Doku und Drama

01. April 2019 15:30; Akt: 01.04.2019 15:47 Print

Netflix belebt die Formel 1 neu

Spektakel beim GP von Bahrain und die bestmögliche Werbeplattform: Die Formel 1 wehrt sich gegen den Untergang.

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Die Auflagen werden immer strenger. Die Rennen immer unspektakulärer. Die Sieger sind immer die gleichen. Und dann ist da noch diese verdammte Klimaerwärmung. Trotz der 2014 eingeführten leiseren und vergleichsweise umweltfreundlicheren Motoren bleibt der CO2-Ausstoss in einem Formel-1-Rennen erheblich. Hinzu kommt, dass die 21 Grands Prix auf dem ganzen Erdball verteilt sind. Man muss kein Umweltforscher sein, um zu erkennen, dass dies eher konträr zu den Forderungen der aktuellen Klimademos abläuft. Klar, dass die Formel E beginnt, mit den Messern zu wetzen. Kurz: Die Formel 1 hat ein Problem.

Auch deshalb machte Anfang Jahr das Gerücht die Runde, wonach Besitzer Liberty Media bereits wieder einen Abnehmer für die Motorsport-Königsklasse suche. Das US-Unternehmen hatte 2017 Medienberichten zufolge acht Milliarden US-Dollar bezahlt. Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagte dazu: «Ich glaube, sie haben unterschätzt, worauf sie sich einlassen.» Der Brite sagte jedoch auch: «Sie bleiben aber überzeugt, dass Potenzial da ist, den Sport auf das nächste Level zu heben.» Keine einfache Aufgabe, schliesslich ist die Formel 1 hinter der Fussball-WM und den Olympischen Spielen der drittmeistverfolgte Sportevent der Welt.

Was die Besitzer und auch Horner wussten: Zu diesem Zeitpunkt stand ein Paukenschlag bevor. Ein Knall, der das Ansehen des Sports nachhaltig verändern könnte.

Denn mit der Anfang März lancierten Dok-Serie «Drive to Survive» ist der Formel 1 ein veritabler Coup gelungen. In zehn Episoden voller Emotionen, spektakulärer Bilder und mit einem atemberaubenden Audiodesign schaffen es die Produzenten, die Saison 2018 so nachzuerzählen, dass es auch Formel-1-Muffel begeistert. Sei es das Debakel um Aussenseiterteam Haas ganz zum Start, der Streit zwischen Red Bull und Renault oder der spätere Überlauf vom sympathischen Weltmeisterschaftsanwärter und Dauergrinser Daniel Ricciardo von Red Bull zu Renault. Die Geschichten einer vermeintlich langweiligen Saison, in der Lewis Hamilton überlegen Weltmeister wurde, sie schaffen es, den Zuschauer zu packen.

Dabei stört es auch nicht, dass Mercedes die Kooperation gänzlich verweigerte. Oder vielleicht war auch genau dieser Umstand ein Erfolgsrezept. «Wenn Ferrari und Mercedes mitgemacht hätten, hätten sie sicher selbst entschieden, welches Material von ihnen gezeigt worden wäre», sagte Haas-Teamchef Günther Steiner vor dem Saisonstart. Bei ihm und den restlichen Involvierten sei das nicht so gewesen. Und es ist genau das, was der Zuschauer sehen will: ungefilterte, spannende Geschichten, die sich hinter Dominator Hamilton abspielten. Zu finden waren sie in nahezu allen anderen Teams und im Schicksal der einzelnen Fahrer.

Gerade diese Menschlichkeit dürfte Zuschauer für die Formel 1 begeistern, die den Sport zuvor eiskalt ignoriert haben. Aber auch als Ignorant des Motorsports plagen einem plötzlich die Fragen: Geht Ricciardos Poker mit Renault auf? Gelingt ihm die späte Rache gegen den ehemaligen Teamkollegen und Erzrivalen Max Verstappen? Schafft es der 21-jährige Charles Leclerc, im Ferrari die Träume seines verstorbenen Vaters und seines tödlich verunglückten Patenonkels Jules Bianchi zu erfüllen? Wie ergeht es Red Bull nach der endgültigen Emanzipation weg von Renault hin zur Zusammenarbeit mit Honda? Und wer am Sonntag den GP von Bahrain am TV verfolgte, der wurde definitiv nicht enttäuscht.

Ein Spektakel trotz der alten Leier

Der Zuschauer sieht Kollisionen gleich nach dem Start, einen erbitterten Kampf zweier Ferraris um die Führung und hört einen Carlos Sainz jr., der via Funk bei seinem Team über Bad Boy Verstappen schimpft. Plötzlich wird es spannend, welcher Fahrer sich welcher Strategie bedient – ob nur einen, zwei oder drei Boxenstopps. Und Details wie eine kleine violette Uhr neben dem Fahrernamen, der soeben die schnellste Runde absolviert hat, oder der Hinweis, sobald irgendwo im Feld ein Überholmanöver stattfindet oder kurz bevorsteht (inklusiver direkter Zuschaltung), sorgen für ungeahnte Unterhaltung. Auf dem Bildschirm wird auch sofort informiert, wenn sich die Rennleitung ein Manöver genauer anschauen muss – inklusive anschliessender Auflösung. Als Höhepunkt sorgt das Motorendrama des lange Zeit führenden Leclerc und der beiden Renaults sowie die Safetycar-Phase zum Schluss für ein denkwürdiges Ende eines überraschenden Spektakels.

Gerade weil immer mehr Pay-TV-Sender einsteigen, droht ein dramatischer Zuschauerschwund. In England beispielsweise brach die Einschaltquote von durchschnittlich 13 Millionen auf drei Millionen ein. Den neuen Besitzern scheint die Neubelebung der vor dem Absturz stehenden Sportart gerade noch gelungen zu sein. Und das, obwohl das Resultat so war wie gefühlt immer: Mercedes siegt vor Mercedes. Wer zuoberst auf dem Podest steht, ist aber zumindest mittelfristig nur noch eine Randnotiz.

Motorsport

(fas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pilatus am 01.04.2019 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Einzige ernstzunehmende Rennserie

    Mal ehrlich, welche Autorennen sollte man den sonst schauen? Ich verfolge die Formel 1 seit zwei Jahrzehnten mit grossem Interesse. Dagegen ist die Formel e wie Biathlon mit Wasserpistolen..

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  • Max am 01.04.2019 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zuschauer.

    Bei allen Sportveranstaltungen sind es die Zuschauer die am meisten co2 ausstossen in dem sie mit ihren Autos zu dem Geschehen hinfahren.Der Benzinverbrauch der Rennwagen ist da nebensächlich.

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  • Francesco S. am 01.04.2019 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die Formel 1 hat kein Problem!

    Es ist zu hoffen, dass die für ab 2023 geplanten Regeländerungen schon früher eingesetzt werden. Neben ein paar kleineren technischen Änderungen (gleiche Getriebe für alle, gleiche Lenkräder für alle, neu 18" Felgen ect.) geht es vor allem ums Festlegen der oberen Budgetgrenze. Diese soll schrittweise auf 160 Mio. US$ pro Team herabgesetzt werden. Während kleinere Teams jetzt nicht einmal 160 Mio. haben, sind die Budgets bei den 3 grössten zwischen 300 und 400 Mio. US$ pro Saison. Klar passt dies den grossen Teams nicht, aber es schränkt die tech. Überlegenheit der grösseren Teams ein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sport Fan am 02.04.2019 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlenswert

    Also die Doku Serie "Drive to survive" ist gut gelungen. Eine gute Zusammenfassung von der Saison 2018 mit Einzelheiten die man sonst nicht sieht. Welcher Druck hinter den Fahrern und den Teams steckt. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Schade für Ferrari und Mercedes, dass sie nicht auch mitgemacht haben.

    • Sebi am 02.04.2019 12:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ferrari und Mercedes wollten nicht...

      Ich hab letztens in einem Interview mit Toto Wolf gelesen, dass man sich bei Mercedes duchaus überlegt hat bei der Doku mitzumachen. Allerdings sei der Entscheid dagegen gefallen weil Toto und die Mercedes Führung befürchteten, dass dies eine zu grosse Ablenkung vom Titelkampf darstellen könnte. Es wird sicherlich auch noch andere Gründe dafür gegeben haben, wie z.B. dass so eine Doku nicht ins Marketingkonzept von Mercedes und vermutlich auch Ferrari passt. Ich finde das fehlen der beiden Platzhirsche tut der Doku nichts ab, sondern macht sie gerade erst so richtig sehenswert.

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  • Vollgas im Budget am 02.04.2019 05:30 Report Diesen Beitrag melden

    2 WM Formeln - Konzern u Privat

    Die Gleichmacherei von Teilen ist doch Gift für die F1. Das sind keine Grand Prix mehr sonder eine Sparsau-Rennserie. In der Champions League denkt auch keiner an Budgetkürzungen und TOP-Transfers dürfen nur "10Mio" kosten, damit der FCS auch mithalten kann ... High Tech braucht Full Money. Wer keines hat spielt nicht mit. Maximal OK ein WM-Titel für die Konzernfahrer (über 150Mio) und einer für die Privatteams (unter 150Mio) und Paydriver.

  • Leo Trotzki am 02.04.2019 02:13 Report Diesen Beitrag melden

    öde fad und doof

    Formel 1 ist doch die langweiligste und ödeste Sache die es gibt. Zeit kann 10 mal klüger genutzt werden als vor der Glotze 60 mal rundum nachzugucken.

    • Francesco S. am 02.04.2019 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Leo Trotzki:

      Ihre Zeit welche Sie mit überflüssigen Kommentare schreiben verplempern, könnte meiner Meinung nach auch viel klüger genutzt werden.

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  • Art. am 01.04.2019 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrecht / Unterhaltungrecht

    An diesem Wochenende ist die Formel 1 also erneut zu Gast in Bahrain, der GP wird zum 15. Mal ausgetragen. Najah Yusuf muss drei Jahre (wahrscheinlich voller Gewalt) im Gefängnis absitzen, so das offizielle Urteil. Ist es angemessen, Millionen zu verdienen und auf einem Podium zu stehen, das der Rücken von Najah Yusuf sein könnte? Die Ausrede, dass ein Team der Formel 1 vertraglich daran gebunden sei, an allen Rennen der Saison teilzunehmen, ist moralisch so schwach und gewissenlos.

    • schuschleid am 01.04.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      Solange es Menschen gibt wie SIE habe ich die Hoffnung an eine gerechte Welt nicht verloren! Danke!

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  • derMensch am 01.04.2019 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hoch lebe die F1

    Das Formel 1 Rennen ist und bleibt eine Pflicht und Freude für alle Rennsportbegeisterten!!

    • schuschleid am 01.04.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @derMensch

      Formel Gähn!....richtige Motorsport begeisterte schauen Motogp....that's Racing!

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