F1-Kommissar klärt auf

13. Juni 2019 06:05; Akt: 13.06.2019 06:05 Print

Darum ist Ferraris Vettel-Protest chancenlos

Der langjährige Berner Formel-1-Kommissar Paul Gutjahr erklärt, warum sich Ferrari die Mühe eines Einspruchs sparen sollte.

Dieser Ausritt brachte Sebastian Vettel um den Sieg in Montreal. (Video: SRF)
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Der GP von Kanada wird noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Da war Sebastian Vettel, der, verfolgt von Lewis Hamilton, über den Rasen bretterte und knapp vor dem Briten auf die Strecke zurückfand. Da waren die Rennkommissare, die dieses Manöver als gefährlich einstuften, den Deutschen mit einer 5-Sekunden-Strafe belegten und ihn so um den Sieg brachten.

Da war Vettel selbst, der seine Emotionen nach dem Rennen nicht im Griff hatte und gar die Platztafeln #1 und #2 im Parc fermé vertauschte, um sich selbst zum Sieger zu erklären. Und da waren die klugen Köpfe von der Scuderia Ferrari, die einen Protest gegen die Strafe ankündigten und noch bis am Donnerstagabend Zeit haben, Beweise zu sammeln, die Vettel entlasten.

«Die Kommissare sehen alles»

Diesen Aufwand könnte sich der Rennstall aus Maranello allerdings sparen, findet Paul Gutjahr. Der Berner war von 1995 bis 2017 Formel-1-Kommissar und sagt im «Tages-Anzeiger»: «Ferrari hat keine Chance mit dem Protest. Es geht um das Recht auf Revision, und in diesem Artikel steht, dass der Entscheid allenfalls noch einmal überdacht werden kann, wenn es neue Elemente in diesem Fall gibt. Die wird es aber nicht geben.» Den Kommissaren stünden sämtliche Daten zur Verfügung, auch zusätzliche Kameraperspektiven und Zeitlupen. Kurz: «Die Kommissare sehen alles. Die Formel 1 ist durch und durch gläsern.»

Der 76-Jährige kann nachvollziehen, dass die Zuschauer vor dem Fernseher – auch er hat das Rennen am TV geschaut – sich fragten, warum Vettel bestraft wurde. Er sagt: «Es gibt eine Grundregel: Wenn einer eine Strecke mit allen vier Rädern verlässt, was hier der Fall war, darf er nicht auf die Strecke zurückkehren, wenn er andere behindert.»

Das gelte allerdings nur dann, wenn sich die Fahrer in einem Zweikampf befänden. «Und auch dieser ist genau definiert: Der Hinterherfahrende muss in einer gewissen Schlagdistanz sein.» Ob das bei Hamilton und Vettel so war, wisse er nicht, «da mir die Daten fehlen». Und weil er eben keine Dateneinsicht hat, sagt Gutjahr: «Ich will mir nicht anmassen, das Urteil infrage zu stellen.»

Das ganze Interview gibts hier (gebührenpflichtig).

Motorsport


(red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lacoruna74 am 13.06.2019 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kluger Experte

    Er sagt Ferrari hat keine Chance so h zu wehren und dann sagt er habe die Daten nicht um es zu bestätigen? Kluger Experte.

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  • Baschti Hämmilten am 13.06.2019 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Racing

    Laaaaanweilig. Genau wegen solchen Entscheidungen schaue ich seit einigen Jahren keine F1 Rennen mehr. THAT'S RACING! Sonst kann man auch zuhause bleiben und Carrera spielen.

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  • Simon am 13.06.2019 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Auch wenn der Entscheid äusserst fragwürdig war, werden die 14 Punkte Ende Saison wohl kaum den Unterschied zwischen Vettel und Hamilton ausmachen. Vettel und Ferrari sollten sich besser auf die nächsten Rennen konzentrieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Martini am 15.06.2019 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Motorsport

    Bitte, bitte: Der Fahrer soll nicht mehr via Boxenfunk kommunizieren können. Und ständig sind irgendwelche Chefs während der TV Übertragung im Rampenlicht. Wer will das?

  • F1 Beobachter am 14.06.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es im umgekehrten Fall?

    Ich frage mich, wie die Kommissäre im umgekehrten Fall entschieden hätten. Wahrscheinlich hätte es "That's racing" geheissen und der Fall wäre im Jubel über den Hamilton- und Mercedes-Sieg untergegangen. Langsam wird es für den dümmsten klar, wie Mercedes und Hamilton bevorzugt werden.

  • Swissman73 am 13.06.2019 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die halbe Wahrheit

    Kameras hin oder her. Hamilton sagte nach dem Rennen, dass er Vettel in diesen Fahrfehler getrieben hat. Dann muss man auch mit den Konsequenzen leben. Hamilton konnte Vettel nicht überholen, Vettel konnte mit dem Gras auf den Reifen auch nicht anders, die alte Strecke ist zu eng. Was hier untergeht: Glaubt ihr echt, dass Mercedes das einfach so hingenommen hat? Die haben Protest eingelegt! Nach dem Rennen wurde Wolff von der BBC gefragt, ob Mercedes Protest eingelegt hat. Wolff wollte nicht antworten und lügen. Ein Ja oder Nein hätte Klarheit geschaffen, aber er wollte nichts sagen...

  • Francesco S. am 13.06.2019 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wie es Max Verstappen treffend sagte:

    They are doing a great Job in Killing Racing (damit sind die Rennkommisäre gemeint). Wie war, wie war!

  • Marc am 13.06.2019 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DTM-Fan

    ich habe zufällig die lezten 8 runden gesehen. meine frage: war das ganze rennen so langweilig wie diese prozession? In der DTM gab es dieses Jahr noch keine so langweiligen 8 Runden! P.S Nico Müller hat am sonntag sein 2. DTM-Rennen gewonnen.

    • Rocky am 13.06.2019 19:03 Report Diesen Beitrag melden

      DTM ist Markenpokal

      Marketing-Show mit 100 Prozent. Egal wenn es scheppert. Automarke ist alles - Fahrer sind Angestellte der Autofirma. Freunde der Autoindustrie sind die Sponsoren der Rennserie.

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