Moto2-Skandal

14. September 2018 10:42; Akt: 14.09.2018 10:57 Print

Das Opfer vergibt Töff-Rüpel Fenati

von David Wiederkehr - Nach der lebensgefährlichen Aktion wird der Italiener mit dem Tod bedroht. Sein Rivale Stefano Manzi zeigt sich versöhnlich.

Das folgenreiche Foul von Romano Fenati beim GP von San Marino. (Video: Tamedia)
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Es war ein fataler Blackout bei 200 km/h. Ein Fehler mit einschneidenden Folgen. Beim GP von San Marino am letzten Sonntag hatte der italienische Moto2-Pilot Romano Fenati seinem Konkurrenten Stefano Manzi urplötzlich an den Lenker gegriffen und die Vorderbremse betätigt. Manzi konnte sein wackelndes Motorrad erst auffangen, stürzte aber wenig später doch. Auch für Fenati war das Rennen vorbei: Wegen rücksichtslosen Verhaltens schloss ihn die Rennleitung aus.

Als wenig später die Fernsehbilder seiner Tat um den Globus gingen, war das Urteil rasch gefällt – und Fenati als Rüpelfahrer weltbekannt. Die Rennleitung sperrte ihn für zwei Rennen, am Morgen danach wurde er von seinem italienischen Rennstall entlassen, kurz darauf gab er seinen Rücktritt vom Rennsport bekannt – und dann entzog ihm der italienische Motorsportverband die Rennlizenz gleich ganz. «Ich wünschte, das wäre alles nur ein böser Traum. Die Kritik ist berechtigt, die Wut auf mich verständlich», schrieb der 22-Jährige auf Twitter. Er steht vor dem Nichts.

Nun meldete sich erstmals sein Opfer zu Wort. Und Stefano Manzi zeigt sich im Interview mit dem TV-Sender Sportmediaset versöhnlich: «Ich bin bereit, ihm zu verzeihen, und will ihn nicht verklagen. Lass uns einen Stein über die Sache legen und weitergehen.» Sein Teamkollege hätte er gleichwohl nicht mehr werden wollen. Dies wäre eigentlich für die Saison 2019 geplant gewesen.

Die doppelte Bremswirkung

Er habe bei der Aktion keine Angst gehabt, sagt Manzi weiter, dafür sei es viel zu schnell gegangen. Ein Blick auf die Telemetrie-Daten seiner Honda zeigte allerdings, dass Fenatis lebensgefährlicher Zug an der Bremse die doppelte Bremswirkung erzeugte wie üblich.

Die anonyme Öffentlichkeit geht weit weniger gnädig mit Fenati um. In den sozialen Medien wurde der junge Mann aus der Provinz Marken beschimpft und gar mit dem Tod bedroht. Die Tiraden gingen so weit, dass seine Mutter Sabrina in einem Facebook-Post um Mässigung bittet: «Romano hat einen unverzeihlichen Fehler begangen und nimmt dies nicht auf die leichte Schulter. Er bezahlt einen hohen Preis dafür. Aber die Richter arbeiten im Gericht, nicht in den sozialen Netzwerken.»

Sabrina Fenati kündigte an, jede einzelne Beleidigung und Drohung zu dokumentieren und notfalls zur Anzeige zu bringen. Sollten die Klagen auf Schadenersatz erfolgreich sein, werde man das Geld Opfern von Cybermobbing stiften.

«Er ist ein Vollidiot»

In der Motorsportszene wiederum ist die Meinung gespalten. MotoGP-Pilot Cal Crutchlow etwa findet es richtig, dass Fenati «kein einziges Rennen mehr bestreiten darf. Er ist einfach ein Vollidiot.» Schon früher ist Fenati durch Rücksichtslosigkeiten aufgefallen – sein Sündenregister ist lang.

Auch der frühere Weltklassefahrer Colin Edwards, heute TV-Kommentator, sagte unmissverständlich: «Das ist der Zeitpunkt, an dem man ihm sagt: Pack deinen Koffer. Das ist einfach lächerlich. Er hat ein Leben gefährdet.»

Dagegen sagt Toni Elias, einst Moto2-Weltmeister: «Romano hat einen Fehler gemacht, und nun hat man seine Karriere zerstört. Er ist jung, und da ist es klar, dass er Probleme hat, sich zu kontrollieren. Aber man hätte ihm helfen können.» Statt ihn umgehend rauszuwerfen, hätte das Team etwa einen Psychologen beauftragen können, Fenati zu helfen.

Motorsport

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rennsport Fan am 14.09.2018 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank

    Dieser "Sportler" soll für immer gesperrt sein und das wurde auch gemacht. Ein sehr guter Entscheid!

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  • Anon am 14.09.2018 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unüberlegt

    Er hat in diesem Moment einfach nicht überlegt, wie gefährlich seine Aktion für den Rennkollegen war. Es ist gut, dass er zurücktritt.

  • Robi46 am 14.09.2018 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Selberschuld!

    «Romano hat einen Fehler gemacht, und nun hat man seine Karriere zerstört. es sollte eigentlich so heissen: «Romano hat einen Fehler gemacht, und nun hat ER seine Karriere zerstört.

Die neusten Leser-Kommentare

  • holiday inn am 14.09.2018 22:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    marc marquez

    Und was genau passiert mit einem Marc Marquez, welcher nicht minder gefährlichere Aktionen hatte??

  • Lina G. am 14.09.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    etwa auf Krankenkassenkosten ?

    Psychologen - geht's noch ? mit 22 muss bereits gesunder Menschenverstand vorhanden sein, und sonst hilft auch ein Psychologe einem Psychopathen nicht.

  • Motoradrennfahrer am 14.09.2018 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viele haben null Ahnung........

    es wird leider vielfach übertrieben....es war sicher nicht geschickt was er machte, aber mit diesem leichten zupfer hat nichts passieren können. dann hätte er voll auf bremshebel draufdrücken müssen um eine vollbremmsung zu erzeugen um ihn zu "fall bringen zu wollen"!

    • Motorradfahrer am 14.09.2018 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      Höchstens Rennfahrer für Seifenkisten

      Wenn jemand einen solchen Kommentar veröffentlicht, und sich zudem noch als Motorradrennfahrer ausgibt, bin ich per sofort Astronaut.

    • Öko Logisch am 14.09.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      Locker?

      Sind Sie auch so entspannt wenn Ihnen jemand nur die Vorfahrt nimmt?

    • Daniel Nussberger am 14.09.2018 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Motoradrennfahrer

      Leider hast Du recht. Es wurde auch gesagt, dass das Motorrad um etwa 90 km/h heruntergebremst wurde, Schwachsinn es fand eine geringe Verzögerung statt. Trotzdem sind solche Mätzchen sehr gefährlich und gehören geandet. Der Verband hat viel zu soft reagiert. Nun haben andere Leute in euner Überreaktion die Entscheidung abgenommen.

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  • Misox am 14.09.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Welches Opfer?

    Wer soll da ein Opfer sein? Wir haben das schon Anfang der 1980er Jahre beim Velofahren mit unseren Kollegen gemacht. Müssen die mir jetzt noch verzeihen? Die haben sich dahingehend nie geäussert.

    • stef am 14.09.2018 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      was soll das?

      sie hatten ja ein super velo, wenns 200kmh fuhr....

    • Millenial am 14.09.2018 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Zweifel

      ...und Ihre Velos hatten 200km/h drauf? Sportlich, sportlich!

    • Phil am 14.09.2018 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      Hut ab

      Poah, Ihr wart ja voll krass drauf 1980... 200 Stundenkilometer mit dem Velo. Hut ab... schade, dass Du aber leider im Kopf nicht reifer geworden bist.

    • Jorge99 am 14.09.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Misox

      Welche Bremse ist beim Fahrrad rechts, welche beim Motorrad? Und mit dem Velo auch über 200km/h schnell gewesen?

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  • Reto am 14.09.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt noch andere schlimme Finger

    Es gibt noch einen gewissen Herr M. aus Spanien, der schon öfters gefährliche Aktionen wie Gegner während den Kurven abdrängt, teils sogar rammt und schon Unfälle seitens Gegner verursacht hat. Persönlich gab es für diesen kaum Folgen, weil es weniger offensichtlich ist.

    • Cippa am 14.09.2018 14:13 Report Diesen Beitrag melden

      Verschiedene Beispiele

      ja, es gibt auch der Vorbild von Fenati. Der hat mindestens den Fuss verwendet

    • Jorge99 am 14.09.2018 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      Plus weil er den "richtigen" Sponsor hat...

    • Fexgadimoto am 14.09.2018 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      Die Spanische DORMA steht dahinter.

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