Formel 1

29. September 2019 12:37; Akt: 29.09.2019 18:02 Print

Ferrari verliert sich im Hahnenkampf

von René Hauri - Sebastian Vettel widersetzt sich in Russland internen Absprachen – am Ende jubelt Mercedes über einen Doppelsieg.

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Es ist so eine Sache mit einem angekratzten Ego. Oft ist der grosse Streit nicht weit.

So ist das auch bei Sebastian Vettel und dem Grand Prix von Russland. Die ganze Welt des Motorsports sollte an diesem Sonntag erfahren, dass er der bessere der beiden Ferrari-Fahrer ist. Nur derart ist zu erklären, was der vierfache Weltmeister in Sotschi vollführte.

Im Windschatten von Teamrivale Charles Leclerc, der aus der Poleposition gestartet war, schoss sein roter Bolide auf dem langen Weg bis zur zweiten Kurve am Mercedes von Lewis Hamilton vorbei, dann auch an Leclercs Auto. Von Rang 3 auf 1 in 890 Metern: Das Kunststück, das Valtteri Bottas vor zwei Jahren in Russland im Mercedes gelungen war, wiederholte Vettel und bescherte Ferrari die frühe Doppelführung. Nur ist beim Team der Stunde derzeit nicht alles so einfach, wie das diese Positionen vermuten liessen. Es ist Politik im Spiel, eine ganze Menge.

Das hat sich der Traditionsrennstall selber zuzuschreiben, weil er immer wieder vom Kommandostand aus in die Rennen eingreift, oft unnötigerweise. Die Einmischung zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison - gestern riss er.

Leider sitzen Sportler in den Autos

Sie hatten sich bei Ferrari wieder einmal allerhand Taktik zurechtgelegt vor diesem Rennen, alle Eventualitäten durchgespielt am runden Tisch. Unschön natürlich, wenn dann in den Autos zwei Sportler sitzen, die einfach nur ein Rennen gewinnen wollen. Wie Vettel.

Dass er sich in Belgien und Italien hat vorführen lassen müssen vom 21-jährigen Monegassen, und dass er sich zuletzt nach seinem Sieg in Singapur anhören musste, dieser sei nur dank der auf ihn ausgerichteten Ferrari-Taktik zustande gekommen, setzte dem 32-Jährigen zu.

Also nützte auch nichts, dass dem Deutschen im Vorfeld eingetrichtert worden war, er müsse Leclerc wieder passieren lassen, wenn er dank dessen Windschatten nach vorne preschen würde. Das tat er nämlich nicht, auch nicht, nachdem er per Funk mehrmals dazu aufgefordert worden war. «Gebt mir noch zwei Runden», gab er zurück – und drückte mächtig aufs Gaspedal.

Zehntel um Zehntel holte er heraus auf Leclerc, vier Sekunden betrug der Vorsprung zwischenzeitlich. Dann griffen die Ferrari-Verantwortlichen ein, holten Leclerc zum Reifenwechsel und schickten ihn auf die Jagd nach schnellen Runden. Vettel liessen sie derweil derart lange langsame Runden drehen, bis sie sicher waren, dass er nach seinem Stopp hinter Leclerc wieder auf die Strecke zurückkehren würde. Zumindest dieser Plan von Ferrari ging auf. Es war so ziemlich der einzige.

Der taktische Griff ins Klo

Zwei Runden nach seinem Pneuwechsel rollte der Wagen von Vettel aus, das Hybridsystem. Ausgerechnet sein geparktes Auto sorgte für ein virtuelles Safety-Car, bei dem die Fahrer eine vorgeschriebene Sektorzeit nicht unterbieten dürfen. Weil in dieser Phase beim Reifenwechsel wenig Zeit verloren geht, reagierte Mercedes, holte Hamilton und kurz darauf Bottas an die Box.

Der Brite kam vor Leclerc zurück auf die Piste, der Finne hinter ihm. Dann verursachte George Russell mit einem Unfall den Einsatz des echten Safety-Car. Und Ferrari gefiel die Idee, Leclerc noch frische weiche Pneus aufziehen zu lassen für die letzten Runden – auch wenn ihn das Rang 2 kosten würde. Die Idee entpuppte sich als taktischer Griff ins Klo.

Leclerc versuchte mit aller Macht, an Prellbock Bottas vorbeizukommen, der Hamilton abschirmte – es gelang ihm nicht. So unverhofft wie Ferrari in Singapur über einen Doppelsieg gejubelt hatte, so unverhofft tat das Mercedes in Russland.

Bei Ferrari gibt es derweil wieder einigen Redebedarf. Vettel sagte, er habe seinen «Teil der Absprache eigentlich eingehalten». Er habe die Anweisung, Leclerc vorbeizulassen, «zu dem Zeitpunkt nicht verstanden». Und Leclerc merkte vielsagend an: «Ich vertraue immer auf mein Team, dass es sich an die Taktik hält.» Auf andere ist offenbar weniger Verlass. Vielleicht lässt Ferrari seine Fahrer das hitzige Duell ja wieder einmal auf der Rennstrecke austragen. Es würde sich viele Diskussionen ersparen.

Motorsport

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dattelpalme am 29.09.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Für mich ist Ferrari kein F1Team sondern ein Kindergarten Was die sich erlauben ist unglaublich

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  • Tanja M. am 29.09.2019 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Waas?

    Ich bin ja kein Ferrari Fan aber das hat doch nichts mehr mit fairem Rennen zu tun.. Wäre ich Vettel würde ich toben..

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  • Marco am 29.09.2019 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Leclerc

    Sorry leclerc schau doch das du beim nächsten rennen nicht die pole holst. Einfach nur ein kindergarten, vettel ist fair vorbeigekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jjking am 30.09.2019 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vettel raus !!!!

    Würde Vettel fristlos entlassen, und den Rest der Saison nur noch mit Leclerc fahren! Von wegen hab ich nicht verstanden... du Heulsuuse... P.S. bin seit 40 Jahren Ferrarista...

  • Ferdi am 30.09.2019 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unfair!

    Was soll das denn? Wird Vettel bewusst degradiert? Hat doch nichts mehr mit Sport zu tun! Schlimm. Seb hat ein super Rennen gefahren und war verdient vorne, Leclerc ist einer wie Hamilton, wenns ihm nicht passt, wird einfach mal gejammert! Das sollen Sportler sein? Wääääähhhhh! Schlimm!

    • Berg Bua am 30.09.2019 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      Vegesslicher Vettel

      Nein Vettel degradiert sich selber. Jahrelang wurde er bevorzugt behandelt (Weber, Ricciardo) und jetzt erlebt er so etwas wie Konkurrenz und das von einem Jungspunt. Ja und schon heult Herr Vettel und vergisst seine Unfairness die er damals gegen Marc und Dani verwendete.

    • Heidi am 30.09.2019 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Berg Bua

      Ich höre nur den Monegassen rumheulen - sie sollten sich mal die Ohren ausspülen lassen.

    • Berg Bua am 01.10.2019 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi

      Ja man hört immer nur das was man will. Das unangenehme oder die Wahrheit ignoriert man einfach.

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  • Adrian am 30.09.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Vettel total überschätzt

    Sebastian Vettel ist als Fahrer total überschätzt. Er ist ein egozentrischer Hitzkopf und zweitklassiger Fahrer, genau wie es Schumi war. Beide profitier(t)en nur von den jeweiligen unterwürfigen Zweitfahrer im Team. Nur dass bei Schumi Barichello diese Rolle über Jahre artig ausführte, während für Vettel immer neue Assistenzfahrer gesucht werden müssen. ... Verstehe nicht warum Ferrari so sehr auf Deutsche setzt.

    • Nairda am 30.09.2019 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      Ja ist klar

      und die anderen Teams waren auch alle unterwürfig.

    • Koch, Gustav am 30.09.2019 21:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian

      Ferrari ist ohne Schumacher nichts mehr. Ein verlorener Haufen. Vettel konnte zumindest einige Siege für Gurken-Ferrari einfahren und dem Team bei der Stabilisierung helfen. Ich finde die Deutschen waren und sind sehr wichtig für Ferrari.

    • F1 Fan am 01.10.2019 01:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian

      Bevor man so was sagt, setzt dich in ein F1 Auto und komm Vettel hinterher. Man gewinnt nicht einfach so in Monza, er saß nicht mal im Red Bull, McLaren, Williams oder Renault. Bevor ich ein Rennfahrer bewerte muss man bedenken, dass aus 8 Millionen nur ca. 100-120 überhaupt in Frage kommen

    • Karli am 02.10.2019 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Koch, Gustav

      Du meinst wohl eher ohne Italiener wäre Mercedes nicht dort wo sie sind... Der Aufstieg für das deutsche Team kam mit Aldo Costa und sein Team...

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  • Andreas ZH am 30.09.2019 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angebot steht

    ich habe eine fahrschule ,vettel darf gerne mal zu mir kommen und lernen autofahren

  • Logiker am 30.09.2019 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Vettel muss sich an der eigenen Nase....

    Vettel hat über die Jahre unzählige Male von Teamabsrprachen profitiert und diese gerne angenommen. Wenns aber dann mal gegen Ihn geht da kann er nicht fürs Team zurückstecken! Für alle die sagen Vettel sei Fair vorbeigekommen: Leclerc hat die Innenseite extra offen gelassen - ein Fahrer von seinem Talent hätte die Türe zugeschlagen wenn er das wollte. Es war ja abgesprochen dass Leclerc Vettel im Windschatten mitzieht und vorbeiziehen lässt damit es eine Ferrari Doppelführung gibt. Wäre dies nicht abgemacht worden hätte Leclerc die Innsenseite der Kurve zugemacht.

    • M.E262 am 30.09.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Logiker

      Vettel war einfach schneller als Leclerc, dass konnte jeder am TV sehen. Und wer schneller ist, muss sich nicht wegen Teamorder zurückfallen lassen, dass ist gegen jede Regel des fairen Sports.

    • Stego-Saurus am 30.09.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

      Nur logisch, wenn Leclerc mitspielt

      Trotzdem wäre Vettel in dieser Situation nicht vorbeigekommen, wenn Leclerc die Innenseite zugemacht hätte. Er war zwar schneller, aber nicht schnell genug um aussenrum zu überholen. Er hätte das aber ein paar Runden später sowieso geschafft, spätestens mit DRS, da er der deutlich schnellere Ferrari blieb ... also schlussendlich war die Führung von Vettel gerechtfertigt. Mein Tipp: Lasst sie doch einfach fahren und stellt den Funk ab! P.S.: Wenn Ferrari auf Leclerc gesetzt hätte, wäre dieser mittlwerweile bei oder gar vor Bottas ... wusste man aber in der ersten Saisonhälfte noch nicht

    • Gusti H. am 30.09.2019 22:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Stego

      Leclerc konnte nicht mehr blocken da Vettel schon an ihm vorbei war, so zu sehen im TV. Insofern war die Stallorder hinfällig und da kann ich Vettel 100 Prozent verstehen.

    • Ferrarista am 04.10.2019 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Hintern ist nie einfach

      Lecker konnte danach nur nicht mit Vettel mithalten, da er in seien Verwirbelnden war. Ohne das wäre auch Lecker schneller gefahren. War nicht fair von Vettel. Ich bin seit ich denken kann Ferrari Fan. Und ich bin auch überzeugt, die nächsten Titel kommen.

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