Neue Regeln

28. März 2011 15:08; Akt: 28.03.2011 15:13 Print

Es darf wieder überholt werden

Mit neuen Reifen, verstellbaren Heckflügeln und Kers wollte die Fia den Zuschauern attraktivere Formel-1-Rennen bieten. Ist das gelungen? Ein Fazit nach dem ersten Rennen.

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Ab der Saison 2011 sind die Fahrer wieder auf Pirellis unterwegs. Der italienische Reifenhersteller löst nach 13 Jahren Bridgestone ab. An jedem Grand Prix werden eine weichere und eine härtere Reifenmischung angeboten. Im Rennen muss jeder Pilot beide zur Verfügung stehenden Trockenreifentypen verwenden, es sei denn, die Fahrer sind mit Regenreifen unterwegs. Mit dem verstellbaren Heckflügel soll es wieder mehr Überholmanöver geben. Sind zwei Autos weniger als eine Sekunde auseinander, kann ein Fahrer diesen um 50 Millimeter anheben oder senken und damit den Luftwiderstand ändern. Der verstellbare Heckflügel darf im Training und Qualifying uneingeschränkt benutzt werden. In den ersten zwei Runden eines Rennens und nach einer Safety-Car-Phase ist der Einsatz jedoch verboten. Nicht mehr zugelassen sind der Doppeldiffusor und der F-Schacht. Auch das Energie-Rückgewinnungs-System KERS soll für mehr Action sorgen. Die während der Fahrt angefallene Bremsenergie speichert sich in Batterien oder mechanischen Lagern. Pro Runde kann der Fahrer während 6,7 Sekunden auf zusätzliche 82 PS zurückgreifen, die ihm mehr Schub verleihen. Wegen KERS wurde das zulässige Mindestgewicht der Autos um 20 auf 640 kg erhöht. Die verschiedenen Teams mussten auf die neue Saison Kosten sparen. Die Getriebe müssen neu fünf Rennen halten. Bisher waren es vier. Muss ein Getriebe unplanmässig gewechselt werden, bleibt dies beim ersten Mal unbestraft. Bei jedem weiteren Vergehen wird der Fahrer mit seinem Auto in der Startaufstellung um fünf Plätze nach hinten versetzt. Nach neun Jahren müssen im ersten Qualifying wieder alle Fahrer Vollgas geben. Jene, die bei ihrer schnellsten Runde langsamer als 107 Prozent der allgemeinen Bestzeit sind, dürfen nicht am Rennen teilnehmen. Diese Regel wurde schon früher angewendet, seit 2002 war sie aber nicht mehr in Kraft. Das Verbot der Teamorder wurde aus dem Regelwerk gestrichen. Handlungen, die den Sport in Verruf bringen könnten, können aber weiterhin bestraft werden. Generell haben die Rennkomissäre mehr Möglichkeiten, Regelverstösse zu bestrafen. Neben den bisherigen Strafen wie Drive-Through-Penalty, Zeitstrafen oder Zurückversetzung im nächsten Rennen können die «Wächter» neu auch einen Ausschluss aus der Rennwertung oder ein Startverbot für das nächste Rennen erlassen.

Die Änderungen in der Formel 1 2011.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Internationale Automobilverband (Fia) liess sich für die Saison 2011 einiges einfallen, um den Zuschauern wieder emotionsgeladene Formel-1-Rennen zu bieten: Mehr Schub dank Kers und verstellbaren Heckflügeln, mehr Poker dank kurzlebigen Pirelli-Reifen und erweitertem Spielraum bei der Teamtaktik dank der Aufhebung der Stallorder. Nach dem ersten Rennen in Melbourne darf zu diesen Massnahmen ein erstes Fazit gezogen werden – ein durchaus positives.

Neue Pirelli-Reifen

Vor der Saison machten Fantasiezahlen die Runde: Drei, vier oder noch mehr Boxenstopps wären mit den neuen Pirelli-Reifen nötig. Und Tatsächlich. Ausser Sauber-Fahrer Sergio Perez kehrten alle gewerteten Fahrer mindestens zweimal in die Boxengasse ein. Welche Unterschiede neue Reifen gegenüber alten machen können, wurde in der 16. Runde herrlich veranschaulicht: Sebastian Vettel mit neuem Gummi leistete sich gegen Jenson Button auf verschlissenen Schlappen den Luxus, aussenrum zu überholen. Solche Aktionen will der Formel-1-Fan sehen.

Kers und verstellbare Heckflügel

25. Runde: Wegen Kers zieht Button an Kobayashi vorbei. Dank verstellbaren Heckflügeln (und neuen Reifen) lässt der Brite 23 Runden später auch Massa stehen. Dieser überholt kurz darauf den Schweizer Buemi – auch hier kam der kurzzeitig abgeflachte Heckspoiler zum Einsatz. Drei Überholmanöver, welche in der letzten Saison unter Umständen nicht möglich gewesen wären. Auch das gefällt dem Formel-1-Fan.

Aufhebung der Stallorder

Vor der Saison hatte Ferrari noch damit kokettiert, man werde sich erst im Verlaufe der Saison auf einen Nummer-1-Fahrer festlegen. Die Ereignisse in der 11. Runde lassen dazu Fragen offen: Button nahm beim Versuch, Massa zu Überholen den Notausgang, blieb aber vorn. Der Brite hätte aufgrund des inkorrekten Überholmanövers sich nun wieder hinter Massa einreihen müssen – doch dieser fuhr bereits hinter seinem Teamkollegen Alonso her und in der Folge in die Boxengasse. Damit wurde eine Drive-through-Strafe für den Weltmeister von 2009 unumgänglich. Nutzniesser war (wieder einmal) Fernando Alonso. Button äusserte sich nach dem Rennen gewohnt fair – er hätte das auch so gemacht. Auch wenn sich die Lager der Formel-1-Fans zu dieser Frage wohl spalten – solche taktischen Manöver sorgen für Emotionen – und genau die haben der Formel 1 in den letzten Jahren oftmals gefehlt. Jetzt muss sich die Fia nur noch etwas einfallen lassen, wie man Sebastian Vettel stoppen kann.

(tog)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nichtprofisportler am 28.03.2011 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Formel 1

    Mit einem Motörli Runden zu drehen=im Kreis fahren mag wohl ein gutbezahltes Business sein, mit Sport hat dies jedoch rein gar nichts zu tun, das ist schlicht pervers.

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  • Ürsu am 28.03.2011 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlich??

    Weg mit den Flügeln! Weg mit den elektronischen Hilfen. Dann zählt endlich auch wieder der Fahrer. Alles andere ist augenwischerei.

  • Christian Müller am 28.03.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Letzter Abschnitt 1/2

    Lieber Berichterstatter, hör doch mal auf mit Spekulationen! Der letzte Abschnitt « Aufhebung der Stallorder» ist meiner Ansicht nach voll daneben! Alsonso kam Button/Massa in Riesenschritten näher. Woher wollen Sie wissen, dass der anschliessende Überholvorgang durch eine Stallorder zustande gekommen war? Alonso hat dieses Wochenende erneut eindrücklich bewiesen, dass er um einiges schneller ist als Massa. Er hat ein absolut hervorragendes Rennen gezeigt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Raphael W. am 01.04.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die letzte Kurve!

    Es darf wieder überholt werden? Wenn der verstellbare Heckflügel zu solchen Überhol-"Manövern" führt, dann will ich diesen Flügel nicht haben. Denn durch den Flügel ist die komplette Aggressivität der Zweikämpfe verloren gegangen. keiner riskiert etwas um am Vordermann vorbei zu gehen, denn er weiss ja, dass er auf der Start/Zielgerade problemlos vorbeiziehen kann. Ich habe in Melbourne keine echten Zweikämpfe gesehen. Alle haben bloss daruaf geschaut, auf keinen Fall das Auto kaputt zu machen und in der letzten Kurve möglichst nah am Vordermann zu sein... Langeweile pur!

  • andy am 30.03.2011 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Die guten alten Zeiten

    Ich denke nur eins Formel1 vor 20 und mehr Jahren mit der Sicherheit von heute. Manuelle Schaltung, keine elektronischen Helfer und keine Spielereien wie KERS und Flügel so das ein Fahrer zeigen kann das er seinen Job versteht. Nicht wie die Fahrer von heute, denen noch die Kraft bleibt auf dem Podium herum zu hüpfen. Solche Fahrer wie Gilles Villeneuve, Mario Andretti oder Senna die braucht`s für eine tolle Saison.

  • Freddy F. am 28.03.2011 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    3 Worte die ALLES sagen

    -zu viel Technik- und das gilt nicht nur im motorsport

  • oberhallauer am 28.03.2011 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    oberhallau

    jo jo, lieber Bergrennen Oberhallau, zwei Tage Rennsport pur statt kreisli drehen

  • Tim Ogi am 28.03.2011 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    NASCAR

    Zu viel Technik, zu wenig Sport. Ein persönlicher Tipp: NASCAR. Alle, die jetzt denken "langweiliges Ovalrennen", schaut euch ein paar solcher Rennen an und ihr werdet eines Besseren belehrt. Dutzende Überholmanöver, viel mehr Taktik involviert, fahrerische Stärke zählt mehr als das Fahrzeug und Zeitlupenfinishs sind an der Tagesordnung! Das ist Motorsport. Übrigens mit H-Schaltung und ohne Servo. Echte Technik und nicht nur High-Tech-Schrott.

    • Peter Lemon am 28.03.2011 22:33 Report Diesen Beitrag melden

      Nascar

      Die werden ja nicht übertargen...

    • Tim Ogi am 30.03.2011 19:28 Report Diesen Beitrag melden

      Servus TV

      Kommt draufan. Kabel liefert nix, das stimmt, Digital TV hilft aus z.B. Servus TV. Das Internet gibts ja heutzutage auch noch ;-)

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