Stephan Lichtsteiner

20. März 2019 20:20; Akt: 20.03.2019 22:00 Print

«Ich spiele weiter, bis es mich verchlöpft»

von Eva Tedesco - Die Captain-Frage in der Nati ist aufgeschoben. Trotz seinen 35 Jahren plant Stephan Lichtsteiner mit der EM 2020.

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Mit 35 Jahren hat Stephan Lichtsteiner immer noch nicht genug: Das Ziel des Nati-Captains ist die EM 2020. Am 8. Juni 2018 wird Stephan Lichtsteiner vor dem Testspiel gegen Japan von SFV-Präsident Peter Gilliéron für das 100. Länderspiel geehrt. Dem Captain fehlen nun noch 18 Spiele bis zur Rekordmarke von Heinz Hermann. Am 11. Juni 2018 reist der Nati-Captain zu seiner fünften Endrunde mit der SFV-Auswahl. Nicht ganz 100: Am 3. Juni 2018 absolvierte der Nati-Captain in Spanien (1:1) sein 99. Länderspiel. Das 50. Länderspiel ist sechs Jahre her. Lichtsteiner gewann mit der Schweiz in der WM-Quali für Brasilien am 7. September 2012 in Ljubljana gegen Slowenien 2:0. Sein Debüt in der Nati gab Lichtsteiner am 15. November 2006 gegen Brasilien. Die Schweiz verlor in Basel 1:2. Auf Clubebene wechselt Lichtsteiner im Sommer 2019 in die Bundesliga zu Augsburg. Noch lange nicht genug: Am 5. Juni 2018 gab der 34-jährige Innerschweizer offiziell seinen Wechsel zu Arsenal bekannt und wird Mannschaftskollege von Granit Xhaka. «Die letzten zehn Jahre waren eine wichtige Lebenserfahrung, die geknüpften Freundschaften werden nicht abbrechen», sagt Lichtsteiner nach seinem Abschied von Juventus Turin im Mai 2018. Sieben Meistertitel in Serie: Mit Juventus gewann Stephan Lichtsteiner jedes Jahr die Serie A. Erstmals in der Serie A: Vor Juventus spielte Lichsteiner von 2008 bis 2011 bei Lazio Rom und wurde dabei einmal italienischer Pokalsieger. Der Durchbruch: Nach drei Jahren bei Lille in der Ligue 1 wurde Stephan Lichtsteiner auch für die anderen Grossclubs interessant. Auf dem Sprung nach Frankreich: GC-Präsident Walter Brunner verabschiedet Stephan Lichtsteiner 2005 nach vier Jahren bei den Grasshoppers.

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Fehler gesehen?

Die «alte Garde» wird immer kleiner. Gelson Fernandes ist zurückgetreten, ebenfalls Valon Behrami nach einem Missverständnis mit Nationaltrainer Petkovic nach der WM. Auch die Zeit von Johan Djourou und Blerim Dzemaili scheint abgelaufen zu sein. Doch was passiert mit Stephan Lichtsteiner?

Sportlich gesehen ist der Nati-Captain auf Augenhöhe mit seinen Konkurrenten Michael Lang und Kevin Mbabu. Aber Lichtsteiner feierte im Januar seinen 35. Geburtstag, und mit Granit Xhaka steht ein Nachfolger-Captain in den Startblöcken, der in Abwesenheit seines Arsenal-Kollegen das Team mit viel Persönlichkeit führte und an dieser Aufgabe wuchs. Für Nati-Trainer Vladimir Petkovic ist klar: «Stephan war immer der Captain. Und er ist es auch jetzt.»

Der Nati-Captain war am Mittwoch ein begehrter Interview-Partner in Zürich. Stephan Lichtsteiner nahm Stellung dazu.

Stephan Lichtsteiner, die zentrale Frage: Was ist Ihr Antrieb noch weiterzumachen?
Stephan Lichtsteiner: «Ich höre immer wieder: Willst du nicht auf dem Höhepunkt deiner Karriere zurücktreten? Aber wenn ich auf meine lange und erfolgreiche Karriere zurückschaue - wann war der Höhepunkt da? War es der erste Scudetto, der zweite oder war es nach dem siebten? War es nach dem ersten Champions-League-Final oder dem zweiten? War der Höhepunkt das 50. Länderspiel oder das 80.? Meine Challenge ist Grenzen auszuloten, bis ich spüre: Das wars.

Wie kann man als Nati-Captain überhaupt richtig abtreten?
Das ist wohl auch eine Charakterfrage. Es gibt solche, die wollen aus einer starken Position heraus abtreten, und dann gibt es jene, die einfach nicht mehr aufgeboten werden. Das ist der härtere Abgang.

Aber der ehrlichere?
Für mich hat sich die Frage nicht gestellt, weil ich noch Ziele habe. Das war auch die Challenge, nach 10 Jahren bei Juventus noch einmal den Verein und das Land zu wechseln.

Das gehört zum Geschäft. So lange man sich gut fühlt, ist es wichtig, Ziele zu verfolgen.

Haben Sie keine Befürchtungen, dass Ihnen die junge Konkurrenz einmal um die Ohren läuft?
Das war schon vorher nicht anders. Es ging immer um Leistung. Wenn man jahrelang erfolgreich und Stammspieler war, ist der Platz in der Nati eine Folge davon. Wenn du es gut machst, bist du dabei. Sonst nicht. Es klingt nach Eitelkeit, wenn man möglichst «schön» aufhören will, damit man ja nicht sagen muss, dass man verdrängt worden ist. Das war für mich nie der passende Ansatz. Ich habe immer gesagt, dass ich so lange weiterspiele, bis es mich «verchlöpft». Ich werde damit kein Problem haben, das ist schon dem allerbesten Spieler passiert, dass er von einem jüngeren ersetzt worden ist.

Sie hätten auch kein Problem, nur ein Backup zu sein?
Ich bin ein Teamplayer. Wenn der Trainer auf einen anderen setzt, versuche ich eben anderweitig für die Mannschaft da zu sein. Aber es ist auch klar, dass ich, wie alle anderen auch, alles unternehme, um Stammspieler zu sein.

Mittlerweile sind Sie der letzte aus der «alten Garde». Wie gehen Sie damit um?
Ich trage die Verantwortung, wie immer. Aber ich glaube, in den Medien ist im Herbst ein wenig die Wertschätzung für Spieler wie Valon Behrami, Blerim Dzemaili oder Gelson Fernandes untergegangen für all das, was sie für das Land geleistet haben, dafür, dass sie sich derart zerrissen haben für die jüngsten Schweizer Fussball-Erfolge. Vom Verband und dem Trainer haben sie diese Anerkennung bekommen.

Valon Behrami war Vize-Captain. Hatten Sie noch Kontakt mit ihm, nachdem er den Rücktritt gab?
Wir haben ab und zu Kontakt, telefonieren oder schreiben SMS.

Und wie erleben Sie ihn?
Das ist nichts, worüber ich öffentlich sprechen möchte, das bleibt unter uns.

Als Vize ist Granit Xhaka nachgerückt, der auch die Captain-Binde trägt, wenn Sie nicht da sind. Sie spielen zudem beim gleichen Club. Bilden Sie ihn als Ihren Nachfolger aus?
Ich glaube nicht, dass er das braucht, dass man Granit an die Hand nehmen muss. Er hat genug Persönlichkeit. Ich glaube, Granit ist parat. Wir haben mehrere Persönlichkeiten, die das Amt gut übernehmen könnten. Der Zusammenhalt ist gross in der Mannschaft. Fehler wie an der WM werden immer passieren, aber das schweisst auch zusammen. Das Land und der Verband müssen sich wirklich keine Sorgen machen.

Das Team hat viel Qualität. Wo liegt die Grenze für die Nati?
Wir haben zuletzt immer gute Qualifikationen und Turniere gespielt. Den Achtelfinal zu überstehen, wirklich einmal eine Runde weiterzukommen, wäre ein Traum.

Man spürt, dass Ihnen das wirklich sehr viel bedeuten würde.
Dafür arbeitet man tagtäglich. Um die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben. Aber bis dahin sind es noch ein paar Monate. Wichtig ist, dass wir uns auf die nächsten zwei Spiele konzentrieren und in Georgien sowie in Basel Topleistungen zeigen. Mit einem guten Start in eine Qualifikation legt man den Grundstein für die weiteren Spiele.

Das bedeutet, dass sie an der EM-Endrunde 2020 sicher noch dabei sein wollen?
Das ist das Ziel.

Und was planen Sie für die Zukunft nach dem Fussball, wenn es dann einmal soweit ist?
Das weiss ich nicht, Ich habe keinen Plan, aber einige Ideen. Ob in Richtung Trainer oder Manager – ich weiss es wirklich nicht.

Super-Manager à la Bierhoff, wie ihn Bernhard Heusler in seinem Bericht fordert?
Ich habe die Erfahrung im Moment noch nicht. Natürlich würde ich darüber reden und wenn ich jemanden an der Seite hätte, der mir hilft, in dieses Business reinzukommen, könnte das eine Option sein. Ich würde die Türe nicht zumachen. Aber ich kann nicht aufhören zu spielen und sagen, ich bin der perfekte Manager. Im Moment bin ich sowieso noch Fussballer.

Bis Sommer bei Arsenal und danach?
Das werden wir sehen, ob bei Arsenal oder nicht. Erste Gespräche haben stattgefunden. Aber Sie werden verstehen, dass ich jetzt nicht über deren Inhalt spreche... (schmunzelt) Wenn es für beide stimmt, werden wir uns finden. Wenn ich merke, dass der Trainer andere Prioritäten hat, muss ich hinsichtlich der EM Prioritäten setzen, weil es wichtig ist, regelmässig zu spielen. Aber ich bin in einer guten Position und deshalb relativ locker.

Sie waren 10 Jahre in Italien und sind schon ein halber Italiener. Wie gefällt Ihnen und Ihrer Familie London?
Wir haben uns extrem wohl gefühlt in Italien und haben viele Freundschaften geschlossen, die wir heute noch pflegen. England ist anders. Aber das wollte ich ja, auch um aus der Komfortzone zu kommen. Jetzt ist alles neu: neue Sprache, neue Kultur, neuer Verein, und an das alles mussten wir uns gewöhnen. Zum Beispiel können die Kinder von zuhause aus in die englische Privatschule oder zur Spielgruppe laufen. Das war in Italien nicht möglich. Wir wohnen sehr schön, und wenn wir frei haben, versuchen wir, uns einiges anzuschauen, einmal in ein Musical zu gehen und so. London hat ein sehr vielfältiges Angebot.

Und wo werden Sie sich nach der Karriere niederlassen?
Ich komme in die Schweiz zurück. Das ist klar.


Fussball

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ehemaliger Natifan am 21.03.2019 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schade hat er nichts begriffen,

    dass er auf keinen Fall mehr Captain sein sollte. Auch von den Jahren her, hätte er das Handtuch werfen sollen. Aber eben. Auch einer von sehr vielen mit einem verzerrten Weltbild und extremer Selbstüberschätzung. Mit seiner Aktion mit dem doppelten Poulet hat er seine Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion verloren. Auch Petkovic hat nichts kapiert, indem er ihn noch als Captain bestätigt. Tja. Solange dies bei der Nati nicht geändert wird, wird sie keine Unterstützung mehr erhalten.

  • René Spring am 21.03.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte ihn stoppen!

    Nicht der Spieler muss es spüren (vielleicht hat er gar kein Gspüri) sondern der Trainer muss sagen "das wars"! Petkovic sollte sich ein Beispiel nehmen an Löw. Der hat Spieler ausgemistet welche 5 Jahre jünger sind als Lichtsteiner.

  • Mar Cel am 21.03.2019 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Danke aber Zeit abzutreten

    Er hat sicherlich viel geleistet in der Nati und dafür gebührt ihm grossen Dank. Doch obwohl er vielleicht noch immer zu den besseren Rechtsverteidiger in der Schweiz gehört, wäre es an der Zeit, einem jüngeren Platz zu machen. Er hat viel erreicht in seiner Karriere und er wird versuchen, weitere Herausforderungen anzunehmen. Aber mit der Nati sollte er jetzt doch mal abschliessen. Seine Leistungen werden sicherlich nicht mehr besser, was sich in den letzten Länderspielen gezeigt hat. Zu langsam, dadurch Stellungsfehler und zudem viele Fehlpässe. Danke, aber jetzt: time to say goodbye

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. Bull am 21.03.2019 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Ich habe mühe mit den aussortier kriterien von petkovic

  • Gooni am 21.03.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbei

    Er leidet langsam an selektivem Erinnerungsvermögen. Ich kann mich an kein gutes Spiel diese Saison erinnern, aber an viele schlechte Spiele. Aber der Coach muss es wissen.

  • René Spring am 21.03.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte ihn stoppen!

    Nicht der Spieler muss es spüren (vielleicht hat er gar kein Gspüri) sondern der Trainer muss sagen "das wars"! Petkovic sollte sich ein Beispiel nehmen an Löw. Der hat Spieler ausgemistet welche 5 Jahre jünger sind als Lichtsteiner.

  • Mar Cel am 21.03.2019 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Danke aber Zeit abzutreten

    Er hat sicherlich viel geleistet in der Nati und dafür gebührt ihm grossen Dank. Doch obwohl er vielleicht noch immer zu den besseren Rechtsverteidiger in der Schweiz gehört, wäre es an der Zeit, einem jüngeren Platz zu machen. Er hat viel erreicht in seiner Karriere und er wird versuchen, weitere Herausforderungen anzunehmen. Aber mit der Nati sollte er jetzt doch mal abschliessen. Seine Leistungen werden sicherlich nicht mehr besser, was sich in den letzten Länderspielen gezeigt hat. Zu langsam, dadurch Stellungsfehler und zudem viele Fehlpässe. Danke, aber jetzt: time to say goodbye

  • Ehemaliger Natifan am 21.03.2019 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schade hat er nichts begriffen,

    dass er auf keinen Fall mehr Captain sein sollte. Auch von den Jahren her, hätte er das Handtuch werfen sollen. Aber eben. Auch einer von sehr vielen mit einem verzerrten Weltbild und extremer Selbstüberschätzung. Mit seiner Aktion mit dem doppelten Poulet hat er seine Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion verloren. Auch Petkovic hat nichts kapiert, indem er ihn noch als Captain bestätigt. Tja. Solange dies bei der Nati nicht geändert wird, wird sie keine Unterstützung mehr erhalten.