GP von Katar

19. März 2011 18:53; Akt: 19.03.2011 19:54 Print

Tom Lüthi wie ein Champion

von Klaus Zaugg, Doha - Tom Lüthi (24) startet am Sonntag zum ersten Moto2-Rennen der Saison (live 18.05 SFinfo) aus der ersten Reihe. Verliert sein Manager Daniel M. Epp die Relationen?

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Tom Lüthi: Dritter Platz im Training zum ersten GP der Saison.

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So cool und so schnell war Tom Lüthi beim Saisonstart noch nie: Zum ersten Mal in seiner Karriere steht er beim Saisonstart in der ersten Reihe (Platz 3). Ab dieser Saison stehen nur noch je drei Piloten in einer Reihe. Letztmals stand der Berner beim GP von Katalonien 2010 so weit vorne: Damals war er im Qualifying ebenfalls auf Platz 3 gekommen und beendete das Rennen auf Rang 2.

Teamchef Terrell Thien war sehr zufrieden, ja er sprach gegenüber 20 Minuten Online sogar von Perfektion: «Die Trainings waren perfekt. Wir haben genau nach Programm arbeiten können und ganz am Schluss hat Tom im Qualifying mit seinem fahrerischen Können noch eine halbe Sekunde herausgeholt.»

Tom Lüthi bestätigte, dass er erst im Qualifying am Limit gefahren sei. «Ich habe alles versucht und es hat funktioniert.» Es war eine recht wilde Fahrt auf den dritten Platz. Das Hinterrad rutschte oft. «Wir müssen bis zum Rennen noch etwas mehr Bodenhaftung fürs Hinterrad finden» sagt der Teamchef.

Tom Lüthi hat damit in Doha bestätigt, was sich schon während den ganzen Vorsaisontests abgezeichnet hat: Er ist einer der Titelanwärter. Er hat nun während der ganzen Vorsaisontests und bei allen Trainings zum ersten Saison-GP auf hohem überzeugt. Er ist fahrerisch so gut drauf wie noch nie.

Sein Manager Daniel M. Epp machte nun gegenüber 20 Minuten Online eine folgenreiche Ankündigung: «Tom Lüthi wird nächste Saison definitiv in der MotoGP-Klasse fahren.» Wie bitte? Aufstieg in die «Königsklasse»? Und wer soll die Finanzierung sichern? Das Budget müsste wohl auf rund vier Millionen Franken verdoppelt werden. Will er mit seinem Fahrer tatsächlich das Abenteuer MotoGP wagen? «Ja, definitiv» bekräftigt Epp gegenüber 20 Minuen Online. «Sie dürfen mich so zitieren. Wir werden nächste Saison MotoGP fahren. Ich führe jetzt bereits die Verhandlungen mit den Sponsoren.»

Schon einmal – im Sommer 2009 – hatte Epp offiziell den Aufstieg seines Fahrers in die höchste Motorrad-WM beschlossen und beim GP von Holland in Assen bei Halbzeit der Saison verkündet. Am Ende der Saison musste er diese Ankündigung wieder rückgängig machen. Die Finanzierung war damals nicht möglich – und Tom Lüthi nach einer schwierigen 250er-Saison noch nicht reif für diese ultimative Herausforderung.

Die Ausgangslage ist jetzt eine andere: Lüthi ist zu einem Champion gereift. Fahrerisch ist er für die Klasse MotoGP bereit. Epp sagt, die Finanzierung sei möglich. Und anders als 2009 hat er bereits jetzt definitiv einen Platz in der «Königsklasse» zugesichert: Epp setzt ja letzte Saison in einem eigenen Team den Japaner Hiroshi Aoyama (15. Schlussrang) in der MotoGP-WM ein. Dieses Team existiert juristisch nach wie vor, ist für diese Saison lediglich inaktiv. Epp will sich noch nicht festlegen, auf welchem MotoGP-Bike fahren wird. «Aber wir haben mit Honda seit Jahren sehr gute Beziehungen.»

Und doch ist die Frage, ob Epp nicht die Relationen verloren hat, nicht nur bösartig. Ein Aufstieg in die MotoGP-Klasse ist zwar der Traum jedes Piloten und die ultimative fahrerische Herausforderung. Aber Medienpräsenz hat Lüthi nur dann, wenn er um den Sieg oder um Podestplätze mitfahren kann.

In der «Königsklasse» wird er höchstens um den 10. Platz kämpfen. So hoch der sportliche Wert einer solchen Klassierung auch sein mag: Auf auf Dauer wird es nicht genügen, um einer der populärsten Einzelsportler unseres Landes zu bleiben.

Grand Prix von Katar. Startaufstellungen. 125 ccm:
1 Nicolas Terol (Sp), Aprilia, 2:06,605 (152,979 km/h). 2 Sandro Cortese (De), Aprilia, 0,090 Sekunden zurück. 3 Efren Vazquez (Sp), Derbi, 1,046. 4 Sergio Gadea (Sp), Aprilia, 1,252. 5 Hector Faubel (Sp), Aprilia, 1,457. 6 Jonas Folger (De), Aprilia, 1,693. Ferner: 27 Giulian Pedone (Sz), Aprilia, 5,736. - 31 Fahrer im Training, 30 fürs Rennen qualifiziert.

Moto2:
1 Stefan Bradl (De), Kalex, 2:00,168 (161,174 km/h). 2 Marc Marquez (Sp), Suter, 0,207. 3 Thomas Lüthi (Sz), Suter, 0,828. 4 Yuki Takahashi (Jap), Moriwaki, 1,011. 5 Jules Cluzel (Fr), Suter, 1,240. 6 Julian Simon (Sp), Suter, 1,262. Ferner: 15 Dominique Aegerter (Sz), Suter, 1,727. 29 Randy Krummenacher (Sz), Kalex, 2,729. - 39 Fahrer im Training und fürs Rennen qualifiziert.

MotoGP:
1 Casey Stoner (Au), Honda, 1:54,137 (169,690 km/h). 2 Dani Pedros (Sp), Honda, 0,205. 3 Jorge Lorenzo (Sp), Yamaha, 0,810. 4 Marco Simoncelli (It), Honda, 0,851. 5 Ben Spies (USA), Yamaha, 0,958. 6 Hector Barbera (Sp), Ducati, 1,086.

Ferner:
9 Valentino Rossi (It), Ducati, 1,500. - 16 Fahrer im Training und fürs Rennen qualifiziert.

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