GP von Holland

24. Juni 2011 17:57; Akt: 24.06.2011 17:58 Print

Lüthis Team wieder glücklich vereint

von Klaus Zaugg, Assen - Tom Lüthi (24) kehrt in die Weltklasse zurück und bestätigt eine alte Emmentaler Weisheit. Er startet zum GP von Holland in Assen aus der zweiten Reihe (4.).

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Es läuft wieder rund bei Tom Lüthi. (Bild: Keystone/AP)

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Wäre Lüthi ein Politiker, dann würde er wohl trotz seines jugendlichen Alters im Grossen Rat des Kantons Bern sitzen. Sein politisches Talent ist nämlich bemerkenswert.

Beim letzten GP in Silverstone vor zwei Wochen (14. Im Training/15. im Rennen) hatte es in den Kulissen gerockt und gerollt. Denn die Gründe für den herben Rückschlag waren zu offensichtlich: Fahrwerkshersteller Eskil Suter hatte wegen Arbeitsüberlastung seinen Fahrwerkstechniker Reto Karrer nicht nach Silverstone geschickt, Lüthis Manager und väterlicher Freund Daniel M. Epp war auch nicht vor Ort und so ist es drunter und drüber gegangen (20 Minuten Online berichtete). Dabei wissen wir aus den Erzählungen des Weltliteraten Jeremias Gotthelf, dass der Bauer in Feld und Stall präsent sein muss, wenn er will, dass die Knechte ordentlich arbeiten. Der Chef (Epp) war in Silverstone nicht da, die Knechte arbeiteten in die falsche Richtung und Lüthi war verflucht einsam.

«Es war etwas Unruhe im Team»

Die Polemik um den miserablen Service in Silverstone verärgerte Fahrwerkshersteller Eskil Suter. Er hat hier in Assen die Sache mit Daniel M. Epp geregelt. Sozusagen eine Aussprache unter Alphatieren. Epp hatte wenig Freude an der Berichterstattung von 20 Minuten Online. «Die Stories hatten einen wahren Kern. Aber Probleme sollten teamintern und im Gespräch zwischen den Direktbeteiligten und nicht in er Öffentlichkeit erörtert werden.» Er hat kapiert, dass seine Präsenz vor Ort zu einer anderen Arbeitsweise führt und bestätigt: «Es war in Silverstone schon so etwas wie Unruhe im Team.»

Epp ist zurück, Suter ist wieder da, sein Fahrwerkstechniker Reto Karrer auch, das wieder glücklich vereint – und schon faucht Lüthi wieder auf Spitzenplätze. «Natürlich wäre ich gerne in der ersten Startreihe», sagt der Weltmeister von 2005. «Aber der 4. Platz und die zweite Reihe sind ganz okay. Wir haben die richtige Fahrwerkseinstellung gefunden, ich kann wieder ans Limit gehen.« Vom 4. Platz aus hat er in der zweiten Reihe den Startplatz direkt hinter WM-Leader Stefan Bradl.

Wie am Schnürchen

Lüthi hat hier in Assen seine 33 Trainings-Runden wie auf Schienen absolviert. Keine gefährlichen Rutscher, kein Sturz – während Dominique Aegerter (13./5. Reihe) und Randy Krummenacher (17./6. Reihe) je einmal stürzten.

Womit wir nun noch ein Wort zu Lüthis Talent als Politiker verlieren wollen: Wieder glücklich, entspannt, locker und schnell sieht die Welt schon ganz anders aus und im Rückblick wird die Silverstone-Polemik schöngeredet: «Ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Wir hatten in der Fahrwerkseinstellung in eine falsche Richtung gearbeitet und nun sind wir wieder auf dem richtigen Weg.» Und er betont: «Wir sind in Team. Wir siegen zusammen und wir verlieren zusammen.»

Dabei verschweigt er, dass sein Team in Silverstone eben nicht zusammen war.

P.S. Wie erwartet, ist das GP-Abenteuer von Elena Rosell (24) zum Desaster geworden. Die völlig überforderte Spanierin trat nach insgesamt drei Stürzen in den zwei freien Trainings zum Qualifying nicht mehr an und darf das Rennen nicht bestreiten. Wenigstens ist sie abgesehen von Prellungen am linken Bein mit dem Schrecken davongekommen.

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