allein wohne. Da braucht man ab und zu Hilfe und da war immer jemand aus dem Staff für mich da.

Was hat Ihnen am meisten Mühe bereitet? Das Kochen?
Da lerne ich noch (lacht) dazu. Wir sind mehrere junge Spieler und gehen meist gemeinsam auswärts essen. Aber es macht nicht so viel Unterschied, denn auch wenn ich in Luzern geblieben wäre, wäre ich aus meinem Elternhaus ausgezogen.

In der Bundesliga hatten Sie mit drei Toren in vier Spielen einen Traumstart. Woher nehmen Sie diese Unerschrockenheit?
Ich habe keine Angst, aber ich habe Respekt. Und ich habe generell ein gewisses Selbstvertrauen. Es spielt mir keine Rolle, gegen wen ich spiele.

Trotzdem sagen Sie, dass Ihr härtester Gegner bisher Kevin Mbabu war. Auch jetzt noch, nach Ihrer Erfahrung in der Bundesliga und zum Beispiel gegen Dortmund gespielt haben?
Na ja, gegen die Bayern spielen wir erst nach der Länderspielpause... (lacht) Aber es ist noch so, dass ich mir gegen Kevin bisher am Schwersten tat.

Schwieriger als gegen Ihren Mannschaftskollegen Stephan Lichtsteiner?
Anders. Stephan ist clever. Kevin hingegen habe ich in den Zweikämpfen immer gespürt.

Ein schöner Zufall ist, dass Stephan Lichtsteiner aus dem gleichen Dorf wie Sie stammt. Ihre Eltern kennen sich und Sie?
Ich kannte ihn nicht persönlich, weil ich ja 14 Jahre jünger bin. Aber in der Schule sind seine Schulrekorde noch aufgeführt und ich besitze auch noch ein Foto, auf dem wir gemeinsam abgebildet sind. Er war immer mein Vorbild.

Das haben Sie Lichtsteiner in der Kabine in Augsburg gezeigt, hört man?
Ja, weil er mir nicht glauben wollte.

Was war das für ein Foto?
Das Gruppenfoto entstand vor acht Jahren. Ich habe mit der U11 des FCL ein Turnier gewonnen und Stephan war der Ehrengast. Als ich es ihm gezeigt habe, konnte er sich zwar nicht mehr daran erinnern, aber er musste lachen.

Sie nennen Lichtsteiner ein Vorbild. Was imponiert Ihnen am Nati-Captain?
Er ist ein absoluter Leader, hat viel Erfahrung und er kann uns Mentalität und Professionalität vorleben.

Vargas Mutter ist schweizerisch-italienische Doppelbürgerin. Sein Vater stammt aus der Dominikanischen Republik. Dass er gern und viel lacht, habe er vom Vater. Aber eigentlich müssten andere beurteilen, von wem er was vererbt bekommen hat, sagt er. Sicher ist, dass er das Talent fürs Golf spielen von Victor Vargas geerbt hat.

Wären Sie Golfprofi, wenn Sie sich nicht für Fussball entschieden hätten?
Ich hatte den Golfschläger weit vor dem Fussball in der Hand. Mein Vater ist Golflehrer in Sempach. Ich spiele viel zum Ausgleich – auch in Sempach wenn ich zuhause bin.

Vargas fühlt sich als Schweizer. Trotz Wurzeln des Vaters und der italienischen Grossmutter. Von klein auf habe er nur an die Schweiz gedacht, wenn er von einer Profi-Karriere im Fussball träumte. Für die Dominikanische Republik aufzulaufen wäre nur ein Thema gewesen, wenn er es bis zum nahenden Karriereende nie geschafft hätte, für die Nati aufzulaufen. Am 8. September 2019 erfüllte sich der Traum des 21-Jährigen. Er debütierte gegen Gibraltar (4:0) in der A-Nati. Einen Monat später rückt Vargas wieder in der Nati ein, wieder fernab vom ganz grossen Schaufenster der A-Nati.

Wie schwer fällt Ihnen der Wechsel von der A-Nati zurück in die U21-Auswahl?
Das stört mich gar nicht. Ich bin ein Teil der Mannschaft und wir haben grosse Ziele und wollen uns für die EM qualifizieren. Wir haben keine einfache Gruppe, aber ich bin zuversichtlich und überzeugt, dass wir die Qualität dafür haben.

Sie gehen zielstrebig ihren Weg. Wohin soll dieser noch führen?
Ich habe mir keine Karriere-Ziele gesetzt. Klar, ich habe Träume wie an einer WM oder EM zu spielen oder einmal in der Champions League. Alles, was sich ein Fussballer so erträumt. Aber das sind Träume, ich lebe in der Gegenwart und versuche, jedes Spiel konzentriert anzugehen.

Der Coiffeur hat Verspätung. Vargas muss nun doch ohne frischen Haarschnitt vor die Kamera. Er tut dies mit einem Lächeln, sträubt sich nicht mehr gegen die Aufnahmen. Der Erfolg hat ihn nicht verändert und geht es nach ihm, wird das auch so bleiben.

Wieso glauben Sie, dass Sie nicht abheben werden?
Weil ich so erzogen worden bin, dass ich auch in guten Zeiten schön am Boden bleibe, stets demütig zu sein und immer zu wissen, woher man kommt. Ich denke, dass wird mich mein Leben lang begleiten.


Fussball

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adliger am 15.10.2019 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Go Ruben

    Meinen tiefsten Respekt und alles gute für deine weitere Karriere.

  • nana am 15.10.2019 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kaja

    Toller Typ und ein grosses Talent.

  • U21 Lehrling am 15.10.2019 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Typ

    Super Typ! Echt sympathisch wünsch dir alles gute! Meiner Meinung nach müsstest du heute in Genf auflaufen und nicht in der U21 aber ich bin mir ziemlich sicher das deine Zeit kommen wird. Go ruben! Vamos

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf G. am 16.10.2019 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft gehört Ruben

    Ruben wird uns noch viel Freude bereiten und zwar hoffentlich bald in der A-Nati! Er ist heute schon viel besser als diverse, sogenannte Stammspieler! Weiter so!

  • lars lunde am 16.10.2019 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit

    ein junger Spieler, wo man einfach nur ein Gutes Gefühl haben kann :) weiter so und Demut gewinnt über alles.. Erfolg ist der Lohn dafür! alles beste Ruben!!

    • Tinu am 16.10.2019 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @lars lunde

      Tönt irgendwie wie beim jungen RF und Roman Josi, was die danach erreicht haben, ist ja bekannt!

    einklappen einklappen
  • Caro am 15.10.2019 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Behrami Super

    Kompliment an Valon Behrami neutraler Fussball Experte auf RSI 2. Bravo

  • Caro am 15.10.2019 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo U21

    Super U21 Gratulation zum Sieg.

  • Mfala am 15.10.2019 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy