Verunglückte Nachwuchspiloten

03. November 2019 12:36; Akt: 03.11.2019 12:36 Print

Fast hätte sie ihre Passion das Leben gekostet

von René Hauri - Juan Manuel Correa und Billy Monger treffen sich im Spital. Der eine ist mit schwerer Beinverletzung auf dem Weg zurück, der andere fährt ohne Beine wieder Autorennen.

Juan Manuel Correa kracht im Formel-2-Rennen in Spa in das Auto von Anthoine Hubert - der Franzose erliegt kurze Zeit später seinen Verletzungen. (Video: Twitter)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie teilen die Leidenschaft für den Motorsport – und dessen Schattenseiten. Diese Woche teilten sie sich ein Spitalbett. Billy Monger und Juan Manuel Correa haben ein Bild veröffentlicht, das sie bei bester Laune zeigt, ihre Gesichter strahlen, während sie in leichter Rücklage auf der Matratze mit dem weissen Bezug hocken. Ein fröhliches Beisammensein unter gleichgesinnten 20-Jährigen. Es ist noch nicht lange her, da hätte ihnen ihre grosse Passion beinahe das Leben geraubt.

Umfrage
Schauen Sie sich die Formel 1 im TV an?

Aus Mongers kurzen Hosenbeinen ragen zwei Prothesen, das rechte Bein Correas steckt in einem Metallkonstrukt, das bis zum Knie hochgeht. Monger hat seine Unterschenkel bei einem fürchterlichen Unfall in der britischen Formel 4 im April 2017 gelassen. Er war im Donington Park gerade dabei, Gegner um Gegner hinter sich zu lassen, als ein stehender Wagen vor ihm auftauchte und es krachte. Er überlebte schwer verletzt. Die Beine waren nicht mehr zu retten.

Correas Extremität konnte in einer 17-stündigen Operation zusammegeflickt werden. «Letzter Tag im Spital für mich», steht über dem Bild der beiden geschrieben. Der Junior des Sauber-Teams flog zurück in die Heimat, am Freitag landete er in Miami, die Reha wird noch lange dauern. Zehn Monate, vielleicht ein Jahr wird der in Ecuador geborene US-Amerikaner dafür kämpfen, wieder normal laufen zu können. Zurzeit quält er sich noch mit einer Gehhilfe ab.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Kick some ass @alfaromeoracing #usgp 🇺🇸

Ein Beitrag geteilt von Juan Manuel Correa (@juanmanuelcorrea_) am

Correa knallt in Hubert – der Franzose stirbt

Correa hat bewegte Wochen und Monate hinter sich. Es war das Rennwochenende von Spa-Francorchamps, gerade hatten Charles Leclerc, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton nach dem Qualifying der Formel 1 über ihre Aussichten im Rennen geredet, als die Piloten der Formel 2 an diesem 31. August zu ihrem ersten Rennen starteten. In Runde 2, kurz nach der Hochgeschwindigkeitskurve Eau Rouge, knallt es heftig, Autoteile fliegen durch die Luft, die Ampel stellt auf rot, Rennabbruch, kein Neustart. Krankenwagen rasen die Piste hoch, Anthoine Hubert, 22-jähriger Franzose, schwebt in Lebensgefahr. Correas Auto hat dessen Boliden in Einzelteile zerlegt. Die Überlebenszelle bietet nicht genügend Schutz, um 18:35 Uhr wird Hubert für tot erklärt.

Es ist, was Correa neben den eigenen Gebrechen besonders belastet. Fünf Wochen später meldet er sich erstmals: «Ich habe es nie öffentlich gesagt, aber ich möchte der Familie Hubert öffentlich mein tiefstes Beileid aussprechen. Es war für alle ein Schock, dass ein solcher Unfall passiert ist. Du denkst nicht, dass so etwas wirklich passieren kann, schon gar nicht dir selbst. Bis es dann doch passiert.»

Correa war chancenlos in seinem Wagen, der bei über 200 km/h zum Geschoss wurde. Giuliano Alesi, Sohn des einstigen Formel-1-Fahrers Jean Alesi, war mit einem Reifenschaden von der Strecke geraten und dann zurückgeschlittert. Der Schweizer Ralph Boschung bremste ab, Hubert krachte in dessen Heck, der Frontflügel riss ab, er knallte rechts in die Pistenbegrenzung, schleuderte von dort zurück – Correa kam herangerast, die Teile flogen. Es waren Sekundenbruchteile. Sie werden ihn ein Leben lang begleiten.

Lungenversagen, Atemstillstand

«Die letzten paar Wochen waren extrem hart, körperlich und geistig», sagte Correa bei seiner ersten Wortmeldung aus London, wohin er gebracht worden war zur weiteren Untersuchung und Behandlung. Nach seiner Ankunft im Spital war ein akutes Lungenversagen diagnostiziert worden, er erlitt einen Atemstillstand, musste beatmet werden und wurde ins künstliche Koma versetzt. Erst Ende September konnte die 17-stündige Operation durchgeführt werden, für die sich Correa entschieden hatte, um eine Amputation des rechten Beines zu umgehen.

In den sozialen Medien schrieb er: «Das alles hat mein Leben verändert. Ich sehe Dinge jetzt mit anderen Augen und denke anders über das Leben. Es war eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat.» Ob er je derart gesunden wird, dass er wieder in ein Cockpit steigen kann, ist ungewiss.

Dass eine Weiterführung der Karriere selbst ohne Beine möglich sein kann, hat Billy Monger derweil längst bewiesen. Noch im Spitalbett trainierte er seinen linken Arm, um genügend Kraft für eine Handkupplung zu haben. Ein Jahr nach dem Unfall startete er in einem für ihn modifizierten Auto in der britischen Formel 3, bediente Schaltung und Kupplung mit der linken Hand, bremste mit einer seiner Prothesen. Im vergangenen Mai gewann er das Formel-3-Rennen auf der legendären Strecke von Pau.

Monger träumt und spricht von einer Zukunft in der Formel 1. So weit ist Correa noch nicht. Monger aber dürfte ihm mit seiner Geschichte reichlich Kraft gegeben haben für den langen Weg zurück.

Motorsport

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PT am 03.11.2019 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr stark

    Wow sehr tapfere Jungs! Alles Gute und gute und schnelle Besserung!

    einklappen einklappen
  • Rölu79 am 03.11.2019 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist möglich wenn man will!

    Man kann alles erreichen wenn man den Willen dazu hat!! Und vergangenes verarbeitet hat! Cool ich bewundere beide Piloten!! Macht weiter so...!

  • Nick82 am 03.11.2019 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Ernst?

    Sie mussten sich ein Bett teilen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rölu79 am 03.11.2019 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist möglich wenn man will!

    Man kann alles erreichen wenn man den Willen dazu hat!! Und vergangenes verarbeitet hat! Cool ich bewundere beide Piloten!! Macht weiter so...!

  • Nick82 am 03.11.2019 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Ernst?

    Sie mussten sich ein Bett teilen?

  • Sorry, Aber am 03.11.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pech gehabt...

    ... es gäbe sinnvollere Tätigkeiten als zum Spass oder zur Unterhaltung. Die Umwelt mit Abgase und Lärm zu verbraten. Es gibt Menschen die verlieren durch Kriege ihr Bein und niemanden interessiert es

    • NS951 am 03.11.2019 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sorry, Aber

      Ich finde das immer traurig so Kommentare zu lesen wie der von Ihnen. Ich bin selbst 20 Jahre alt jnd fahre schon mein leben lang Motocross, das auch ziemlich gut. Ich habe schon als Kind jede freie Minute und diese Sport investiert und so wie ich das ganze erleben durfte macht es mich zu dem Menschen der ich jetzt bin. Warum könnt IHR uns das nicht gönnen, kann nicht jeder spass haben an 0815 Sportarten. Der Lärm und die verschmutzung der Umwelt was IHR da alle labert ist doch bloss Humbuk weil (leider) sxhweizer eibfaxh elende Spiesse sind !!

    • B.H am 03.11.2019 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sorry, Aber

      Motorsport ist für die Entwicklung von effizienten Fahrzeugen unerlässlich. Systeme werden oft im Motorsport getestet und kommen später in Serienfahrzeuge.

    • Dito am 03.11.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sorry, Aber

      Dankeschön. Genau meine Meinung zu diesem Thema. Leider stehen wir damit ziemlich alleine da. Dennoch haben auch wir ein Recht auf diese Meinung.

    • Sorry am 03.11.2019 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @NS951

      Ja klar, und solltest du dann irgendwann im Rollstuhl landen. Die Allgemeinheit zahlt ja dann für dich.

    einklappen einklappen
  • Stirling am 03.11.2019 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pilot brauchts nicht im Auto

    Eigentlich könnte man die Piloten neben der Rennstrecke in Simulatoren setzen und so die Autos fernsteuern. Dann brauchte es nicht mehr all die Sicherheitsregeln und das Tempo müsste nicht mehr künstlich begrenzt werden.

    • Mat am 03.11.2019 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stirling

      Das ist eine gute Idee. Ich werde nie verstehen warum man sein Leben im Renngefährt aufs Spiel setzt. Völlig unnötige Tragödien.

    • Dalia am 03.11.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mat

      Dann darfst du aber auch nicht mehr aus dem Haus und selbst im Haus gefährdet man sein Leben, denn das Leben soll bekanntlich tödlich sein ;)

    einklappen einklappen
  • Laimigs am 03.11.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider nur die Spitze des Eisberges

    Wirklich schade um diese jungen Talente. Das Risiko fährt immer mit. Auch bei den Profis. Was ich aber weitaus verheerender finde sind die vielen Motorradfahrer und Hobby Piloten, welche durch ihre rücksichtslose & unökologische Fahrweise zehntausende Menschen in Lärm Geiselhaft nehmen.

    • The Walking Dad am 03.11.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laimigs

      Was hat der zweite Teil deines Beitrags mit dem Artikel zu tun? Nicht ausser reine Politisierung einer Sportart. Total unnötig.

    • Dalia am 03.11.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laimigs

      Lass dir dein Gehör weg operieren und schenk es einem Grhörlosen, der gerne hören möchte. Problem erledigt ;)

    • Laimigs am 03.11.2019 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dalia

      Das Problem ist aber, dass nicht nur der Mensch, sondern auch die Natur massiv unter diesen Lärmemissionen leidet. Das ist ein Fakt und lässt sich mit keiner Beleidigung schönreden. Ruhe & Erholung sind Luxus geworden in unserer lauten Schweiz.

    • Dalia am 03.11.2019 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laimigs

      Ach gottchen, wohl noch nie ausserhalb der Schweiz gewesen, wie? Die Schweiz ist eines der ruhigsten Länder, die ich kenne. Klar, die Natur leidet natürlich mit, die armen Bäume und Pflänzchen. Der Lacher des Tages, besten Dank. Denkst du ernsthaft, dass weniger Rehe, Katzen usw. überfahren werden, wenn sie die Autos gar nicht mehr hören? Interessante und seltsame Theorie, Luaga, LOSA, Laufa hiess es früher, bei dir offenbar nicht...

    • marko 34 am 03.11.2019 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laimigs

      Leider

    • Laimigs am 03.11.2019 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dalia

      Es geht nicht nur ums Überfahren werden. Wildtiere wie Rehe, Gämsen, Dachse, Füchse, Luchse, aber auch selten Brutvögel wie der Neuntöter leiden enorm unter dem enormen Lärm des motorisierten Verkehr. Sie stehen dadurch ständig unter Stress, weil ihr Fluchtverhalten sehr ausgeprägt ist. Die Kommunikation unter den Singvögeln wird ausserdem dadurch massiv gestört. Egoistische Gesellschaft.

    einklappen einklappen
Moto GP News