Yann Sommer

27. Juli 2018 18:19; Akt: 27.07.2018 18:19 Print

«Es freut mich, weil diese Leute Ahnung haben»

von E. Tedesco - Yann Sommer ist nach seinen Ferien ein begehrter Gesprächspartner bei Gladbach. Der Nati-Keeper über Wechselgerüchte, Enttäuschungen und den Doppeladler.

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Seien wir ehrlich: Ohne einen Yann Sommer in Weltklasse-Form hätte die Schweiz gegen Brasilien verloren und auch gegen die Serben wäre es ganz schwierig geworden. Es ist auch sein Verdienst, dass es die Schweizer immerhin bis in den Achtelfinal schafften. Die Reflexe des Torhüters waren auf allerhöchstem Niveau. Die Fans des FC Barcelona gaben ihm keinen Kredit mehr. Auch bei Kolumbien war er in der Startpartie nur Ersatz. Dann aber erzielte er in den Gruppenspielen gegen Polen und Senegal jeweils das wichtige 1:0 und glich im Achtelfinal gegen England in der Nachspielzeit aus – immer per Kopf. Mit drei Toren ist er der gefährlichste Verteidiger des Turniers, ausserdem stand das Team mit ihm hinten auf einmal solide. Und: Der Mann ist erst 23. Er ist das perfekte Beispiel für den Teamplayer. Haben Sie ihn im Spiel gegen die Schweiz jemals gesehen? Nein? Es spricht für die überaus gefestigte Defensive der Schweden, Granqvist ist ihr Leader. Und: Wenn es darauf ankommt übernimmt der 33-Jährige Verantwortung und verwandelt die zwei schwedischen Penaltys souverän. Eigentlich schiesst ja jedes Kind gerne Tore. Ob Diego Godin (l.) schon als kleiner Junge immer vom Verteidigen träumte? Der 32-Jährige verhindert Treffer der Gegner mit Leidenschaft und Freude. Wenn er dann noch gegen Teams wie Portugal antreten darf, blühen er und seine Kollegen auf. Erst ein Gegentor kassierte Uruguay. An Godin kommt auch ein Cristiano Ronaldo fast nicht vorbei. Zugegeben: Mbappé überzeugte nicht immer. Aber seine 89 Minuten gegen Argentinien verdienen Bestnoten. Wie die Schweizer einen solchen Mann gebrauchen könnten: Gedanken- und reaktionsschnell, kaltblütig und hochmotiviert. Der lächelnde Mbappé ist eine Bereicherung für diesen Sport, dabei ist er noch nicht einmal 20 Jahre alt. Was hat der 32-Jährige an Klasse: Er schlenzt den Ball gegen Argentinien in die Maschen. Er ist mit seinen Pässen von fast überall gefährlich. Er verursacht mit seinen Vorlagen zwei Penaltys. Er tritt beide selber. Er verschiesst einen gegen Dänemark in der Verlängerung. Und er hat dennoch die Nerven, im Elfmeterschiessen nochmals anzutreten – und zu treffen. Was wäre die französiche Offensivgewalt ohne ihren Scheibenwischer dahinter? N'Golo Kanté (27) ist im französischen Mittelfeld nicht wegzudenken. Der nur 168 Zentimeter grosse Mann läuft unermüdlich. 90 Minuten lang. Er verpasste noch keine Minute. Kanté wurde auch gegen Dänemark nicht geschont, als es für Frankreich um nicht mehr viel ging. Weshalb auch: Mitspieler Paul Pogba beschrieb es vor der WM wohl ziemlich treffend: «N'Golo hat 15 Lungen!» Der 26-Jährige erzielte eines der schönsten Tore des Turniers gegen die Schweiz. Er stand gegen Costa Rica am richtigen Ort und traf, als die negativen Schlagzeilen in der Heimat bereits geschrieben waren. Er brilliert neben und mit Neymar, aber er kann es ganz gut ohne Schauspielerei und Schwalben. Wahnsinn, was diese Belgier in der Offensive produzieren. Hazard steht mit seiner Ballkontrolle und Kreativität stellvertretend für die furiosen «Roten Teufel». Wie der 27-Jährige von Chelsea im Spiel gegen Tunesien einen langen Pass mit der Brust kontrollierte und danach den Torhüter aussteigen liess: Phänomenal. Zusammen mit Luis Suarez bildet er ein äusserst gefährliches Sturmduo, die beiden verstehen sich blind. Der 31-Jährige zeigt sich kaltblütig und traf bereits dreimal. Sein Doppelpass mit Suarez über das ganze Feld mit abschliessendem Kopfball ins portugiesische Tor wird in Erinnerung bleiben. Der 24-Jährige ist hauptverantwortlich dafür, dass England seinen Penalty-Fluch beenden konnte. 3 seiner 6 Treffer hat Kane vom Punkt erzielt. «Billige Tore», mögen einige sagen. «Der perfekte Mittelstürmer», sagen die Anderen. Mit welcher Souveränität Kane seine Elfmeter verwandelt, ist sowieso beeindruckend. Der Captain der «Three Lions» ist aber auch Beispiel für das Sprichwort «Wenn's läuft, dann läuft's». Bei seinem 6:0 gegen Panama wurde er von einem Mitspieler angeschossen und traf ziemlich zufällig mit der Hacke.

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Nach seinen Ferien in Frankreich ist Yann Sommer wieder ins Club-Training eingestiegen. Wegen den andauernden Wechselgerüchten (Arsenal, Barcelona) war er nach seiner Ankunft bei Gladbach ein begehrter Gesprächspartner. Die brennendste Frage der Journalisten: Bleibt der vom «Kicker» zum besten Keeper der Bundesliga ausgezeichnete Schweizer bei den Fohlen? Ein Auszug aus der Medienkonferenz.

Yann Sommer, was ist an einem Transfer zu Arsenal oder Barcelona dran?
Ich habe die Gerüchte auch gelesen, aber da gibt es nichts, worüber wir gross sprechen müssen. An der WM war null Platz für solche Gedanken, und nach unserem Ausscheiden musste ich mich erst mental erholen.

Bleiben Sie also bei der Borussia?
Stand jetzt, ja!

Sie sagen, Sie mussten sich mental erholen. Ist die WM abgehakt?
Die Enttäuschung war riesig. Wir wussten auch, dass der Achtelfinal gegen Schweden eine Riesenchance für uns bot.

Das Aus gegen Schweden kam also auch für Sie überraschend?
Schade ist, dass wir nach dem Spiel nicht sagen konnten: Besser hätten wir es nicht machen können. Aber wird sind nicht an unsere Topleistung herangekommen, und das ist enttäuschend. Es hat wieder einmal gezeigt, wie schwierig es ist, an so einem Turnier gegen vermeintlich kleine Mannschaften zu spielen. Das müsst ihr jetzt auch wissen, oder …? (Sommer spielt auf Deutschlands überraschendes Vorrunden-Aus an.)

Sie persönlich haben in Russland Topleistungen abgeliefert, zählten zu den besten Torhütern des Turniers. Waren Sie zumindest mit sich zufrieden?
Ich versuche immer, für die Schweiz ein guter Torhüter zu sein, aber man scheidet als Team aus. Klar war ich zufrieden mit mir, aber ich hätte lieber in einem Spiel weniger gut gehalten, dafür aber im Viertelfinal gestanden.

Nach dem Aus der Schweiz beherrschte vor allem die Diskussion um den Doppeladler die Medien. Wie stehen Sie zu diesem Thema?
Dazu kann ich mich nicht gross äussern, denn dazu bin ich zu wenig im Thema drin. Ich habe keine zweite Heimat und kann deshalb nicht viel sagen. Für die Schweiz bedeuten diese Spieler viel Qualität und Persönlichkeit. Das hat uns weit nach vorne gebracht. Wir hätten keinen Granit Xhaka, keinen Xherdan Shaqiri. Für die Schweiz sind sie ein grosses Plus, und ich sehe eine rosige Zukunft für die Nati. Die vielen jungen Spieler mit sehr viel Qualität machen mich happy – und auch, dass wir einige bei Gladbach haben (lacht).

Was bringen Ihnen die Topleistungen für die neue Saison?
Viel! Vor allem Selbstvertrauen. Und schöne Erinnerungen und Momente, die man nie vergessen wird. Es macht vieles einfacher, wenn die Leistungen gut sind. Ich habe sehr viel investiert, und es hat sich ausbezahlt.

Das Fachmagazin «Kicker» hat Sie in der Montagsausgabe zum besten Torhüter der Bundesliga-Rückrunde gewählt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Das hat mich sehr gefreut, auch weil die Rangliste von einer seriösen Zeitung gemacht wurde und von Leuten, die eine Ahnung vom Geschäft haben. Jetzt beginnt aber ein neues Kapitel und alles fängt wieder bei Null an.

Was haben Sie sich für die kommende Saison vorgenommen?
Ich versuche wieder der konstante Torhüter zu sein, der Mannschaft Ruhe zu geben und ihr die Chance offen zu halten, zu gewinnen. Ich habe mir vorgenommen, noch mehr ein Leader zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen die bessere Borussia sein als letzte Saison, die konstantere Borussia. Wenn uns das gelingt, haben wir eine tolle Saison vor uns.

Beschäftigt Sie der Disput mit den Fans aus der letzten Meisterschaft noch?
Klar war das nicht toll, dass einige Fans so reagieren. Das war nicht okay. Es war für die Fans nicht einfach, weil auch bei ihnen die Erwartungen sehr gross waren. Ich verstehe die Enttäuschung. Aber das ist schon lange erledigt. Ich freue mich, dass ich zurück bin und mit den jungen, neuen Spielern arbeiten kann.

Unter den Neuen ist auch Michael Lang, Ihr Kollege aus der Nationalmannschaft. Was sagen Sie zu seiner Verletzung?
Das ist sehr unglücklich für ihn gelaufen. Ich habe mich sehr über seinen Transfer gefreut, weil er sich den mit sehr guten Leistungen in Basel verdient hat. Er ist ein Supertyp, aber klar ist er jetzt niedergeschlagen. Aber er wird die Sache anpacken und dafür sorgen, dass er uns bald helfen kann.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pasci24 am 27.07.2018 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    top

    so ein genialer und menschlicher typ daumen hoch:-)

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  • Yann am 27.07.2018 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grande

    Alles gute für die Zukunft Yann Sommer!!! Ich hoffe dass auch bald eine grosse Manschaft an der Haustüre anklopft... Verdient hättest du es!!! Ein grossartiger Torwart!!!

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  • Gärbi am 27.07.2018 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1A Goalie

    Definitiv der beste Schweizer an der WM. Ich traue ihm jedenfalls den Sprung zu einem Topklub zu..!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sommeri am 28.07.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adler

    Sommer mit Adlerschwingen für die Superparaden ist super der beste Eidgenosse von den Schweizern

  • Sommergirl am 28.07.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Yann ist Swissness auf dem Rasen

    Schade wird zu wenig damit für ihn gemacht. Bei RF geht es ja auch.

  • Chris Fischer am 27.07.2018 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohl nicht korrekt

    Meines Wissens wurde Sommer nur zum besten Goolie der zweiten Hälfte der Saison gewählt und nicht zum grundsätzlich Besten der Bundesliga! Recherche??

  • Reto Kalt am 27.07.2018 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Qualitätsspieler

    Ein Shaqiri kann man ja noch als plus betrachten immerhin kann er ein Spiel entscheiden. Aber Xhaka??? Ist ein typischer aliby Spieler. Der Typ ist ein duchrschnitskicker. Ausser ein bisschen Sicherheitsbälle spielen kann er nicht viel.

  • unbeteiligter am 27.07.2018 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yann Sommer

    Tja das ist Training