GP von Katalonien

05. Juni 2011 17:37; Akt: 05.06.2011 17:37 Print

Trümmer und Tränen statt Glanz und Gloria

von Klaus Zaugg, Barcelona - Die Enttäuschung sitzt tief: Unsere Töffstars Tom Lüthi (24) und Dominique Aegerter (20) haben beim GP von Katalonien durch Stürze Podestplätze vergeben.

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Tom Lüthis Manager Daniel M. Epp wirkte trotz dem Sturzpech seines Piloten erleichtert. «Die Hauptsache, Tom ist nichts passiert. Alles andere wollen wir vergessen. Er stürzt zwar relativ viel. Aber er zieht sich keine Verletzungen mehr zu. Das gezielte Training der letzten drei Jahre zahlt sich aus.» Es war bereits Lüthis zweiter Rennsturz in dieser Saison – in Estoril sattelte er in Führung liegend ab.

Epp sagte gegenüber 20 Minuten Online, einen Augenblick lang seien ihm die Bilder des Unfalles von Tomizawa durch den Kopf gegangen. Der Japaner ist letzte Saison in Misano tödlich verunglückt (20 Minuten Online berichtete). Auch bei Lüthis Vater Hansueli war die Erleichterung riesengross, dass alles glimpflich abgelaufen ist. Nur das zählt. Dem durchaus möglichen Podestplatz trauerte auch er nicht nach.

Die Gefahr eines Highsiders

Tatsächlich war es ein Rennunfall in der 6. von 23 Runden, der schlimm hätte enden können. Tom Lüthi schildert die Situation gegenüber 20 Minuten Online so: «Es war ein Highsider und ich hing schon seitlich aus dem Sattel. Takahashi konnte beinahe noch rechtzeitig bremsen, ist aber dann doch in meine Maschine geknallt. Ich musste loslassen. Das Hinterrad war überraschend weggerutscht.»

Beim sogenannten Highsider rutscht das Hinterrad weg, fasst wieder Grip und wirft den Fahrer wie ein Rodeo-Pferd aus dem Sattel. Lüthi und Takahashi kamen rechtzeitig von der Piste weg – die grosse Gefahr bei Stürzen ist längst nicht mehr der Aufprall. Die Fahrer rutschten samt Maschinen weg und die Sturzräume sind heute weiträumig genug. Sie geraten dann in eine tödliche Gefahr, wenn sie auf der Piste liegen bleiben und von den nachfolgenden Piloten überfahren werden.

Lüthi sagt, er habe nicht zu viel riskiert und sei vom Sturz überrascht worden. «Ich kam beim Start nicht gut weg. Ich musste wegen eines Wheelies kurz vom Gas. Aber ich verlor dabei den Anschluss nicht und schwamm in der Verfolgergruppe von Bradl mit. Ich hatte mich auf der 7. Position gut eingerichtet und breitete mich auf eine Aufholjagd vor, als das Hinterrad überraschend wegrutschte.»

Änderungen an der Maschine notwendig

Am nächsten Sonntag geht es in Silverstone mit dem GP von England gleich weiter. Lüthi sagt, bis dahin müsse etwas an der Geometrie der Maschine geändert werden. «Ich musste bereits im Training zu stark am Limit fahren um gute Zeiten herauszuholen.» Bereits im Warm-Up war der Emmentaler gestürzt. Auch nach einem Highsider. «Aber da war die Piste aber noch nicht abgetrocknet.»

Aegerter nach Sturz am Boden zerstört

Die profesionell-sachliche Aufarbeitung des Sturzes kontrastiert zur emotionalen Szene in der Box von Dominique Aegerter (20). Er und sein Teamkollege Kenan Sofuoglu (26) haben das Rennen nacheinander in einer Zeitspanne von zwanzig Sekunden durch Sturz beendet. Beide erwischt es in der 16. Runde – auf Podestkurs.

Aegerter sitzt nach dem Rennen noch im verschmutzen Kombi auf seinem Stuhl in der Box, hat Tränen in den Augen und wird von seinem um zwei Jahre älteren Bruder Kevin und seinem Freund Marco Werren getröstet. Kevin kommt jeweils zu einem Rennen pro Saison, Werren begleitet Dominique zu allen Europa-GP. Beide bitten neugierige Reporter, eine halbe Stunde später vorbeizuschauen.

Nach einer halben Stunde ist der junge Töffheld aus Rohrbach bei Langenthal frisch geduscht, gebürstet und gekämmt – aber noch immer stocksauer. Über sich selbst. Er weiss: Der erste Podestplatz wäre möglich gewesen. «Ich habe etwas zu spät und zu stark gebremst und das Vorderrad ist weggerutscht.» Es war sein erster Rennsturz in dieser Saison. Er sucht keine Ausreden und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Ich habe einen Fehler gemacht.» Aegerter war nach dem Sturz schnell wieder auf den Beinen – aber er konnte nicht mehr weiterfahren. Die Maschine war zertrümmert.

Simon bricht sich bei Sturz das Bein

Sein türkischer Teamkollege Kenan Sofuoglu ist die Enttäuschung der Saison: Der zweifache Supersportweltmeister hat noch keinen einzigen WM-Punkt (für die Plätze 1–15) geholt. In Barcelona fuhr er auf Podestkurs und stürzte 20 Sekunden nach Aegerter. Weil er ganz einfach viel zu viel riskierte. Er bremst zu spät, knallte ins Heck der Maschine von Julian Simon. Der Spanier flog in hohem Bogen aus dem Sattel und brach sich beim Aufprall auf den Asphalt das Bein. Unfallverursacher Sofuoglu kam mit dem Schrecken davon.

Der schreckliche Sturz von Julian Simon

(Video: SF)


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