Fall Jules Bianchi

13. Juli 2015 19:33; Akt: 13.07.2015 19:45 Print

«Schlimmer, als wenn er gestorben wäre»

Beim Vater des schwer verunfallten Formel-1-Fahrers Jules Bianchi wächst die Verzweiflung. Er spricht von einer «täglichen Folter».

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Die Sportwelt trauert um Jules Bianchi. Der Franzose, der vergangenen Herbst in Suzuka schwer verunfallte und seither im Koma lag, ist tot. Seine Eltern teilen in der Nacht auf Samstag auf Facebook mit, dass Bianchi am Freitagabend im Alter von 25 Jahren im Spital in seiner Heimatstadt Nizza starb. Die Anteilnahme ist gross, nicht nur unter seinen Weggefährten. Die Hoffnung schwindet: Die Familie des im Oktober schwer verunfallten Formel-1-Piloten Jules Bianchi durchlebt eine «tägliche Folter». Vater Philippe (l.) scheint nicht mehr an eine Genesung seines Sohnes zu glauben. Jules Bianchi liegt weiterhin im Koma auf der Intensivstation in Nizza und macht keine Fortschritte. Die FIA-Kommission gibt Jules Bianchi eine Teilschuld am Unfall von Suzuka. Der 25-jährige Franzose wurde von Japan nach Frankreich in ein Spital in Nizza verlegt. Lotus-Pilot Pastor Maldonado (r.) leidet von allen Formel-1-Fahrern am meisten mit Jules Bianchi, weil die beiden ein sehr enges Verhältnis haben. Rund einen Monat nach dem schweren Unfall beim GP von Japan ist Jules Bianchis Zustand weiter kritisch, ab stabil. Die Eltern von Jules Bianchi weilen weiterhin bei ihrem schwer verunfallten Sohn und hoffen auf Good News. Beim Aufprall auf den Bergungskran sollen auf Bianchis Kopf 92 g gewirkt haben. Bianchis Familie bangt auch über eine Woche nach dem Unfall um sein Leben. Vater Philippe (r.) sagt: «Die Lage ist verzweifelt.» Charlie Whiting (links), FIA-Rennleiter, und Jean Todt, FIA-Präsident, haben die Ergebnisse der Untersuchung von Jules Bianchis Unfall beim GP in Suzuka und Massnahmen für die Zukunft präsentiert. Das Formel-1-Team Marussia setzt im Grand Prix von Russland in Sotschi nur einen Fahrer ein. Am Start steht einzig der Brite Max Chilton. Beim Grand Prix von Russland in Sotschi wollen alle Formel-1-Fahrer mit einem Aufkleber mit Bianchis Nummer 17 und dem Text: «Alle sind bei Jules» starten. Medizinische Hilfe trifft aus Frankreich ein: Gérard Saillant (M.) ist Hirnspezialist und soll Jules Bianchi in Japan behandeln. Der Professor war zu Beginn des Jahres in die Behandlung von Michael Schumacher involviert. Ex-F1-Arzt Gary Hartstein sagt im Interview mit 20 Minuten: «Medizinisch gesehen kann Gérard Saillant vor Ort nichts für Jules Bianchi tun.» Der Vertrauensarzt von Michael Schumacher habe seit Jahren nicht operiert und sei zur moralischen Unterstützung nach Japan gereist. Formel-1-Medienchef Matteo Bonciani gibt den wartenden Journalisten vor dem Spital, in dem der verunfallte Jules Bianchi liegt, Auskunft. Der gesundheitliche Zustand des 25-jährigen Franzosen sei zwar kritisch, aber stabil. Marussia-Boss John Booth verlässt das Spital. Die Eltern des 25-jährigen Franzosen sind in Japan eingetroffen. Bianchi wird im Mie-General-Spital in Yokkaichi behandelt. Der GP von Japan wird von einem schweren Unfall überschattet. Jules Bianchi kollidiert mit einem Bergungskran, der gerade dabei war, das Auto von Adrian Sutil abzutransportieren. (Bilder: Twitter) Die Streckenposten kümmern sich sofort um den Franzosen. Kurze Zeit später wird er mit dem Krankenwagen in ein Spital gebracht. Das Wetter war zu schlecht für einen Helikopterflug. Wie ein FIA-Sprecher nach dem Rennabbruch sagte, habe Bianchi beim Aufprall das Bewusstsein verloren. Der 25-jährige Franzose fährt seine zweite Saison in der Formel 1.

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Neun Monate nach dem verheerenden Unfall in Suzuka, als Marussia-Pilot Jules Bianchi in einen Bergungskran prallte, schwindet bei den Angehörigen des Franzosen die Hoffnung auf eine Genesung. «Ich bin weniger optimistisch als zwei oder drei Monate nach dem Unfall, als wir noch auf einen besseren Verlauf hoffen konnten», sagte Vater Philippe Bianchi gegenüber «France info».

«Eigentlich muss ein Fortschritt in den ersten sechs Monaten zu verzeichnen sein. Jetzt sind es neun Monate, und Jules ist nicht aufgewacht und macht keine signifikanten Fortschritte.» Irgendwann komme der Punkt, an dem man sich «bewusst machen muss, wie ernst die Situation ist».

Das Schicksal von Schumacher

Philippe Bianchi spricht von einer «täglichen Folter», die die Familie durchlebe. «Es ist unerträglich. Manchmal haben wir das Gefühl, verrückt zu werden. Für mich ist es schlimmer, als wenn er gestorben wäre.» Er habe einst mit seinem Sohn über die Möglichkeit eines Schicksals mit schweren Behinderungen gesprochen. «Jules sagte, dass er es nur schwer akzeptieren könnte, wenn er einen ähnlichen Unfall wie Michael Schumacher hätte und danach nicht mehr fahren könnte. Denn das war sein Leben.»

Jules Bianchi liegt seit seinem Unfall am 5. Oktober 2014 mit schweren Kopfverletzungen im Koma.

(kai)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Giancarlo am 13.07.2015 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Unwahrscheinliches Pech

    Wenn man bedenkt, dass dieser Unfall nur passierte, weil der Bergungskran (der im Normalfall nie da stehen würde) im Weg stand, ist das unwahrscheinliches Pech. Oder Michael Schumachers Unfall, genau so unglücklich. Dann auch Ulrike Maier, die auf der Kandahar Streck in einem Flachstück stürzte (wo niemand je stürzen würde) und sich das Genick an einem Pfosten brach. An einem Pfosten, den man sonst nicht mal mit Absicht erwischen würde. Solche Unfälle gehen einem speziell nahe, denn sie sind so zufällig und soviel Pech dabei, dass sie schon fast Schicksal sind.

  • A.M.E.S. am 13.07.2015 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht zu Sterben

    Lasst ihn sterben - stellt einfach die lebenserhaltenden Massnahmen ab. Ich weiss wie es sich anfühlt hab es selbst erlebt.. Der Tod ist Erlösung für alle und der Frieden ein Segen.

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  • Q . Quere am 13.07.2015 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht aufgeben

    wir hoffen das er keine Schmerzen hat. Sollte es einen Weg geben hoffe ich für ihn das er diesen findet. alles gute und wir hoffen mit dir bis zum Schluss.

Die neusten Leser-Kommentare

  • T.R. am 14.07.2015 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Genesung!

    Risikosportarten tragen immer ein Risiko mit sich mit. Diese Leute setzen bewusst ihr Leben auf dem Spiel. Selber Schuld sicher nicht, aber jeden Tag als Beteiligter und Verwandter bewusst mit dieser Angst leben, dass was passieren könnte...ist kein Leben mehr. Klar, es kann immer und überall was passieren, aber eben, ich meine "bewusst".

  • Lu am 13.07.2015 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir können von ihm lernen

    Eine Patientenverfügung erspart den Angehörigen das Leid, entscheiden zu müssen, wann der Stecker gezogen werden soll.

    • chrigubern am 14.07.2015 10:46 Report Diesen Beitrag melden

      Schlimmer als Schuhmacher, leider...

      Genau: Im Gegensatz zu M. Schumacher ist J, Bianchi nicht mehr selbst entscheidungsfähig, es geht ihm also noch schlechter als das was er nicht wollte. Es ist tragisch dass er nicht nach dieser Diskussion mit seinem Vater eine Patientenverfügung verfasst / unterschrieben hat.

    • denise am 14.07.2015 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      Schuhmacher kann noch schlimmer sein

      @chrigubern, bist Du denn sicher, dass M. Schuhmacher entscheidungsfähig ist, er sei wach, aber das will nichts heissen... dann lieber wie J. Bianchi, hier können die Eltern irgendwann mal die Entscheidung treffen, die Maschine abzustellen, bei einem, der wach ist, aber nicht wirklich etwas vom Geschehen um ihn mitkriegt geht das nicht, traurig ist es für alle!!

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  • Priska am 13.07.2015 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Risiko

    Das Risiko zu verunfallen, ist beim Rennsport doch einfach gegeben. In der Regel gehen Crashs, auch bei enorm hohen Geschwindigkeiten, für den Fahrer meist glimpflich aus. Auch wenn damit sehr viel Geld verdient wird, muss auch den Tod in Kauf nehmen. Alles andere ist Naivität.

    • Bruno Weibel am 13.07.2015 22:19 Report Diesen Beitrag melden

      Tod oder eben nicht

      Als Motorsportler selber glaube ich der Aussage von Jules Vater, dass ein Unfall mit Todesfolge enfacher zu verarbeiten gewesen wäre, als die Angst eines Tages selbst über Leben und Tod des eigenen Sohnes entscheiden zu müssen. Diese Situation ist niemals vorstellbar und deshalb im Grunde unmenschlich. Naiv ist in diesem professionellen Umfeld schon lange niemand mehr.

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  • A.M.E.S. am 13.07.2015 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht zu Sterben

    Lasst ihn sterben - stellt einfach die lebenserhaltenden Massnahmen ab. Ich weiss wie es sich anfühlt hab es selbst erlebt.. Der Tod ist Erlösung für alle und der Frieden ein Segen.

    • dp am 13.07.2015 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      falls...

      ...wenn es denn maschinen gibt, die abgestellt werden können.

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  • Q . Quere am 13.07.2015 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht aufgeben

    wir hoffen das er keine Schmerzen hat. Sollte es einen Weg geben hoffe ich für ihn das er diesen findet. alles gute und wir hoffen mit dir bis zum Schluss.

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