GP von Katalonien

04. Juni 2011 19:04; Akt: 04.06.2011 19:05 Print

Lüthis doppelter Kampf gegen Bradl

von Klaus Zaugg, Barcelona - Tom Lüthi (24) führt gegen den Deutschen Stefan Bradl (21) auch beim GP von Katalonien in Barcelona einen Kampf auf und neben der Rennpiste.

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Tom Lüthi: Schnappt ihm Stefan Bradl einen Platz in einem MotoGP-Werksteam weg?

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Nein, Lüthi und Bradl sind nicht verfeindet und sie führen auch keinen «Psychokrieg» gegeneinander. Ganz im Gegenteil: Bradl ist Bayer, Lüthi Emmentaler. Die beiden sind im Wesen und Wirken sehr ähnlich: Sympathisch bescheiden, aber schlau, mit einem starken Rückhalt in ihren Familien.

Lüthis Manager Daniel M. Epp brachte das Problem nach dem Moto2-Qualifying in Barcelona gegenüber 20 Minuten Online auf den Punkt: «Die Dominanz von Bradl kommt für uns im dümmsten Moment.» Deutschlands erster Töffstar seit Ralf Waldmann (Rücktritt 1998) hat in Barcelona beim fünften Saison-GP die fünfte Trainingsbestzeit herausgefahren. Er ist im Training noch unbesiegt und führt in der Moto2-WM. Lüthi liegt 30 Punkte zurück auf dem 5. Platz. Nur in Jerez ist es dem Emmentaler gelungen, Bradl auf der Piste zu besiegen.

Aber es geht um viel mehr als bloss Startpositionen, Siege und Niederlagen in der Moto2-WM 2011. Epp hat beschlossen und verkündet, dass er mit Lüthi in den nächsten drei Jahren (für die Saion 2012, 2013 und 2014) das Abenteuer MotoGP wagen will (20 Minuten Online berchtete).

Keine Subventionen mehr für Privatteams

Die Finanzierung dieses Abenteuers wird nicht einfach. Weil eine MotoGP-Saison wahrscheinlich eine Million teurer zu stehen kommt als geplant. Epp bestätigt am Samstag gegenüber 20 Minuten Online: «Dorna wird die MotoGP-Privatteams nicht mehr wie bisher subventionieren.» Die spanische Sportvermarktungsfirma Dorna hält im GP-Zirkus alle TV-, Werbe- und Veranstaltungsrechte.

Warum gab es bisher überhaupt diese Subventionen? Weil die Kosten in der MotoGP-Klasse zu hoch sind, ist das Fahrerfeld geschrumpft. Beim GP von Katalonien werden nur noch 15 Piloten am Start sein. Weil mit Daniel Pedrosa und Colin Edwards zwei weitere Stars durch Verletzungen (Schlüsselbeinbrüche) ausgefallen sind. Ein Starterfeld sollte aber aus mindestens 30 Fahrer bestehen. Bei der Moto2-WM sind es sogar 38.

Um das «Artensterben» der Königsklasse zu bremsen, hat Dorna in den letzten Jahren die Privatteams jeweils mit einer Million Euro pro Saison alimentiert. Der Ausfall der Millionen-Subvention gefährdet gemäss Epp das MotoGP-Abenteuer zwar nicht. «Jetzt warten wir erst einmal ab, was passiert. Gegen Ende der Saison wird sich möglicherweise zeigen, dass die Spanier die Teams doch unterstützen müssen.»

Lüthi wie Simoncelli?

Ein MotoGP-Privatteam ist für Epp sowieso nur die schlechtere von zwei Optionen. Epp arbeitet intensiv an einer anderen, besseren Lösung: Er möchte Tom Lüthi direkt bei einem Werk (Honda, Yamaha oder Ducati) unterbringen. Nach dem Vorbild von Marco Simoncelli. Der Italiener, gleich alt wie Lüthi, ist letzte Saison direkt Honda-Werkfahrer geworden und hat am Samstag seine erste Poleposition in der MotoGP-Klasse geholt. Lüthi ist bei den 125ern und bei den 250ern meist auf Augenhöhe mit dem neuen MotoGP-Star gefahren.

Bradl als Konkurrent in Sachen MotoGP

Epp sagt, es sei extrem schwierig, direkt Werkpilot zu werden. «Weil nicht nur die Qualität des Fahrers entscheidet. Sondern auch der Markt, den er repräsentiert. Die Schweiz ist als Markt bedeutungslos – aber Tom war von den potenziellen neuen MotoGP-Kandidaten der einzige Vertreter des deutschen Sprachraumes und deshalb auch für Honda interessant. Aber nun gibt es mit Stefan Bradl einen richtigen Deutschen.»

Die Dominanz Bradls reduziert also direkt Lüthis Chance auf eine Werksmaschine von Honda, Yamaha oder Ducati. Das beste Argument, in der Königsklasse doch auf einen Schweizer Piloten zu setzen, kann Lüthi den Töffherstellern selber liefern: Indem er schneller fährt als Bradl. Die Orientierung fällt ihm im Moto2-Rennen am Sonntag leicht: Er steht als vierter des Trainings in der zweiten Reihe direkt hinter Bradl, seinem Gegner auf und neben der Piste, seinem doppelten Rivalen.

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