Formel-1-Überraschung

14. Mai 2012 09:26; Akt: 14.05.2012 11:27 Print

Der GP-Sieger aus dem Nichts

von Reto Fehr - Pastor Maldonado katapultiert sich mit dem Barcelona-Sieg in die Schlagzeilen. Möglich macht dies das Geld eines Sponsors. Der Venezolaner erlebte aber auch schon schwarze Stunden.

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Pastor Maldonado bei seinem ersten GP-Sieg.

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Pastor Maldonado war in der Formel 1 bisher für viele ein Unbekannter. 24 Rennen hat er erst absolviert. Bis zum GP von Spanien war sein mit Abstand bestes Resultat Rang 8 (GP von China 2012). Doch jetzt, durch die Pole Position und den ersten Formel-1-Sieg seiner Karriere, katapultiert er sich ins Scheinwerferlicht. Wer ist dieser Venezolaner eigentlich?

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Lange Jahre verdingte sich Maldonado im Kartsport. 2003 zog er aus seiner südamerikanischen Heimat nach Italien, um im Formelsport Fuss zu fassen. Dies klappte ziemlich gut: Dank seinen Leistungen in der Formel Renault erhielt Maldonado 2004 Testfahrten im Minardi. Das Formel-1-Team wollte den Mann aus Venezuela auch verpflichten, doch sehr zum Ärger der Verantwortlichen wurde dieser ins Förderprogramm von Renault aufgenommen und schlug das Angebot aus.

Streckenposten schwer verletzt

Der Tiefpunkt folgte ein Jahr später. Beim Rennen in Monaco – einer seiner Lieblingsstrecken – raste er an einer Unfallstelle trotz Warnflaggen ohne zu bremsen durch die Kurven und verletzte dabei einen Streckenposten schwer. Die Folge: Eine Sperre für die nächsten vier Rennen.

Der Sprung in die Formel 1 gelang dem Stadtkurs-Spezialisten erst mit 26 Jahren zum Start der letzten Saison, nachdem er in der vierten Saison (endlich) erstmals die GP2-Meisterschaft gewinnen konnte. Maldonado erbte bei Williams das Cockpit von Nico Hülkenberg. Der Wechsel erfolgte allerdings nicht ohne Nebengeräusche. «Pastorcitos» Einstieg in die Königsklasse machte nur die enorme finanzielle Unterstützung von grösstenteils staatlichen Firmen Venezuelas möglich. Der Erdölkonzern PDVSA bezahlt dabei zwischen 130 und 180 Millionen Euro für einen Fünfjahresvertrag.

Fehlende Konstanz und viele Ausfälle

Maldonado bewies sein Können in der Folge auf bescheidenem Niveau. Nur einmal erreichte der heissblütige und inkonstante Fahrer in seiner Premierensaison die Top 10. Aber er konnte Routinier Rubens Barrichello hart fordern und verlor das Stallduell nur 9:10 (Qualifyings) und 1:5 nach Punkten im Rennen.

Zu schaffen machen dem Südamerikaner neben seinem schlechten technischen Verständnis auch die Ausfälle. Eine Quote von 29 Prozent bedeutet, dass er in jedem dritten Rennen das Ziel nicht erreicht. Das war auch in dieser Saison schon dreimal der Fall (trotzdem wurde er zweimal noch gewertet, weil er erst in der Schlussrunde ausschied). Den Coup in Barcelona hätte niemand erwarten können. Maldonado selbst schon gar nicht: «Das ist ein wundervoller Tag. Nicht nur für mich und mein Team, sondern auch für ganz Venezuela.»

Jetzt gehts zur Lieblingsstrecke

Wie schon erwähnt, gehört Monaco zu den absoluten Lieblingsstrecken des Venezolaners. Ins Fürstentum verschiebt der Formel-1-Tross jetzt zum nächsten Rennen (27. Mai). Schon 2011 liess der 27-Jährige aufhorchen, als er bis zu einer Kollision in der Schlussphase mit Lewis Hamilton in der Führungsrunde auf Punktekurs war. Damals schied er aus und wurde als 18. gewertet. Maldonado gehört jetzt nicht zu den Favoriten auf den Sieg in Monaco, aber ein Auge muss man auf ihn werfen. Er selbst stapelt allerdings tief: «Das ist eine tolle Möglichkeit für uns, wieder stark zu fahren. Ich freue mich auf das Rennen und werde wieder mein Bestes geben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomy am 14.05.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch schön.

    Weltmeister wird am Schluss, wer ein gutes Auto, einen guter Fahrer, Glück bei Unfällen, Wetter etc. hat, mit den Reifen umgehen kann und auch Geld. Wer am konstantesten mit all den Parametern umgehen kann, der wird Weltmeister. Schumi hat auch Geld wie Heu. Gebracht hats ihm noch nichts. Also geniessen wir, dass jedes Rennen anders ist. Viel spannender als letztes Jahr und zu Schumis Zeiten.

  • mike schmid am 14.05.2012 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Denkt ihr wirklich alle Deutschen Fahrer sind hier wegen ihrem Können neh neh die meisten sind hier weil es in Deutschland sehr viele Sponsoren im Motorsport gibt!!!

  • MotoGP am 14.05.2012 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Maldonado

    Ich habe im letzten Jahr auch an ihm gezweifelt. Aber gestern ist er fantastisch gefahren. Grosser Respekt. Wenn man Fernando Alonso gross im Rückspiegel hat, dann ist man gefordert. Ich hoffe das Team kann auch in Monaco wieder überzeugen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mike schmid am 14.05.2012 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Denkt ihr wirklich alle Deutschen Fahrer sind hier wegen ihrem Können neh neh die meisten sind hier weil es in Deutschland sehr viele Sponsoren im Motorsport gibt!!!

  • Martha Keller am 14.05.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Da der staatliche Erdölkonzern Venezuelas auf der Embargoliste der USA steht, dürfte Williams als Geldempfänger eines Embargolandes eigentlich am USA Grand-Prix gar nicht teilnehmen. Ging wohl irgendwie vergessen. Geld regiert die Welt.

  • Frage ans Reglement am 14.05.2012 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    schnellste Runde für Maldonado unter Gel

    Ca. in Runde 27 hat Maldonado seine persönlich schnellste Runde gefahren. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber in einem Streckenabschnitt gelbe Flaggen. Meine Frage nun : Hätte das nicht eine 'drive thru Strafe' geben müssen ?

    • Der Meister am 14.05.2012 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      nicht unbedingt

      Nur wenn er in dem Sektor in der die gelbe Flagge war eine schnellste Sektor Zeit hingelegt hat. Wenn er in diesem Sektor vom Gas ging, und dafür in den anderen beiden Sektoren schneller war ist das egal.

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  • Thomy am 14.05.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch schön.

    Weltmeister wird am Schluss, wer ein gutes Auto, einen guter Fahrer, Glück bei Unfällen, Wetter etc. hat, mit den Reifen umgehen kann und auch Geld. Wer am konstantesten mit all den Parametern umgehen kann, der wird Weltmeister. Schumi hat auch Geld wie Heu. Gebracht hats ihm noch nichts. Also geniessen wir, dass jedes Rennen anders ist. Viel spannender als letztes Jahr und zu Schumis Zeiten.

  • R.merz am 14.05.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Geld gewinnt!

    Geld hat gewonnen! Langweiliger geht es nicht mehr. Alle die gleiche Kiste, 100 Meter Spurt in die Kiste, Räder selber wechseln, ohne Tanken und maximum 3 Helfer. Das waeren Vorgaben um es etwas interessanter zu machen.

    • mathieu siegrist am 14.05.2012 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      gute entwicklung

      dabei haben sie sicher seit langer zeit kein rennen mehr gesehen - so spannend und abwechslungsreich wie in dieser saison war die formel1 seit jahren nicht mehr. mit ihren vorschlägen können sie ja mal ein seifenkistenrennen organisieren, mal sehen wie viele das interessieren würde.

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