Starke Leistungen

12. Juni 2011 17:20; Akt: 12.06.2011 17:21 Print

Krummenacher auf Lüthis Spuren?

von Klaus Zaugg, Silverstone - Randy Krummenacher hat beim GP von England unter schwierigsten Bedingungen im Moto2-Rennen den 11. Platz geholt und hohe Erwartungen erfüllt.

storybild

Randy Krummenacher kommt immer besser in Fahrt. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sein Manager Robert Siegrist war nach dem Rennen noch ganz aus dem Häuschen. Teamchef Marco Rodrigo strahlte und fasste die enorme Steigerung seines Fahrers gegenüber 20 Minuten Online in einem Satz zusammen: «Wenn mir einer vor dem Saisonstart einen 11. Platz hier in Silverstone angeboten hätte – ich hätte blind unterschrieben.»

Tatsächlich ist ein 11. Platz für den Moto2-WM-Neuling eine starke Leistung. Er hat unter schwierigsten äusseren Bedingungen (Regenrennen) den 5. Platz vom GP von Katalonien in Barcelona bestätigt. Zahlen (Trainings- und Rennklassierungen aus dieser Saison) zeigen den erstaunlichen Aufstieg des Zürchers: 29./27. GP von Katar, 28./27. GP von Spanien, 25./7. GP von Portugal, 16./12. GP von Frankreich, 19./5. GP von Katalonien und nun ein 11. Rang nach einem 8. Trainingsplatz.

Heisses Ausweichmanöver

Das Podest lag – wie bereits beim GP von Katalonien – schon beinahe in Reichweite. Krummenacher hatte den Anschluss an die Spitzengruppe gefunden, hielt erst den 3. Platz, dann eine Lauerstellung auf Rang 7. Aber in der 5. Runde musste der Schweizer dem stürzenden Raffaele de Rosa ausweichen, kam von der Piste ab, hielt sich mirakulös im Sattel, kehrte auf den Asphalt zurück und fädelte auf dem 14. Platz wieder im Felde ein. Von dort kam er noch bis auf Rang 11.

In Silverstone dominierte Krummenacher in allen vier Trainings und im Rennen erstmals seine Schweizer Konkurrenten Tom Lüthi (24) und den gleichaltrigen Dominique Aegerter klar.

Krummenacher hat Talent

Erstmals war die Frage, ob er der nächste Tom Lüthi werden kann, am 10. Juni 2007 gestellt worden: Damals hatte er beim GP von Katalonien in Barcelona zum ersten und bisher einzige Mal einen Podestplatz erreicht (3.). Die Bestätigung ist ihm nie ganz gelungen und erst jetzt, vier Jahre später, darf diese Frage wieder diskutiert werden.

Die Antwort lautet «Unter Umständen – ja». Krummenacher ist ähnlich talentiert wie Lüthi und wegen seiner Postur (175 cm, 65 kg) war er für die 125er-WM immer zu gross und zu schwer. Erst auf den 600er-Viertaktern der Moto2-WM hat er «seine» Kategorie gefunden. Sein Talent, sein Renninstinkt, seine Konzentrationsfähigkeit (er macht sehr wenig Fehler) bringen ihn auf Augenhöhe mit Lüthi. Durch eine lange Leidenszeit in der 125er WM (13. 2007, 25. 2008, 21. 2009, 9. 2010) ist die Gefahr von Überheblichkeit gebannt.

Lüthi ist beeindruckt

Tom Lüthi hat lobende Worte für seinen Landsmann und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Es ist beeindruckend, was Randy Krummenacher in dieser Saison leistet, wie er in Silverstone die Leistung von Barcelona bestätigt hat. Da kann ich nur den Hut ziehen.»

Im Laufe des letzten Winters ist Krummenacher reifer, erwachsener geworden. Seit dem letzten April ist er bei seinem Vater ausgezogen und lebt mit seiner Freundin zusammen. Er hat auch neben der Rennpiste einen grossen Schritt nach vorne gemacht.

Motivierendes Umfeld

Das vielleicht grösste Plus: Sein Team, das der ehemalige Zürcher Bankdirektor und Immobilien-Makler Marco Rodrigo aufgebaut hat, und die Betreuung durch den Zürcher Anwalt und ehemaligen Judo-Nationaltrainer Robert Siegrist. Die Dynamik und die Begeisterungsfähigkeit des «Zürcher Bonzenexpress» (so die neidvolle Bezeichnung des Teams durch die Konkurrenz) machen aus einem gut strukturierten Rennteam ein stimulierendes, motivierendes und leistungsorientiertes Umfeld.

Obwohl es Rodrigo, Siegrist & Co. wahrlich nicht an Selbstvertrauen gebricht – sie sind schliesslich Zürcher – ist die Gefahr von Selbstüberschätzung gering. Rodrigo ist bereits hier in Silverstone gegenüber 20 Minuten Online auf die Euphorie-Bremse getreten: «Nach wie vor müssen Klassierungen in den ersten zehn unser Ziel sein. Ich bin zufrieden, wenn wir beim nächsten GP in Assen eine Klassierung in den Top Ten schaffen.»

Gute Voraussetzungen nutzen

Schliesslich und endlich sitzt der Zürcher auf dem richtigen Motorrad: Auf dem deutschen Fabrikat Kalex, das sich in dieser Saison als beste Maschine entpuppt. Die Kalex zeichnet sich vor allem auch durch eine enorme Spurstabilität aus und sie verzieht, anders als die Suter von Tom Lüthi, auch mal einen Fehler des Piloten. Der Deutsche Stefan Bradl (21) dominiert auf der Kalex die Moto2-WM 2011. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Team von Bradl haben Krummenachers Techniker Zugriff auf die technischen Daten des WM-Leaders.

Warum bei so vielen guten Voraussetzungen bloss ein «Unter Umständen - ja» auf die Frage, ob Krummenacher der nächste Tom Lüthi werden könne? Weil der internationale Motorrad-Rennsport unberechenbar ist. Auf und neben der Rennpiste. Krummenacher hat die Voraussetzungen, um der nächste Tom Lüthi werden zu können. Ob er sie nützt, wird sich zeigen. Es hat vor ihm schon viele Schweizer Piloten gegeben, die ähnlich gute Voraussetzungen aus verschiedensten Gründen nicht zu einer ganz grossen Karriere nützen konnten (Heinz Lüthi, Oliver Petrucciani, Eskil Suter oder Adrian Bosshard).

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • denk-mal am 13.06.2011 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    "Sport?"

    hoffentlich nicht als Vorbild - denn Lüthi ist der am meisten überschätzte "Sportler"

Die neusten Leser-Kommentare

  • denk-mal am 13.06.2011 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    "Sport?"

    hoffentlich nicht als Vorbild - denn Lüthi ist der am meisten überschätzte "Sportler"

Moto GP News