Deutscher Service besser

13. Juni 2011 10:47; Akt: 13.06.2011 10:59 Print

Schweizer Qualität unterliegt

von Klaus Zaugg, Silverstone - Die technische Betreuung durch den Töffhersteller Eskil Suter gilt als ein wichtiger Grund für die Krise von Töffstar Tom Lüthi (24). Was sagt die Konkurrenz?

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Reicht es für den WM-Titel? Drei Rennen vor Schluss weist der Berner einen Rückstand von 19 Punkten auf Franco Morbidelli auf. Lüthi beeindruckt über die ganze Saison gesehen mit konstanten Leistungen, die ihm bereits diverse Podestplätze und einen Sieg (in Brünn) eingebracht haben. Das zahlt sich aus. Am 23. August wird bekannt, dass der 30-Jährige ab der kommenden Saison in der MotoGP-Klasse an den Start geht. Speziell: Sein Teamkollege wird Franco Morbidelli sein. Der Italiener stand Lüthi 2017 bislang vor der Sonne. Er hat die besten Karten, um sich den Titel in der Moto2 zu krallen. Lüthi überzeugt mit konstanten Leistungen und belohnt sich mit vier Saisonsiegen: Katar, Grossbritannien, Japan und Australien. In der Endabrechnung muss er sich nur von Johan Zarco (M.) geschlagen geben. Der Franzose wechselt danach in die MotoGP. Ende 2016 wird bekannt, dass Dominique Aegerter (r.) das Schweizer Team Derendinger Racing Interwetten verlässt. Geballte Schweizer Moto2-Power. Tom Lüthi (M.) bildet neu ein Team mit Dominique Aegerter (l.) und Robin Mulhauser. Der 125er-Weltmeister von 2005 setzt sich im teaminternen Duell klar durch. Dennoch verläuft die erste Saison nach dem Wechsel durchzogen. Lüthi beendet sie im 5. Rang. Lüthi dreht im Herbst auf und gewinnt die Rennen in Japan (Bild) und Valencia. Im WM-Klassement belegt er am Ende Rang 4. Saison 2013: </B> Seit Mai bestreitet Tom Lüthi nach seinem Sturz bei den Tests wieder Rennen. 2013 endet ohne einen GP-Sieg und mit Rang 6 in der WM. Nach dem Unfall bei den Tests will Tom Lüthi die Rückkehr in den GP-Zirkus beim zweiten Rennen in Texas (21.4.) erzwingen. Er muss die Übung aber nach dem ersten Training abbrechen. Die Schmerzen sind zu gross. Jetzt versucht er das Comeback in Jerez am 5. Mai. Die Saison 2013 startet sehr unglücklich. Lüthi wird bei den Testfahrten in Jerez von Ratthapark Wilairot «abgeschossen» und zieht sich eine Schulter- und Armverletzung zu. Er muss operiert werden und verpasst den Saisonstart. Tom Lüthi testete zuvor während drei Tagen seine neue Moto2-Maschine in Valencia. Nach dem Sturz beim zweitletzten GP der Saison in Australien holt Marc Marquez den Titel. Lüthi erreichte in der WM-Wertung 2012 Rang 4. Im ersten Rennen nach der Sommerpause in Brünn fährt Tom Lüthi zum sechsten Mal in dieser Saison auf Podest. Er wird hinter Marc Marquez Zweiter. Tom Lüthi fährt beim GP von Italien zum fünften Mal in der Saison 2012 aufs Podest. In Silverstone läuft es Tom Lüthi nicht nach Wunsch. Nach einem Trainingssturz und Rang 8 im Rennen verliert der Emmentaler am 17. Juni die WM-Führung. Am 3. Juni 2012 übernimmt Tom Lüthi erstmals seit dem WM-Titel 2005 wieder die WM-Führung. Ein zweiter Rang in Barcelona in der Moto2-Klasse reicht dem Emmentaler dazu. Nach einem fünften Rang zum Auftakt und zwei dritten Plätzen gewinnt Tom Lüthi in Le Mans sein erstes Rennen der Saison 2012 und rückt WM-Leader Marc Marquez bis auf zwei Punkte auf die Pelle. Es ist Lüthis siebter Karrieren-Sieg. Die ersten Tests im März 2012 verlaufen für Tom Lüthi verheissungsvoll. Ausserdem sichert ihm Bike-Bauer Eskil Suter in diesem Jahr eine intensivere Betreuung zu. Perfekte Voraussetzungen für den Angriff auf den Moto2-WM-Titel? Ein erfolgreiches Duo spannt noch enger zusammen: Auf die Saison 2012 hin übernimmt Lüthis Freundin Fabienne Kropf die Medienarbeit für den Töff-Star und bringt sich in dessen Vermarktung mit ein. Ihr erster Schachzug: Lüthi fährt nicht mehr Subaru, sondern BMW. Schliesslich beendet Lüthi die Moto2-Saison 2011 als WM-Fünfter. Und er kann es doch noch: Drei Wochen später gewinnt Lüthi gar den GP von Sepang. Es ist der erste Sieg des Emmentalers seit über fünf Jahren! Ende Saison geht es mit Tom Lüthi wieder bergauf: Am 2. Oktober fährt er beim GP von Japan als Dritter zum ersten Mal seit Anfang April wieder in einem Rennen in die Top 3. Mitte September platzt für Tom Lüthi ein Traum: Er wird nächste Saison nicht in der MotoGP fahren. Sein Manager konnte nicht die nötigen finanziellen Mittel organisieren. Es kommt auch Polemik auf: Lüthi werde vom Schweizer Fahrwerkhersteller Eskil Suter zu wenig umsorgt. Allerdings hat dieser dem Emmentaler vertraglich nie eine Sonderbehandlung zugesichert. Doch die Saison geht nicht so verheissungsvoll weiter, wie sie begonnen hatte: Es folgen für Lüthi Stürze und Platzierungen ausserhalb der Top-Ränge. Ein Rückschlag. Beim zweiten Saisonrennen in Jerez muss sich der Emmentaler nur von Stefan Bradl schlagen lassen und fährt auf Rang 2. Zum Auftakt in Katar erreicht Lüthi den dritten Rang und startet somit so gut wie schon lange nicht mehr. Noch vor Saisonstart 2011 wird bekannt, dass Lüthis Manager Daniel Epp fürs kommende Jahr ganz grosse Pläne hegt: Der Emmentaler soll in die «Königsklasse», die MotoGP, aufsteigen. Für die Saison 2011 wechselt Lüthi auf die Maschine des Schweizer Herstellers Suter. In einer Klasse, in der alle die gleichen Motoren besitzen, will er wieder um den Titel mitreden. Lüthi gehört auf der Moriwaki mit fünf Podestplätzen zu den Spitzenfahrern. Er verpasst aber den angestrebten WM-Titel und wird im Klassement mit 156 Punkten Vierter. : Sportlich wird aus der Viertelliterklasse 2010 die neugeschaffene Moto2. Ein Jahr nach der Trennung von Fabienne finden die beiden Ende 2009 wieder zusammen. Lüthi wird Siebter der 250er-Klasse mit 120 Zählern - aber ohne Podestplatz. 2009 gehts wieder etwas aufwärts - zumindest im WM-Klassement. Er holt immerhin 2 Podestränge, aber nur noch 108 Punkte, was in der WM Platz 11 bedeutet. Auch in diesem Jahr kann Lüthi nicht um den Titel mitfahren. Die erste Saison auf der Aprilia läuft nicht optimal: Kein Podestplatz, WM-Rang 8 mit 133 Punkten. In der Saison 2007 wechselt Lüthi in die 250er-Klasse und lernt italienisch, um seine Mechaniker besser zu verstehen. 2007 verliebt sich Lüthi in Fabienne Kropf, Miss Bern 2005. Nach einem Jahr trennt sich das Paar wieder. Er gewinnt ein Rennen und holt 113 Punkte. Das bedeutet WM-Rang 8. Lüthi kann den Titel in der Achtelliterklasse nicht bestätigen. Lüthi bei seiner Teilnahme am Super10Kampf der Sporthilfe. Der Emmentaler erhält die Auszeichnung zum Schweizer Sportler des Jahres 2005. Mit 242 Punkten wird er mit 19 Jahren der sechstjüngste Weltmeister der Geschichte. Er holt fünf Poles, vier Siege und insgesamt acht Podestplätze. 2005 startet Lüthi total durch. Lüthi fährt nie aufs Podest und sammelt nur 14 WM-Punkte. Am Ende bedeutet dies Gesamtrang 25. In diesem Jahr fährt der Schweizer auch einmal aufs Podest. Am Ende ists WM-Rang 15 für ihn. In der Saison 2003 absolviert Lüthi seine erste vollständige Saison. Er holt dabei 68 Punkte. Lüthi, der am 6. September 1986 geboren wurde, absolvierte als 15-Jähriger seine erste Saison in der 125er-Klasse. In sieben Rennen holt er sieben Punkte und WM-Rang 27. Damals ahnte noch niemand, dass hier der nächste Weltmeister sitzt. Als Neunjähriger startete er seine Karriere auf dem Pocket-Bike. Aus Linden im Emmental eroberte Tom Lüthi die Töff-Welt.

Die Karriere von Tom Lüthi.

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Fehler gesehen?

In der Moto2-WM fahren alle mit den gleichen Motoren (Honda) und den gleichen Reifen (Dunlop). Freie Wahl gibt es nur bei den Fahrwerken. Die wichtigsten Hersteller: Suter, Kalex, FTR und Moriwaki. Wenn die Motoren und die Reifen gleich sind, wird die Qualität des Fahrwerkes zum entscheidenden Faktor.

Die Krise von Tom Lüthi (24) wird auch auf den fehlenden Service des Bike-Herstellers Eskil Suter zurückgeführt (20 Minuten Online berichtete). Lüthi ist jedoch nicht der einzige Schweizer Fahrer auf einer Suter. Auch Dominique Aegerter (21) ist ein Kunde von Eskil Suter.

Die Tendenz überall Feinde zu sehen

Was sagt die Konkurrenz zum Problem Suter? Aegerters Teamchef Alain Bronec hat sich zwar auch gewundert, dass Suter nur noch zwei und nicht mehr fünf Techniker zum GP von England nach Silverstone geschickt hat. Und sein Pilot blieb, wie Lüthi, weit unter den Erwartungen (31. Im Training, 20 im Rennen).

Der ehemalige Rennfahrer mag die Polemik um den Suter-Service trotzdem nicht weiter anheizen. «Gemach, nur nicht paranoid werden», mahnt er gegenüber 20 Minuten Online. «Wenn es im Rennsport nicht läuft, ist die Tendenz stark, überall Feinde zu sehen und zu vermuten, dass man nicht bekommt, was andere haben.»

Schwierige Unterlage als Grund?

Der Franzose sagt, Suter sei eben kein Sponsor und auch nicht verantwortlich für die Abstimmung der Maschinen. Sondern ein Unternehmer. Nicht mehr und nicht weniger. «Wenn einer mit einem bestimmten Fabrikat vorne fährt und ein anderer nicht, dann heisst es schnell, es gebe eine Vorzugsbehandlung. Ich habe Suter als Geschäftsmann kennen gelernt, der uns mit Fahrwerken beliefert. Nicht mehr als das. Aber auch nicht weniger.»

Die Schwierigkeiten mit den Suter-Bikes in Barcelona und jetzt in Silverstone führt er auch auf die schwierigen äusseren Bedingungen zurück. «Die Piste in Silverstone ist welllig und die Fahrer haben das Gefühl, die Maschine sei nicht richtig abgestimmt.»

Krummenacher ohne Probleme

Randy Krummenacher (21) ist der Aufsteiger der Saison und hat das Potenzial, der neue Tom Lüthi zu werden. Als Neuling steht er in der Moto2-WM bereits auf dem 12. Zwischenrang, nur 19 Punkte hinter Tom Lüthi (6.). Zuletzt hat er beim GP von Katalonien einen 5. Platz herausgefahren und diese Klassierung nun unter schwierigsten Bedingungen mit einem 11. Platz beim GP von England in Silverstone bestätigt.

Krummenacher sagt gegenüber 20 Minuten Online, die technische Betreuung durch den Fahrwerkshersteller sei sehr wichtig. Er fährt nicht eine Suter. Sondern das deutsche Fabrikat Kalex. Anders als Lüthi hat er keine technischen Probleme.

Sehr gute Betreuung von Kalex

Der Zürcher betont, er werde von Kalex sehr gut betreut. Kalex-Mitinhaber und Cheftechniker Alex Baumgärtl kümmert sich persönlich neben WM-Leader Stefan Bradl auch um Krummenacher. Weil Krummenacher im gleichen Team wie WM-Leader Stefan Bradl (21) fährt, haben seine Techniker auch Zugriff auf die gleichen technischen Daten.

Soviel scheint klar: In der Moto2-WM ist offensichtlich deutscher Service (von Kalex) besser als Schweizer Qualitätsarbeit (von Eskil Suter).

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