Motorrad-WM 2011

15. März 2011 11:33; Akt: 15.03.2011 13:54 Print

Das Drama um Rossi und eine düstere Prognose

von Klaus Zaugg - Nur Platz 13 bei den letzten Tests vor der Saison in Doha. Ist Superstar Valentino Rossi am Ende? Das ist die grosse Frage vor der Motorrad-WM 2011, die mit dem GP von Katar am Sonntag beginnt.

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Valentino Rossi hat seine Ducati noch nicht im Griff. (Bild: Reuters)

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Valentino Rossi ist der grösste Star in der Geschichte der Motorrad-WM und mit einem Jahreseinkommen von rund 30 Millionen Euro Italiens bestverdienender Sportler aller Zeiten. 241 WM-Rennen, 105 Siege, 9 WM-Titel, davon 7 in der Königsklasse.

Aber er zieht sich beim Motocross-Training im Frühjahr 2010 eine Schulterverletzung zu, die er erst geheim hält, ihn aber schwächt. Diese Verletzung ist mit ein Grund, warum der Liebling der Götter am 5. Juni 2010 aus dem Töffhimmel fällt: Er stürzt beim Training zum GP von Italien in Mugello und zieht sich einen Beinbruch zu. Zum ersten Mal wird er so schwer verletzt, dass er mehrere Rennen aussetzen muss. Dieser Sturz kostet ihn den MotoGP-WM-Titel 2010 und - schlimmer - den Ruf, unbesiegbar zu sein.

Anders als Haudegen wie Barry Sheene Kevin Schwantz, Wayne Gardner, Eddie Lawson oder Michael Doohan ist Rossi zuvor nie durch Stürze gebremst oder verunsichert worden. Kann einer wieder aufstehen, wenn er erst im Herbst seiner Karriere einen schweren Unfall hat? Rossi ist am 16. Februar 32 Jahre alt geworden.

GP-Zirkus von Rossi abhängig

Im GP-Zirkus will und darf niemand an Rossis strahlender Rückkehr aufs Siegerpodest zweifeln. Er ist nicht nur der Roger Federer der Asphaltcowboys. Das Tennis wird seine globale Bedeutung auch nach einem Rücktritt von Federer behalten. Aber der GP-Zirkus wird ohne Rossi seine Strahlkraft verlieren. Kein anderer globaler Sport ist so von einem einzigen Superstar abhängig.

Nur einer wagt eine düstere Prognose. Michael Scott, der für seine Bissigkeit und Geradlinigkeit legendäre südafrikanischer Kultreporter. Am Abend des 5. Juni sitzen wir bei feinem toskanischen Wein und Essen und er bringt die Situation auf den Punkt: «Rossi is done.» («Rossi ist erledigt.») Scott ist der Einzige, der dieses vernichtende Urteil auszusprechen wagt.

Rossi hat die «Königsklasse» bereits für Honda und Yamaha gewonnen – und nun will er als erster Pilot auf einem dritten Fabrikat triumphieren: Auf Ducati. Auf einer italienischen Marke. Rossi kann nur verlieren. Casey Stoner hat die Ducati 2007 bereits zum WM-Titel gesteuert.

Rossi kommt nicht auf Touren

Der erste Akt in diesem Drama ist schon über die Bühne gegangen. Platz 13 (!) bei den letzten Tests am Montag in Doha. Auf der gleichen Strecke beginnt am Sonntag mit dem GP von Katar die Motorrad-WM 2011. Katar ist Ducati-Land. Casey Stoner (jetzt neu bei Honda) hat hier drei der letzten vier GP gewonnen und im letzten Jahr lag er weit in Führung, als er aus dem Sattel fiel.

Aber Rossi fährt bei diesen letzten Tests hinterher wie nie zuvor in seiner Karriere. Platz 13 unter 17 Piloten. 1,307 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Casey Stoner. Er ist nicht einmal bester Ducati-Pilot. Teamkollege Nicky Hayden ist schneller (9.). Nur noch Loris Capirossi, Carl Crutchlow, Karel Abraham und Toni Elias sind langsamer als Rossi. Ist er überhaupt fit? Oder ist er immer noch durch die inzwischen operierte Schulterverletzung geschwächt?

Das Risiko fährt mit

Rossi sagte am Montagabend nach den zweitätigen Tests, dass seine Schulter noch nicht gut genug verheilt sei, um so anstrengende Tests durchzustehen. Die Tests dauerten zwei Tage (Sonntag und Montag) und bereits am ersten Sonntag war Rossi nicht über den 9. Platz hinausgekommen. Zudem stürzte er sowohl am Sonntag als auch am Montag. Hat Michael Scott mit seiner düsteren Prognose doch recht?

Im Fussball oder im Tennis kann einer seine Karriere sanft ausklingen lassen. Er riskiert bloss Schmähungen. Der Motorradrennsport ist hingegen gnadenlos. Wer den Zeitpunkt seines Abgangs verpasst, riskiert Tod und Verstümmelung. Valentino Rossi steht vor der grössten Herausforderung seiner Karriere.


MotoGP. Letzte Tests in Doha:
1. Casey Stoner (Aus) Honda, 1:55,681. 2. Dani Pedrosa (Sp), Honda, 0,064 Sek. Zur.
3. Ben Spies (USA), Yamaha, 0,613.
4. Marco Simoncelli (It), Honda 0,752.
5. Andrea Dovizioso (It), Honda, 0,758.
6. Randy De Puniet (Fr), Ducati, 0,764.
7. Jorge Lorenzo (Sp), Yamaha, 1,026.
8. Colin Edwards (USA), Yamaha, 1,035.
9. Nicky Hayden (USA), Ducati, 1,045.
10. Hiroshi Aoyama (Jap), Honda, 1,059.
11. Hector Barbera (Sp), Suzuki, 1,117.
12. Alvaro Bautista (Sp), Suzuki, 1,250.
13. Valentino Rossi (It), Ducati, 1,307.
14. Loris Capirossi (It), Ducati, 1,664.
15. Carl Crutchlow (USA), Yamaha, 2,049.
16. Karel Abraham (Tsch), Ducati, 2,165.
17. Toni Elias (Sp), Honda, 2,855.

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