Horrorcrash in Italien

06. Februar 2011 19:04; Akt: 07.02.2011 10:46 Print

«Die Hand lebt» - Ärzte verhalten zufrieden

Formel-1-Pilot Robert Kubica ist bei einer Rallye schwer verunfallt. Seine rechte Hand wurde zertrümmert, muss entgegen ersten Befürchtungen aber nicht amputiert werden.

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Formel-1-Pilot Robert Kubica muss nach einem schweren Rallye-Unfall in der Nähe von Genua um die Fortsetzung seiner Rennfahrer-Karriere bangen. Der ehemalige Sauber-Fahrer wurde bis Sonntagabend im Krankenhaus Santa Corona in Pietra Ligure notoperiert. Eine drohende Amputation der rechten Hand konnten die Ärzte glücklicherweise verhindern.

Die Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der Hand nach der Operation ist noch nicht vollends geklärt. Die Operation dauerte sieben Stunden und der leitende Arzt, Doktor Igor Rossello, gab sich am Abend «verhalten zufrieden.» «Die Hand lebt», wurden die Ärzte in der Online-Ausgabe der «Gazzetta dello Sport» zitiert. Sie schlossen aber weitere Eingriffe nicht aus und erklärten, es könne ein Jahr dauern, bis die Funktionsfähigkeit der Hand wieder hergestellt sei.

Der Manager des Lotus-Renault-Piloten Daniele Morelli erklärte die momentane Lage etwas genauer: «Die Chirurgen versuchten die Bewegunsfähigkeit von Roberts rechter Hand wiederherzustellen. Sie mussten sich um die Muskelfunktionen kümmern. Aber Robert ist ein harter Bursche - er wird das schaffen.» Neuigkeiten über den Zustand des Polen direkt nach dem Crash gab es auch von seinem Beifahrer Jakub Gerber. «Robert war bei Bewusstsein, wurde dann jedoch ohnmächtig. Er wachte allerdings noch mehrmals auf, ohne wirklich zu wissen, was passiert war», so Gerber. «Ich war in meine Notizen vertieft und merkte nicht, dass das Auto ins Schlingern geriet. Erst nach dem Aufprall habe ich bemerkt, dass sich Robert einen Arm hält.»


Robert Kubicas Unfallwagen. (Quelle: YouTube)

Oberschenkelbruch und innere Verletzungen

Kubica hatte sich bei seinem Rallye-Crash in der Nähe Genuas noch weitere schwere Verletzungen zugezogen. Der 26-jährige Pole hat einen Bruch des Oberschenkelknochens, mehrere Brüche im Arm und innere Verletzungen erlitten. Seine rechte Hand war völlig zertrümmert. In ersten Meldungen wurde gar davon gesprochen, dass Kubica in Lebensgefahr schwebe. Die Entwarnung kam aber schnell.

Kubica wurde nach dem Crash gemäss unbestätigten Berichten in ein künstliches Koma versetzt, nachdem sich die Bergung des Unfallopfers durch die Feuerwehr als sehr schwierig gestaltet hatte. Rund eine Stunde soll es gedauert haben, bis der Pole aus dem Rallye-Wagen befreit werden konnte. Der Nachrichtenagentur ANSA zufolge wurde der 26-Jährige danach ins Krankenhaus Santa Corona in Pietra Ligure gebracht, wo er sofort operiert wurde. Zuvor sei ein Facharzt für Handchirurgie angefordert worden.

Zuerst in die Leitplanke, dann gegen eine Mauer

Kubica hatte von seinem Arbeitgeber Renault erstmals die Erlaubnis zu einem Rallye-Start in einem Auto eines anderen Herstellers bekommen. Der Unfallhergang ist noch nicht genau bekannt. Offenbar kam Kubica mit seinem Skoda Fabia bei der Ronde di Andora von der nassen Fahrbahn ab und prallte in der Nähe der Ortschaft Testico frontal gegen eine Leitplanke und dann in eine massive Kirchenmauer.

Die Leitplanke soll sich dabei in das Fahrzeuginnere gebohrt haben, was eine Erklärung für die schlimmen Verletzungen an Kubicas rechter Hand sein könnte. Zuerst wurde noch angenommen, dass vornehmlich die linke Seite in Mitleidenschaft gezogen wurde, da auf dieser der eigentliche Einschlag stattfand. Die Rallye wurde unmittelbar nach dem Unfall unterbrochen. Kubica hatte in der Vergangenheit immer wieder an Rallyes teilgenommen.

Beifahrer blieb unverletzt

Medienberichten zufolge soll sein Beifahrer Jakub Gerber sofort aus dem Wrack geklettert und unverletzt geblieben sein, während Kubica in dem Auto eingeschlossen war und rausgeschnitten werden musste.

Bereits 2007 war Kubica mit seinem Sauber-Wagen in der Formel 1 in einen schweren Unfall verwickelt. Am 10. Juni prallte er beim Grossen Preis von Kanada mit rund 280 Stundenkilometern gegen eine Mauer, nachdem sein Wagen nach einer Kollision mit dem Italiener Jarno Trulli ausgehebelt worden war. Nach dem Horrorunfall blieb Kubica regungslos im Wagen zurück, er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht.

Kubica ist der erste polnische Formel-1-Fahrer. Sein Debüt in der Königsklasse gab er 2006 beim Grand Prix in Ungarn, und zwar in einem BMW-Sauber. Den bislang einzigen Sieg in der Formel 1 feierte er 2008 am GP Kanada. Auf die vergangene Saison hin wechselte er zu Renault.

Angesichts der Schwere der Verletzung kommt der sportlichen Zukunft derzeit keine Priorität zu. Lotus-Renault wird für den Saisonstart in Bahrain (13. März) einen zweiten Fahrer neben Witali Petrow (Russ) suchen müssen. Als Testfahrer sind derzeit Bruno Senna (Br) und Romain Grosjean (Fr) unter Vertrag.



(meg/pre/sda)

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