Motorrad-WM

17. März 2011 14:00; Akt: 17.03.2011 14:09 Print

Asphalt-Cowboys im «Disneyland Arabiens»

von Klaus Zaugg, Doha - Im benachbarten Bahrain rollen Panzer. Ist es ein Wahnsinn, für den Start der Motorrad-WM nach Katar zu reisen?

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Motorrad-Star Valentino Rossi zieht in Doha seine Runden - scheinbar fernab von den Revolten im Nachbarstaat Bahrain. (Bild: AFP)

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Der Formel 1-GP in Bahrain vom vergangenen Wochenende wurde abgesagt. Aber der Motorrad-GP von Katar in Doha vom nächsten Sonntag stand nie zur Diskussion. Denn die Revolution findet in Doha, der Hauptstadt von Katar, höchstens im Fernsehen statt. Hier ist alles ruhig und friedlich. Der Wüsten-Kleinstaat Katar (knapp 12 000 Quadratkilometer Fläche) ist so etwas wie ein Disney-Land Arabiens. Die Bevölkerung besteht zu 80 Prozent aus Ausländern (aus Indien, Afrika, Pakistan). Fast 80 Prozent der Einheimischen gehören dem sunnitischen Islam an. Sie leben mit den Schiiten, Hindus und Christen in friedlicher Gemeinschaft. In kaum einem anderen arabischen Land ist der Austausch mit den westlichen Kulturen auch ohne Tourismus gerade im Sport so intensiv: Radrennen, Motorrad-GP, Tennisturniere und die Fussball-WM 2022. Zudem hat der TV-Sender «Aljazeera», die erste und bis heute einzige freie, nicht zensurierte und weltweit gehörte Medienstimme des Morgenlandes, den Hauptsitz in Doha und wird von der katarischen Herrscherfamilie finanziert.

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Sorgloses Leben in Katar

Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani regiert seine 1,7 Millionen Untertanen als unumstrittener Herrscher und absolutistischer Monarch. Die Stabilität ist wohl zu einem schönen Teil «gekauft»: Katar hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt und ermöglicht seinen Bürgern mit dem wohl besten Sozialsystem der Welt ein sorgloses Leben. Gesundheitsvorsorge und Schulbildung auf allen Stufen inklusive Universität sind kostenlos. Westliche Geschäftsleute reduzieren die Lebensqualität hier gelegentlich auf drei S: sonnig, sicher, steuerfrei. Wir wissen aus der Geschichte, dass am Anfang jeder Revolution soziale Missstände, Hunger und Armut stehen. Davon ist in Katar nichts zu sehen oder zu hören.

Die Reise nach Katar ist sowieso völlig problemlos. Das Visa wird an der Grenze innert Minuten erteilt, der westliche Besucher hat mit dem Mietwagen freie Fahrt, wohin er will. Katar ist für den Fremden, der hier für ein paar Tage als Chronist einfliegt um über die Heldentaten der Asphalt-Cowboys zu berichten, ein reiches friedliches und freundliches Emirat. Die Revolution scheint weiter weg zu sein als Zürich oder New York.

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