Saisonstart

24. März 2011 15:08; Akt: 30.03.2011 11:44 Print

Der grosse F1-Formtest – die Topteams

von Christian Eichenberger - Quietschende Reifen, dröhnende Motoren – in der Formel 1 gilt es wieder ernst. Lesen Sie im ersten Teil des Form-Checks, wo die Top-Teams stehen.

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Knapp vor dem Saisonauftakt in Australien herrscht in der Formel 1 nach wie vor grosses Rätselraten, wer wo steht. Die Universalantwort lautet: In Australien wissen wir mehr. Dennoch wagen wir uns an ein Ranking – gestützt auf Einschätzungen von Force-India-Testpilot Nico Hülkenberg, der bei den Barcelona-Tests vor zwei Wochen das Fahrverhalten der Autos exklusiv für uns studierte.

Zwar ist Nico Hülkenberg kein Hellseher. Er ist auch kein gelernter Aerodynamiker, der auf einen Blick gute von sehr guten Ideen unterscheiden kann. Aber die Erfahrung und ein geschultes Auge erlauben dem Deutschen, dass er anhand von Kurvenstudien einschätzen kann, wer in etwa wo steht. «Allerdings», wirft Hülkenberg ein, «sind solche Einschätzungen mit Vorsicht zu geniessen. Es gibt so viele unterschiedliche Parameter, dass sichere Rückschlüsse nicht möglich sind.» Landsmann Nick Heidfeld, der ebenfalls seine Tipps abgibt, pflichtet bei. Der Renault-Ersatzpilot geht sogar einen Schritt weiter und behauptet: «Ich bin noch nie mit einer so grossen Ungewissheit in eine neue Saison gestartet.

Das Top-Team schlechthin

«In Jerez hätte ich Ferrari noch auf Platz 1 getippt», holt Hülkenberg aus, «davon bin ich nicht mehr überzeugt. Red Bull machte mir in Barcelona einen zu starken Eindruck. Vettel war in Kurve 3 so früh am Gas wie kein anderer. Auch bei den Richtungswechseln kommt keiner an den RB7 heran. Das Auto liegt fantastisch.»

Hülkenberg ist der Meinung, dass Technikgenie Adrian Newey im Heckbereich die beste Arbeit geleistet hat. Dank dem Zugstrebenprinzip an der Hinterachse und den extrem eingezogenen Seitenkästen ist der Diffusor beim RB7 praktisch freigelegt. Das ermöglicht Arbeitsbedingungen, wie sie kein anderes Team vorfindet. Hülkenberg: «Kein Team holt so viel aus dem gekappten Diffusor heraus wie Red Bull.»

Auch Heidfeld muss neidlos anerkennen, dass Red Bull – zumindest beim Saisonstart – einen klaren Vorteil hat. «Die haben noch längst nicht alles ausgepackt», ist der Mönchengladbacher überzeugt.

Was für die Gegner besonders beängstigend ist: Der sonst für eher anfällige Konstruktionen bekannte Newey hat mit dem RB7 ein Fahrzeug auf die Beine gestellt, das äusserst zuverlässig ist. Red Bull hat in 15 Tagen 6129 Kilometer abgespult – so viel wie noch nie bei Wintertests. Beide Fahrer scheinen auf Kommando schnelle Rundenzeiten fahren zu können, soweit die Reifen das zulassen. Auch die Lockerheit von Mark Webber beim offiziellen Pressetermin war nicht gespielt. Red Bull geht als Favorit in die neue Saison.

Der direkte Verfolger

Den Schönheitspreis gewinnt Ferrari nicht. Doch das ist auch nicht nötig. Die Roten sind mit 6981 km Testweltmeister und haben fast doppelt so viele Kilometer mit dem neuen Auto abgespult wie McLaren. «Das ist ein Riesen-Vorteil», urteilt Hülkenberg. «Kein Team hat mit KERS und den neuen Pirelli-Reifen so viel Erfahrung gesammelt wie Ferrari. Das heisst: Sie verstehen ihr Auto am besten und können nun sukzessive Updates bringen.» Die vorerst letzte Ausbaustufe kam in Barcelona in Form eines neuen Auspuffsystems, bei dem die Endrohre vor den Hinterrädern ins Freie treten und die heissen Abgase innen an den Rädern vorbei auf den Diffusor geblasen werden. Ferraris Taktik, mit einem konservativen Basismodell zu starten, Daten zu sammeln und erst dann anzugreifen, scheint aufzugehen, «auch wenn das Auto unspektakulär wirkt», sagt Hülkenberg. Teams wie McLaren oder Force India hatten eine andere Strategie verfolgt. Sie setzten beim ersten Test in Valencia noch auf das Vorjahresmodell. In der Hoffnung, man könne das Verhalten der Pirelli-Reifen dadurch besser verstehen. Dieser Schuss scheint nach hinten losgegangen zu sein.

Eigentlich stört am neuen Ferrari nur etwas: die Modell-Bezeichnung. Nach F150 und F150th Italia hört die rote Göttin nun auf den Namen 150° Italia.

Der Kampf um Platz 3

Hinter Red Bull und Ferrari sieht Hülkenberg einen Zweikampf zwischen Renault und McLaren – mit leichten Vorteilen für die Franzosen, die hinter Mercedes über das Auto mit dem zweitkürzesten Radstand verfügen. «Was ich von Renault gesehen habe, hat mich positiv überrascht», sagt Hülkenberg. «Das Auto macht einen gut ausbalancierten Eindruck. Ich habe Petrov sieben Runden am Stück beobachtet. Das hat zügig ausgeschaut und – noch wichtiger – sehr reifenschonend.»

Renault gilt als «Erfinder» des nach vorne verlegten Auspuffs. Dieser kann durch den Wegfall des Doppeldiffusors das Zünglein an der Waage spielen. Trotz Problemen bei der Zuverlässigkeit verfügt Schwarz-Gold über den grössten Erfahrungsschatz beim Auspuff. Auch für das Renault-KERS findet Heidfeld lobende Worte. «Auf der Bremse ist es viel besser als jenes, das wir 2009 bei BMW hatten.»

Anders McLaren. Die glitzernde Wundertüte ist auch für Hülkenberg schwer einzuschätzen. «In Jerez hatte ich einen guten Eindruck vom MP4/26. Hier habe ich ihn leider nur herumrollen sehen. Eins steht aber fest: Das Auto hat Potenzial.» Die Frage, die sich stellt: Wie schnell kann McLaren dieses Potenzial nutzen? Kein anderes Team hat bei den Tests mit so vielen verschiedenen Auspuffführungen und Diffusoren experimentiert wie die Briten. Dabei ging viel Zeit für Umbauarbeiten verloren, und es entstand bisweilen der Eindruck, als habe man das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten nicht immer verstanden.

Am Aufwand, den McLaren bei den Testfahrten betrieben hat, kann es nicht liegen, sollte man in Melbourne der Konkurrenz hinterherfahren. Nach aufwändig montierten Messkonstruktionen in Jerez rückten die Chrompfeile in Barcelona mit einer Knubbelnase aus. Darunter versteckte sich ein Messgerät. Dieses war mittels Streben mit dem Frontflügel verwachsen. McLaren testete so die Biegsamkeit des Frontflügels. Mit nur 3601 zurückgelegten Kilometern (im neuen Auto!) bewegen sich die Silberpfeile aber auf dünnem Eis. Button und Hamilton haben in Barcelona Rennsimulationen abbrechen müssen.

(Christian Eichenberger, Motorsport aktuell)

Lesen Sie den zweiten Teil des Form-Checks am Freitag auf 20 Minuten Online.

Animation der Strecke zum GP von Australien
(Video: Allianz)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • schumi fan am 24.03.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    und die legende?

    was is mit schumi??

    einklappen einklappen
  • Django am 24.03.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Red Bull

    So soll es sein... wir haben genug von Schumi und Co. Das wird wieder ein spannendes jahr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Django am 24.03.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Red Bull

    So soll es sein... wir haben genug von Schumi und Co. Das wird wieder ein spannendes jahr.

  • schumi fan am 24.03.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    und die legende?

    was is mit schumi??

    • juergforrer am 24.03.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      und die legende?

      schumi fährt auch und gewinnt.... wenn kein anderer schneller ist ;-)

    • jon jon am 24.03.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

      schumi hat ausgedient

      seriously, rosberg wird auch dieses jahr wieder besser fahren. sollte er jetzt langsam einsehen.

    • Ferrari am 24.03.2011 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ferrari und Sauber

      Schumi war eine Legende, nun fahrt er für Mist_Cedes ;-)

    • R B Renault am 24.03.2011 19:25 Report Diesen Beitrag melden

      Schumi wer?

      meinst Du Schumi die Schummel-Legende? Dem fahren mitlerweile fast alle anderen um die Ohren.

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