Diätwahn in der Formel 1

08. Oktober 2013 14:45; Akt: 08.10.2013 16:16 Print

«Manche von uns können nicht weiter abnehmen»

In der Formel 1 ist jedes überflüssige Kilogramm Gift. 2014 sollen die Piloten noch leichter sein. Für grossgewachsene Fahrer wie Jenson Button eine unzumutbare Entwicklung.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vergangenes Wochenende überzeugte Sauber-Pilot Nico Hülkenberg mit seinem vierten Rang beim GP von Südkorea. Der Exploit kommt zum richtigen Zeitpunkt: Noch hat der 26-jährige Deutsche kein Cockpit für die Saison 2014. Seinen Vertrag bei Sauber hat er wegen ausstehender Gehaltszahlungen vor Monaten gekündigt. Dass ihn bisher kein Team unter Vertrag genommen hat, dürfte nicht mit seinem fahrerischen Können, sondern vielmehr mit seinen körperlichen Voraussetzungen zu tun haben. Mit 185 Zentimetern und 74 Kilogramm gehört Hülkenberg zu den Schwergewichten in der Formel 1.

Gerüchten zufolge war Hülkenberg bei McLaren im Gespräch. Weil er aber vier Kilogramm mehr auf die Waage bringt als ihre Nummer 1, Jenson Button, sollen sich die Briten gegen den Deutschen entschieden haben. Hülkenberg kennt das Geschäft: «Wenn man vier Kilo mehr Gewicht hat, dann ist das sehr viel - fast zwei Zehntel pro Runde. Wer zu gross ist, wird bestraft», wird der Deutsche von «Sport.de» zitiert. «Ich wäre gern zehn Zentimeter kleiner.»

Seine Chance: Lotus

Ein Problem, welches Lotus nicht so wichtig zu sein scheint. Kimi Räikkönen bringt bei einer Grösse von 1.75 Metern stattliche 71 Kilo auf die Waage. Das könnte Hülkenbergs Chance sein. Räikkönen fährt 2014 für Ferrari und Hülkenberg gilt als Anwärter auf die Nachfolge des Finnen. Um das Cockpit zu ergattern, wäre Hülkenberg bereit zu hungern. «An fünf Kilogramm oder so brauchen wir nicht zu denken, aber eines ist sicher noch möglich.»

2014 könnte das Gewicht der Fahrer noch wichtiger werden. Zwar steigt dann das Mindestgewicht auf 690 Kilo - also 48 Kilo mehr als bisher. Aber die neuen Turbo-Motoren werden rund 50 Kilogramm schwerer sein als die aktuellen V8-Motoren. Jeder Pilot sollte demnach während der Wintermonate zwei Kilogramm abspecken. Viele Teams sind gegen den gefährlichen Diättrend und für eine Anpassung des Reglements - so auch Monisha Kaltenborn. «Man kann von ihnen nicht erwarten, noch mehr abzunehmen», sagt die Sauber-Teamchefin, die im kommenden Jahr den grossgewachsenen Sergei Sirotkin einsetzt.

Button hat die Schnauze voll

Auch die Fahrer wollen sich nicht noch mehr quälen. Denn aktuell liegt das ideale Fahrergewicht zwischen 60 und 65 Kilogramm. Es liegt auf der Hand, dass die meisten Piloten über diesem Wert liegen. «Manche von uns können einfach nicht weiter abnehmen. Man braucht Fleisch auf den Rippen und auch ein paar Muskeln, um ein Formel-1-Auto zu bewegen», poltert McLaren-Pilot Jenson Button. In derselben Gewichtsklasse kämpft Mark Webber. Der Australier ist grösser und schwerer als Hülkenberg. «Ich habe in den letzten fünf Jahren nichts gegessen», jammert der Red-Bull-Pilot. Seine Leidenszeit ist absehbar: Der Australier wechselt 2014 in die Langstrecken-WM zu Porsche.

Um nochmals auf das utopisch scheinende Idealgewicht von 60 bis 65 Kilogramm zurückzukommen: Es gibt Piloten, die das Idealgewicht unterbieten. So etwa Felipe Massa. Der Brasilianer misst 1.64 Meter und bringt «nur» 59 Kilogramm auf die Waage. Das gleiche Kampfgewicht wies Nick Heidfeld auf, der von 2000 bis 2011 in der Königsklasse fuhr. Der Hungerhaken schlechthin ist Red-Bull-Test- und Ersatzfahrer Sébastien Buemi. Bei 1.76 Zentimetern soll der Romand gerade einmal 61 Kilogramm wiegen.

Schuhgrösse 43 - ein weiteres Problem

Was für die meisten Männer eher klein ist, erweist sich für Hülkenberg ebenfalls als nicht karrierefördernd: Schuhnummer 43. Sauber hatte zu Beginn des Jahres massive Probleme mit seinen Füssen. Die Mechaniker griffen zu rabiaten Methoden und sägten kurzerhand zwei Löcher in die Karbonhaut des C32. Zuvor handelte Hülkenberg in Eigenregie: Er schnitt sich ein Stück Sohle von seinen Rennstiefeln ab.

(als)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Didi am 08.10.2013 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    einfache Lösung

    Das Problem wäre ja einfach zu beheben. Für jeden Fahrer ein Mindestgewicht von 80 kg bestimmen, wer weniger hat muss das Cockpit mit den fehlenden Kilos beladen. Wetten dass die Piloten dann das fehlende Gewicht lieber in Muskeln antrainieren statt ein paar Bleiplatten einzubauen....

    einklappen einklappen
  • So Schwer am 08.10.2013 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll denn der Mist?

    Lasst doch die Jungs was essen. Es kann nicht sein das man hier ein Minimum-Gewicht definiert welches die Fahrer dazu zwing abzunehmen. Wieso nimmt man nicht das schwerste Auto (voll) + den schwersten Fahrer + 10% und das ist das gültige Minimum Gewicht, alle die tiefer liegen müssen Gewicht mit nehmen. So bleibt der Sport gesund.

    einklappen einklappen
  • Poodel am 08.10.2013 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und?

    Im Basketball sind die Kleinen benachteiligt, hier die Grossen. Ist halt so.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • radel bub am 09.10.2013 05:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na und

    radrennfahrer oder marathonläufer könnten von diesen löhnen in dollars pro kg körpergewicht nur träumen. gewicht gehört nun einmal zur sportformel. das ist physik.

  • Gianni Guardini am 08.10.2013 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Micky Maus Betrieb

    ich liebe die Formel 1 und verfolge sie seit Jahrzehnten. Leider wird sie von einem alten Mann regiert und ist alles in allem ein Micky Maus Betrieb mit Kindergartenregeln. Für den Zuseher ist es absolut Wurst wenn die Karre 50 Kilo mehr wiegt. Unter diesem Aspekt sind die USA Serien Tausend mal professioneller.

  • Kyalami am 08.10.2013 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Rennschuh abgeschnitten

    Das Problem mit der Schuhgrösse hatte in den 70er Jahren auch der deutsche Pilot Hans Joachim Stuck; abgesehen von seiner Körpergrösse von 1.94m hatte er Schuhgrösse 47,5 und musste dabei jeweils ein Stück der Vorderkappe des Rennschuhs abschneiden...

  • Juan am 08.10.2013 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ballast

    Diese Theorie ist Falsch. Sie würden erst recht abnehmen, denn dann kann mehr Gewicht als Ballast verteilt und genommen werden und die Balance verbessert werden.

  • Herr Zürcher am 08.10.2013 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewichte

    Das Gewichtsproblem hat einen Hintergrund. Wenn man zusätzlich Gewichte einbauen darf, kann man diese Gewichte an strategisch besseren Orten platzieren als auf dem Fahrersitz. Somit hätten Teams mit "leichten" Fahrer trotzdem wieder einen Vorteil.

Moto GP News