Auch wegen Töff

06. Juni 2011 07:34; Akt: 06.06.2011 11:20 Print

Dem WM-Titel so nah – und doch so fern

von Klaus Zaugg, Barcelona - Tom Lüthi (24) hat beim GP von Katalonien wohl den Titel in der Moto2-WM vergeben. Nun werden Siege noch wichtiger.

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Reicht es für den WM-Titel? Drei Rennen vor Schluss weist der Berner einen Rückstand von 19 Punkten auf Franco Morbidelli auf. Lüthi beeindruckt über die ganze Saison gesehen mit konstanten Leistungen, die ihm bereits diverse Podestplätze und einen Sieg (in Brünn) eingebracht haben. Das zahlt sich aus. Am 23. August wird bekannt, dass der 30-Jährige ab der kommenden Saison in der MotoGP-Klasse an den Start geht. Speziell: Sein Teamkollege wird Franco Morbidelli sein. Der Italiener stand Lüthi 2017 bislang vor der Sonne. Er hat die besten Karten, um sich den Titel in der Moto2 zu krallen. Lüthi überzeugt mit konstanten Leistungen und belohnt sich mit vier Saisonsiegen: Katar, Grossbritannien, Japan und Australien. In der Endabrechnung muss er sich nur von Johan Zarco (M.) geschlagen geben. Der Franzose wechselt danach in die MotoGP. Ende 2016 wird bekannt, dass Dominique Aegerter (r.) das Schweizer Team Derendinger Racing Interwetten verlässt. Geballte Schweizer Moto2-Power. Tom Lüthi (M.) bildet neu ein Team mit Dominique Aegerter (l.) und Robin Mulhauser. Der 125er-Weltmeister von 2005 setzt sich im teaminternen Duell klar durch. Dennoch verläuft die erste Saison nach dem Wechsel durchzogen. Lüthi beendet sie im 5. Rang. Lüthi dreht im Herbst auf und gewinnt die Rennen in Japan (Bild) und Valencia. Im WM-Klassement belegt er am Ende Rang 4. Saison 2013: </B> Seit Mai bestreitet Tom Lüthi nach seinem Sturz bei den Tests wieder Rennen. 2013 endet ohne einen GP-Sieg und mit Rang 6 in der WM. Nach dem Unfall bei den Tests will Tom Lüthi die Rückkehr in den GP-Zirkus beim zweiten Rennen in Texas (21.4.) erzwingen. Er muss die Übung aber nach dem ersten Training abbrechen. Die Schmerzen sind zu gross. Jetzt versucht er das Comeback in Jerez am 5. Mai. Die Saison 2013 startet sehr unglücklich. Lüthi wird bei den Testfahrten in Jerez von Ratthapark Wilairot «abgeschossen» und zieht sich eine Schulter- und Armverletzung zu. Er muss operiert werden und verpasst den Saisonstart. Tom Lüthi testete zuvor während drei Tagen seine neue Moto2-Maschine in Valencia. Nach dem Sturz beim zweitletzten GP der Saison in Australien holt Marc Marquez den Titel. Lüthi erreichte in der WM-Wertung 2012 Rang 4. Im ersten Rennen nach der Sommerpause in Brünn fährt Tom Lüthi zum sechsten Mal in dieser Saison auf Podest. Er wird hinter Marc Marquez Zweiter. Tom Lüthi fährt beim GP von Italien zum fünften Mal in der Saison 2012 aufs Podest. In Silverstone läuft es Tom Lüthi nicht nach Wunsch. Nach einem Trainingssturz und Rang 8 im Rennen verliert der Emmentaler am 17. Juni die WM-Führung. Am 3. Juni 2012 übernimmt Tom Lüthi erstmals seit dem WM-Titel 2005 wieder die WM-Führung. Ein zweiter Rang in Barcelona in der Moto2-Klasse reicht dem Emmentaler dazu. Nach einem fünften Rang zum Auftakt und zwei dritten Plätzen gewinnt Tom Lüthi in Le Mans sein erstes Rennen der Saison 2012 und rückt WM-Leader Marc Marquez bis auf zwei Punkte auf die Pelle. Es ist Lüthis siebter Karrieren-Sieg. Die ersten Tests im März 2012 verlaufen für Tom Lüthi verheissungsvoll. Ausserdem sichert ihm Bike-Bauer Eskil Suter in diesem Jahr eine intensivere Betreuung zu. Perfekte Voraussetzungen für den Angriff auf den Moto2-WM-Titel? Ein erfolgreiches Duo spannt noch enger zusammen: Auf die Saison 2012 hin übernimmt Lüthis Freundin Fabienne Kropf die Medienarbeit für den Töff-Star und bringt sich in dessen Vermarktung mit ein. Ihr erster Schachzug: Lüthi fährt nicht mehr Subaru, sondern BMW. Schliesslich beendet Lüthi die Moto2-Saison 2011 als WM-Fünfter. Und er kann es doch noch: Drei Wochen später gewinnt Lüthi gar den GP von Sepang. Es ist der erste Sieg des Emmentalers seit über fünf Jahren! Ende Saison geht es mit Tom Lüthi wieder bergauf: Am 2. Oktober fährt er beim GP von Japan als Dritter zum ersten Mal seit Anfang April wieder in einem Rennen in die Top 3. Mitte September platzt für Tom Lüthi ein Traum: Er wird nächste Saison nicht in der MotoGP fahren. Sein Manager konnte nicht die nötigen finanziellen Mittel organisieren. Es kommt auch Polemik auf: Lüthi werde vom Schweizer Fahrwerkhersteller Eskil Suter zu wenig umsorgt. Allerdings hat dieser dem Emmentaler vertraglich nie eine Sonderbehandlung zugesichert. Doch die Saison geht nicht so verheissungsvoll weiter, wie sie begonnen hatte: Es folgen für Lüthi Stürze und Platzierungen ausserhalb der Top-Ränge. Ein Rückschlag. Beim zweiten Saisonrennen in Jerez muss sich der Emmentaler nur von Stefan Bradl schlagen lassen und fährt auf Rang 2. Zum Auftakt in Katar erreicht Lüthi den dritten Rang und startet somit so gut wie schon lange nicht mehr. Noch vor Saisonstart 2011 wird bekannt, dass Lüthis Manager Daniel Epp fürs kommende Jahr ganz grosse Pläne hegt: Der Emmentaler soll in die «Königsklasse», die MotoGP, aufsteigen. Für die Saison 2011 wechselt Lüthi auf die Maschine des Schweizer Herstellers Suter. In einer Klasse, in der alle die gleichen Motoren besitzen, will er wieder um den Titel mitreden. Lüthi gehört auf der Moriwaki mit fünf Podestplätzen zu den Spitzenfahrern. Er verpasst aber den angestrebten WM-Titel und wird im Klassement mit 156 Punkten Vierter. : Sportlich wird aus der Viertelliterklasse 2010 die neugeschaffene Moto2. Ein Jahr nach der Trennung von Fabienne finden die beiden Ende 2009 wieder zusammen. Lüthi wird Siebter der 250er-Klasse mit 120 Zählern - aber ohne Podestplatz. 2009 gehts wieder etwas aufwärts - zumindest im WM-Klassement. Er holt immerhin 2 Podestränge, aber nur noch 108 Punkte, was in der WM Platz 11 bedeutet. Auch in diesem Jahr kann Lüthi nicht um den Titel mitfahren. Die erste Saison auf der Aprilia läuft nicht optimal: Kein Podestplatz, WM-Rang 8 mit 133 Punkten. In der Saison 2007 wechselt Lüthi in die 250er-Klasse und lernt italienisch, um seine Mechaniker besser zu verstehen. 2007 verliebt sich Lüthi in Fabienne Kropf, Miss Bern 2005. Nach einem Jahr trennt sich das Paar wieder. Er gewinnt ein Rennen und holt 113 Punkte. Das bedeutet WM-Rang 8. Lüthi kann den Titel in der Achtelliterklasse nicht bestätigen. Lüthi bei seiner Teilnahme am Super10Kampf der Sporthilfe. Der Emmentaler erhält die Auszeichnung zum Schweizer Sportler des Jahres 2005. Mit 242 Punkten wird er mit 19 Jahren der sechstjüngste Weltmeister der Geschichte. Er holt fünf Poles, vier Siege und insgesamt acht Podestplätze. 2005 startet Lüthi total durch. Lüthi fährt nie aufs Podest und sammelt nur 14 WM-Punkte. Am Ende bedeutet dies Gesamtrang 25. In diesem Jahr fährt der Schweizer auch einmal aufs Podest. Am Ende ists WM-Rang 15 für ihn. In der Saison 2003 absolviert Lüthi seine erste vollständige Saison. Er holt dabei 68 Punkte. Lüthi, der am 6. September 1986 geboren wurde, absolvierte als 15-Jähriger seine erste Saison in der 125er-Klasse. In sieben Rennen holt er sieben Punkte und WM-Rang 27. Damals ahnte noch niemand, dass hier der nächste Weltmeister sitzt. Als Neunjähriger startete er seine Karriere auf dem Pocket-Bike. Aus Linden im Emmental eroberte Tom Lüthi die Töff-Welt.

Die Karriere von Tom Lüthi.

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Fehler gesehen?

Die Behauptung, Tom Lüthi hätte die Moto2-WM 2011 gewinnen können, ist auf den ersten Blick recht gewagt. Der Emmentaler liegt nach fünf Rennen in der Zwischenwertung bloss auf Position 6. Mit 55 Punkten Rückstand auf WM-Leader Stefan Bradl (21). Und doch: Er hat eine historische Chance vergeben.

Die Saison 2011 beginnt so wie das 125er-Weltmeisterjahr 2005. Lüthi ist bei allen Tests vorne dabei. Er fährt nicht nur einzelne schnelle «Kampfrunden». Er fährt locker Serien von sehr schnellen Rundenzeiten.

Grösste Schwäche behoben

Damit ist die grösste Schwäche der letzten Saison behoben: Es hat Lüthi 2010 «nur» zum 5. WM-Schlussrang gereicht, weil er in den Trainings nicht schnell genug ist. Er muss zu oft zu weit hinten starten. Wenn er regelmässig aus den zwei ersten Startreihen losfahren kann, dann ist in jedem Rennen der Sieg möglich.

Tatsächlich startet Tom Lüthi in dieser Saison bei vier GP aus der ersten und bei einem GP aus der zweiten Reihe. Alles scheint zu stimmen.

Zu viele Stürze

Aber schon nach 5 von 17 Rennen ist der WM-Titel, der so nahe schien, bereits so fern. Lüthis Titelchancen sind ungefähr gleich hoch wie jene der Fussball-Nationalmannschaft sich für die EM zu qualifizieren.

Nur in zwei von fünf Rennen stimmt die Leistung: In Katar beim Saisonauftakt (3.) und im zweiten Rennen in Jerez (2.). In Estoril stürzt der Emmentaler in Führung liegend und zuletzt in Barcelona auf der 7. Position. In Le Mans wirft ihn eine defekte Hinterradbremse auf Rang 5 zurück – er hätte sonst gewonnen.

Während der ganzen letzten Saison ist Tom Lüthi nur fünfmal gestürzt. Nun hat er schon nach fünf Rennen fünf Stürze in der Statistik – zwei davon im Rennen (Estoril, Barcelona).

Bradl fast unschlagbar

Warum stimmte die Leistung bisher bloss in zwei von fünf Rennen? Weil die Kombination Stefan Bradl/Kalex fast unschlagbar ist.

Mit dem deutschen Hightech-Bike hat Bradl bei allen fünf bisherigen GP die Trainingsbestzeit und in den Rennen nacheinander die Ränge 1, 5, 1, 3 und 1 herausgefahren. Die Kritik hinterher ist unfair – aber Fakt ist: Im Sommer 2009 hatte Tom Lüthis Manager Daniel M. Epp die Chance, bei Kalex einzusteigen. Er entschied sich für das japanische Fabrikat Moriwaki und im letzten Herbst zu einem Wechsel auf das Schweizer Bike von Eskil Suter.

Probleme in den ersten Runden

Nun zeigt sich: 2011 ist Kalex die beste Maschine. Bradl dominiert die WM und Randy Krummenacher holte auf der Kalex am Sonntag in Barcelona den sensationellen 5. Platz. Kalex konzentriert sich auf vier Piloten (Aleix Espargaro, Bradl, Krummenacher, Pons). Suter beliefert 13 Fahrer. Die Betreuung der einzelnen Fahrer kann bei Suter nicht gleich gut sein wie bei Kalex.

Die beiden Stürze in Estoril und in Barcelona dürften auch technische Ursachen haben: Alle Moto2-Fahrer rücken auf gleichen Reifen (Dunlop) und mit gleichen Motoren (Honda) aus. Die Differenz macht das frei wählbare Fahrwerk. Die Suter-Bikes sind bei vollem Tankinhalt (also in der ersten Rennphase) schwieriger zu fahren. Lüthi ist in Estoril in der 4. und in Barcelona in der 6. Runde gestürzt. Er ist ein hochtalentierter, sensibler Stilist. Kein Haudegen. Bei ihm haben technische Details oft stärkere Auswirkungen als bei seinen Konkurrenten. Nach dem GP von Katalonien hat Lüthi gegenüber 20 Minuten Online angedeutet, dass nun im Hinblick auf den GP von England am nächsten Wochenende an der Geometrie der Maschine etwas verändert werden muss. Solche Veränderungen sind heikel wie Operationen am offenen Herzen.

Die Siege fehlen

Mit dem Sturz in Barcelona hat sich das Layout der Saison 2011 für Lüthi von Grund auf verändert. GP-Siege sind neben WM-Titel die härteste Währung in diesem Geschäft. Es geht für ihn nun darum, endlich wieder ein Siegfahrer zu werden: Den letzten GP hat er 2006 in Le Mans noch in der 125er-Klasse gewonnen. In 47 250er- und bisher 22 Moto2-GP hat er zwar 9 Podestplätze, aber keinen Sieg herausgefahren.

Es ist beschlossen und verkündet: 2012, 2013 und 2014 will Tom Lüthi in der «Königsklasse» MotoGP mitmischen. Weil nach wie vor offen ist, in welchem Team und auf welcher Maschine (oder gar Werksmaschine) geht es für den besten Schweizer Fahrer der Gegenwart in den restlichen 12 Rennen dieser Saison darum, Werbung in eigener Sache zu machen. Wenn es um die besten MotoGP-Plätze 2012 geht, kommen zuerst der Moto2-Weltmeister 2011, anschliessend die Moto2-GP-Sieger und erst dann die Podest- und Punktefahrer aus der zweitwichtigsten WM zum Zuge.

Ersatzangebot für MotoGP abgelehnt

Dass Lüthis Marktwert unvermindert hoch ist, zeigte sich beim GP von Katalonien in Barcelona. Hervé Poncharal, Manager und Besitzer des französischen Yamaha-Teams Tech3, erkundigte sich bei Lüthis Manager Daniel M. Epp, ob der Schweizer bereit sei, allenfalls Yamaha-Werksfahrer Colin Edwards beim nächsten GP in Silverstone zu ersetzen. Der Amerikaner hat bei einem Trainingssturz in Barcelona das Schlüsselbein gebrochen. Epp bestätigt gegenüber20 Minuten Online diese Information. «Ja, es stimmt, Poncharal hat uns angefragt, ob Tom Lüthi im Falle eines Falles in Silverstone die Werksyamaha fahren könnte. Wir haben abgelehnt: Ein überstürzter Einsatz auf einer MotoGP-Maschine bringt nichts.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Speed am 06.06.2011 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Lüthi?

    Dieser Lüthi wird massiv überbewertet..

    einklappen einklappen
  • Stotzu am 06.06.2011 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten...

    Es ist noch nicht mal ein Drittel der Rennen gefahren worden und schon sagt man der Titel sei weg? Lüthi befindet sich mit einem grossen Pulk auf der Verfolgung von Bradl. Bradl muss nur auch ein paar Rennausfälle haben und schon sieht es ganz anders aus. Ich glaube kaum, dass Bradl die restlichen 13 Rennen gewinnt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • John Speed am 06.06.2011 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Lüthi?

    Dieser Lüthi wird massiv überbewertet..

    • fredy Kaufmann am 06.06.2011 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      Lüthi überbewertet??Was soll das?

      dann verstehst Du nichts von diesem Sport.machs doch besser.alle haben hoch und tiefs.

    einklappen einklappen
  • Stotzu am 06.06.2011 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten...

    Es ist noch nicht mal ein Drittel der Rennen gefahren worden und schon sagt man der Titel sei weg? Lüthi befindet sich mit einem grossen Pulk auf der Verfolgung von Bradl. Bradl muss nur auch ein paar Rennausfälle haben und schon sieht es ganz anders aus. Ich glaube kaum, dass Bradl die restlichen 13 Rennen gewinnt.

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