Ära von Peter Sauber

01. Februar 2019 15:20; Akt: 01.02.2019 15:25 Print

Eine Zeit voller Erfolge und Turbulenzen

Das Schweizer Team startet neu als «Alfa Romeo Racing». Zeit für einen Blick zurück auf die Ära Peter Sauber.

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Der Name «Sauber» verschwindet aus der Formel 1 und somit auch von den Boliden. Damit geht eine lange Ära zu Ende, die von Erfolgen und Turbulenzen geprägt war. Ein Blick zurück: Damit begann alles: Peter Sauber 1968 am Steuer eines VW-Hegglin 1584 ccm auf der Rennstrecke in Falländen. Der gelernte Elektromonteur ist ein Autonarr: Sauber in Les Rangiers am Steuer eines kleinen Rennwagens Marke Eigenbau. Erfolgreicher als der Fahrer Peter Sauber ist der Konstrukteur und Rennstallchef. In der Sportwagen-WM Ende der 1980er Jahre feiert das Sauber-Team zahlreiche Siege. In dieser Zeit beginnt auch die Zusammenarbeit mit Mercedes. Der Sauber C4, ein Vorläufer der Formel-1-Boliden. Start frei zur Formel 1: Karl Wendlinger, Sauber und J. J. Lehto 1993 beim Fototermin. Gleich am ersten Grand Prix in Südafrika punktet Lehto. Der Einstieg von Petronas 1996 sichert die Zukunft der Schweizer: Das Formel-1-Team zu Besuch beim langjährigen Sponsor. Im Hintergrund der Hauptsitz des Erdölgiganten, die Petronas Towers in Kuala Lumpur. Sauber jubelt Johnny Herbert bei der Zieldurchfahrt am GP von Barcelona von 1997 zu. Der Brite belegte den guten fünften Platz. In Stans: Sauber, zweiter von rechts, mit den Piloten Kimi Räikkönen, links und Nick Heidfeld, rechts, und dem Pilatus-Werks-Chef Oscar J. Schwenk. Im Hintergrund der im Sauber-Design gehaltene Pilatus PC-12, welcher dem Team ab sofort zur Verfügung steht. 2003 präsentiert Sauber den neuen Windkanal in Hinwil. Ende des Alleingangs: BMW-Sportdirektor Mario Theissen, links, und Peter Sauber rechts bei der Pressekonfernez zur Übernahme von Sauber im Jahre 2005. Mit BMW schafft Sauber den grössten Erfolg: Robert Kubica (links) gewinnt den GP von Kanada 2008 vor Teamkollege Heidfeld. Es bleibt der einzige Sieg. Die Geschichte der Hinwiler weist auch Tragödien auf: 1994 verunfallt Karl Wendlinger am Grand Prix von Monaco schwer. Der Österreicher liegt mit Hirnverletzungen 19 Tage im künstlichen Koma. In Erinnerung bleibt auch dieser Unfall eines Sauber-BMW: 2007 rasselt Kubica in Kanada ungebremst in die Streckenbegrenzung und verletzt sich schwer. Andere Kollisionen sind zwar spektakulär, gehen aber glimpflich aus. In Indianapolis 2006 erwischte es Nick Heidfeld. Fahrer, die den Rennstall prägten: Mit Jean Alesi unterschreibt ein Grosser der Szene bei Sauber. Das Bild aus dem Jahr 1998 zeigt den Franzosen mit dem Teamchef in Hockenheim. Auch Felipe Massa (links) und Giancarlo Fisichella lenkten einst einen Sauber über die Rundkurse dieser Welt (hier der C23, 2004). Heinz-Harald Frentzen fuhr im Sauber-Team zwischen 1994 und 1996 sowie 2002/2003. Der Deutsche war der erfolgreichste Pilot der Vor-BMW-Ära: In 62 Rennen holte er 42 Punkte. Heidfeld, aktueller Sauber-BMW-Fahrer, sass bereits zwischen 2001 und 2003 im Cockpit der Schweizer – und erhielt mitunter prominenten Besuch. In diesem Fall von Basketball-Star Shaquille O'Neal. Weniger positiv fiel Jacques Villeneuve auf: Der Lebemann aus Kanada wurde zum Opfer der Fusion mit BMW. Villeneuve galt nach einer verpfuschten Saison 2006 als Altlast. Ein trauriger Moment: Das BMW-Sauber-Team posiert zum letzten Mal beim WM-Lauf von Abu Dhabi vom 1. November 2009. Die Rettung durch den Patron: Peter Sauber informiert, dass BMW den Verkauf der Aktien an den Zürcher Unternehmer zugestimmt hat. Schliesslich gab auch noch die Fia ihren Segen, dass Sauber an der WM 2010 starten durfte. Präsentation in Valencia Ende Januar 2010 (v. l.): Der chef wird von den Piloten Pedro de la Rosa (Sp) und Kamui Kobayashi (Jap) umrahmt. Managerin Monisha Kaltenborn und der ehemalige Technikchef Willy Rampf vervollständigen das Bild. Die neue Formel-1-Saison verlief zunächst gar nicht optimal für den Hinwiler Rennstall. Nach vielen erfolgreichen Modellen ein Fehlschlag; das Auto erwies sich das Auto für die Saison 2010 als nicht konkurrenzfähig. Der Wagen wurde noch zu BMW-Zeiten entwickelt, Getriebe und Motor stammten aber von Ferrari. 2011 kam Sergio Perez und mit ihm mexikanische Sponsoren. Der junge Mittelamerikaner begeisterte die Szene, gemeinsam mit Kamui Kobayashi fuhr er immer wieder in die Punkteränge. Zumindest zu Beginn der Saison. Danach schien die Konkurrenzfähigkeit des Autos nachzulassen, Sauber rutschte auf Platz sieben der Konstrukteure-Wertung zurück. Monisha Kaltenborn und Peter Sauber posieren vor der Saison, die die erfolgreichste wird seit der neuerlichen Übernahme 2010. Das Highlight: der Mexikaner Perez holte im zweiten Saisonrennen in Malaysia den zweiten Platz hinter Fernando Alonso. Neben der Strecke aber begann es zu rumoren. Sauber verlor seinen technischen Direktor und Peter Sauber zog sich langsam zurück. Er übertrug einen Drittel der Teamanteile an Kaltenborn. Diese übernahm im Oktober 2012 das operative Geschäft der Teamleitung. Doch auch sie blickte ungemütlichen Zeiten entgegen. Während der Saison 2013 geriet das Team in finanzielle Schwierigkeiten, Lieferanten konnten nicht mehr bezahlt werden, es häuften sich die Schuldenberge und gab Zwangsvollstreckungen. Kaltenborn gab bekannt, dass drei russische Sponsoren einsteigen würden. Sportlich lief es verhältnismässig gut. Nico Hülkenberg fuhr in Korea auf Platz 4 und das Team stabilisierte sich im Mittelfeld. Später ging es aber auch sportlich bergab. Die Saison 2014 war die erste, in der Sauber keinen einzigen Punkt holte. Und wirtschaftlich? Nun, das mit den russischen Sponsoren klappte nicht so richtig, Kaltenborn führte die Probleme auf die Krise in der Ukraine zurück. Und sie bemängelte die Geldverteilung in der Königsklasse, gemeinsam mit den Teams Lotus und Force India soll Sauber gar einen Boykott des Rennens in Texas in Erwägung gezogen haben. Rettung kam aus Schweden und vor allem Brasilien. Marcus Ericsson und Felipe Nasr brachten gewichtige Sponsoren zum Team, das Auto wurde in den Farben der Banco do Brasil lackiert. Ungemach drohte von einem anderen Fahrer: Giedo van der Garde behauptete, einen gültigen Vertrag mit Sauber zu besitzen. Der Zwist endete damit, dass das Team dem Fahrer eine Ausgleichszahlung in der Höhe von 15 Millionen Euro zahlen musste. In den folgenden Saisons litt Sauber unter anderem unter diesen Zahlungen. Die Saisonvorbereitung 2016 wurden dabei gestört, das Team bestritt nur eine statt zwei Testwochen und liess Testfahrten in Barcelona aus. Zudem geriet Sauber in Verzug was Lohnzahlungen der Mitarbeiter anging. Sinnbild: Während dem GP von Monaco krachten beide Sauber-Piloten ineinander. Das Team wurde Zehnter in der Konstrukteuren-WM. Ericsson blieb bei Sauber, Nasr nicht. Pacal Wehrlein kam und auch in der Führungsetage gab es Änderungen: Monisha Kaltenborn trat im Juni 2017 ab, einen Monat später übernahm der Franzose Frédéric Vasseur den Posten des Teamchefs. Im November wurde bekanntgegeben, dass man eine Partnerschaft mit Alfa Romeo eingehe. Eine kleine Erfolgsmeldung in turbulenten Jahren: Charles Leclerc. Der Monegasse begeisterte die Königsklasse in der Saison 2018 und fuhr seinem Teamkollegen Ericsson um die Ohren. In Aserbaidschan wurde er Sechster, zum Abschluss der Saison dreimal in Folge Siebter und wechselte danach zu Ferrari. Und zum Schluss noch etwas Romantik. Nach 18 Jahren kehrt Kimi Räikkönen für die Saison 2019 zurück zu Sauber. Der 39-jährige Finne startete seine Karriere einst beim Team aus Hinwil, das neu nur noch Alfa Romeo Racing heisst.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Edelweiss am 01.02.2019 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz ist Geschichte...

    3 x Italien, 0 x Schweiz... so sieht es neu aus. Danke Sauber für viele tolle Jahre... Ich werde Sauber sicherlich vermissen...

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  • Marc B. am 01.02.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade, damit verschwindet ein Stück Schweizer Motorsport Geschichte.

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  • hugi am 01.02.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schade!

    Schade.Muss das sein ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • max vontobel am 14.02.2019 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Peter Sauber" gehört aufs Auto

    Für seine Verdienste in Hinwil und in der F1 wäre es nichts als anständig, wenn auf dem Fahrzeug in einem passenden Schrifttyp "Peter Sauber" stehen würde. Alles andere ist im höchsten Masse unwürdig!

  • Edelweiss am 13.02.2019 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten ändern sich...

    einst fuhr McLaren Mercedes, die haben sich getrennt, Jaguar, Jordan, Benetton, Minardi, Arrows, BAR Honda, BMW, Toyota etc. es gab soooo viele verschiedene. Die kommen und gehen wieder, das ist so im Leben. Behaltet den Namen Sauber in guter Erinnerung mit vielen tollen Jahren mit Peter Sauber und lasst Alfa Romeo Racing eine Chance in Sauber's Fussstapfen zu tretten. Mir wäre Sauber Romeo ^^ auch lieber gewesen. Dennoch sind die Alfa Romeo Leute grösstenteils die selben wie bei Sauber.

  • nati am 02.02.2019 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kimi

    P. Sauber hat Kimi in die F1 geholt...hoffe das Kimi, Sauber in der F1 nicht vergisst

    • Edelweiss am 25.02.2019 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nati

      Kimi hat nicht vor aufzuhören ^^ und ich hoffe das bleibt lange so wenige Kommentare aber die Besten! Kimi ist einfach cool...

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  • Fritz am 02.02.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übervater Peter Sauber

    Her sauber kommt mir vor wie ein Übervater des schweizerischem Rennsports. Er wird in unseren Herzen weiterleben da bin ich mir sicher.

  • Peter Sauber am 02.02.2019 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    kein Verschwinden des Namens

    Der Name "Sauber" verschwindet nicht, auch wenn das die Überschrift behauptet ;-)

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