Kurs auf die WM

08. Juli 2014 15:08; Akt: 08.07.2014 15:08 Print

«Ich drehe meine Runden nicht zum Spass»

von Sandro Compagno - In der internationalen spanischen Moto2-Meisterschaft fährt Jesko Raffin der Konkurrenz um die Ohren. Nächstes Jahr will er in die WM. Doch das wird zur Frage des Geldes.

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Es ist Halbzeit in der spanischen Meisterschaft CEV, dem Vorzimmer zur Motorrad-Weltmeisterschaft. Und ein junger Zürcher hat sich zum Dominator der Moto2 aufgeschwungen: Vier von fünf Rennen hat Jesko Raffin (18) gewonnen, im ersten wurde er als Führender in der letzten Kurve abgeschossen. Raffins Dominanz geht so weit, dass die Rennkommissäre sein Team in Barcelona nach dem dritten Sieg in Serie dazu verdonnerten, den gesamten Motorblock in seine Einzelteile zu zerlegen. Sie wollten wissen, ob alles mit rechten Mitteln zugeht. «Gefunden haben sie nichts», sagt Raffin, «ich hatte auch nichts zu verbergen.»

Im Gegenteil: Die spanische Meisterschaft erlaubt Manipulationen an der Elektronik, die in der WM nicht erlaubt ist. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verzichtet Raffins Team auf solche Tricks. Auf die Frage, warum er trotzdem derart dominiere, fällt Raffin zuerst einmal nichts ein: «Die Frage habe ich mir gar nie gestellt. Ich will einfach mein Bestes geben und mich zeigen. Ich will nicht zum Spass meine Runden drehen. Ich habe ein Ziel.»

«Keine Nasenbohrer»

4000 Euro kostete die grosse Zerlegung seinen Manager und Förderer Marco Rodrigo. Ein ärgerlicher Zusatzaufwand zwar, aber auch ein Zeichen, wie gut dieser Jesko Raffin Töff fährt. Rodrigo: «Seine Konkurrenten sich auch keine Nasenbohrer!» Für Rodrigo ist klar, dass Raffin nächstes Jahr in die WM aufsteigen muss:« In der spanischen Meisterschaft kann er nichts mehr lernen.» Ginge es nur um Leistung und Talent, der Fall wäre längst klar. Doch so einfach ist es im Motorrad-Sport nicht. Ein Spitzenteam will keinen Rookie, sondern einen Siegfahrer. Teams mit nationalem Hintergrund wollen Landsleute. Bleiben jene Teams, die von einem Fahrer nicht zwingend Talent verlangen, sondern Geld. Zudem: Nach Dominque Aegerter, Tom Lüthi, Randy Krummenacher und Robin Muhlhauser wäre Jesko Raffin bereits der fünfte Schweizer in der Moto2-WM.

Das Geheimnis sitzt auf dem Töff

Für Marco Rodrigo ist klar: «Will Jesko in der WM mitfahren, dann muss er zahlen.» Der ehemalige Bankdirektor und Immobilien-Makler ist daran, das nötige Geld aufzutreiben. Es geht um einen Betrag im hohen sechsstelligen Bereich. Dafür soll Raffin aber konkurrenzfähiges Material erhalten. Da in der Moto2-WM mit Honda-Einheitsmotoren gefahren wird und ein paar wenige Hersteller die Chassis liefern, gibt es keine Geheimnisse. Um es mit den Worten von Marco Rodrigo zu sagen: «In der Moto2 sitzt das Geheimnis auf dem Töff». Und Jesko Raffin ist mehr als ein Geheimnis, er ist ein Versprechen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 08.07.2014 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Raffin ist sauschnell!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 08.07.2014 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Raffin ist sauschnell!

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