Tom Lüthi

20. März 2011 20:20; Akt: 20.03.2011 20:32 Print

Traumstart im Wüsten-Traumland

von Klaus Zaugg, Doha - Zum ersten Mal in seiner Karriere beginnt Tom Lüthi (24) die Saison mit einem Platz auf dem Podest. Er hat noch 16 Rennen Zeit, den Deutschen Stefan Bradl (21) in die Schranken zu weisen.

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Tom Lüthi: «Ich hätte viel zu grosse Risiken eingehen müssen.»

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Die Vorschlusslorbeeren sind vor der Saison 2011 gross wie noch nie: Die Rede ist vom besten Tom Lüthi aller Zeiten und er wird zum Mitfavoriten auf den Moto2-WM-Titel gemacht.

Nach dem ersten Rennen sind diese Lorbeeren nicht verblüht. Ganz im Gegenteil. Lüthi ist im Wüsten-Traumland ein Traumstart gelungen. Katar liegt im Morgenland und die Rennstrecke von Doha buchstäblich im Wüsten-Traumland. Gleich neben dem «Losail Circuit» wird das Stadion für den WM-Final von 2022 gebaut.

In diesem Wüsten-Wunderland hat Tom Lüthi einen optimalen Saisonstart erwischt: Platz drei. Zum ersten Mal in seiner 9. Saison steht er nach dem ersten Rennen auf dem Podest. Zum Vergleich: Seine Weltmeistersaison 2005 hatte er mit einem Nuller begonnen.

Lüthi hat zwar nicht gewonnen. Aber er ist wie ein Sieger gefahren. Den dritten Platz holte er sich nach harten Duellen gegen Andrea Iannone (21), Alex De Angelis (25) und Yuki Takahashi (25).

«Die Zweikämpfe waren hart, aber fair» sagte Lüthi gegenüber 20 Minuten Online. Die grosse Frage aber ist: Warum vermochte er Stefan Bradl (21) nicht zu folgen? Der Sohn der deutschen Rennfahrerlegende Helmut Bradl hat sämtliche Vorsaisontests, die Trainings und das Rennen hier in Katar dominiert. Ist sein Deutsches High-Tech-Bike Kalex (Lüthi fährt eine Suter) ein unschlagbares Wunderding? «Nein» sagt Lüthi. Er kann 20 Minuten Online erklären, warum er Bradl nicht zu folgen vermöchte: «Ich wolle an ihm dran bleiben. Aber ich habe schnell realisiert, dass das nicht möglich ist. Ich hätte viel zu grosse Risiken eingehen müssen. So bin ich halt in die Verfolgergruppe geraten und dort ist es nie einfach.» Aber warum war Bradl so schnell (Sieg mit 4,330 Sekunden Vorsprung auf Iannone)? «Seine Maschine war beim Beschleunigen aus den Kurven heraus besser.»

Lüthi geht nicht davon aus, dass das immer so sein muss. «Hier in Katar hat Bradl dominiert. Aber ich habe ein sehr gutes Team und wir werden unsere Maschine weiter entwickeln. Es ist erst eines von 17 Rennen gefahren.»

Lüthi hat bei dieser Fahrt aufs Podest die hohen Erwartungen erfüllt und eine erste fahrerische Meisterleistung vollbracht: Er hat das Risiko richtig dosiert. Er hat nicht auf abenteuerliche Art und Weise versucht, an Bradl dranzubleiben und um den Sieg zu fahren. Sondern mit wohl dosiertem Risiko den dritten Platz gesichert. Lieber den Spatz (3. Platz) in der Hand, als die Taube (den Sieg) auf dem Dach.

Oder um es noch einmal in einem Satz zu sagen: Lüthi ist dritter geworden. Aber er ist gefahren wie ein Sieger. Im Dauerwettbewerb Motorrad-WM wird schliesslich triumphieren, wer das Risiko richtig dosiert und am wenigsten Fehler macht.

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