Lewis Hamilton

03. November 2019 22:27; Akt: 03.11.2019 22:42 Print

Weltmeister, Veganer und Popstar! Bald Kinostar?

WM-Titel Nummer 6 ist Tatsache, doch Lewis Hamilton strebt nach mehr, viel mehr – in jeder Hinsicht. Der 34-jährige Brite ist ein gefragtes Multi-Talent.

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Lewis Carl Hamilton kam am 7. Januar 1985 in Stevenage in der Nähe von London zur Welt. Hamiltons Grosseltern waren in den 50er Jahren aus Grenada nach England ausgewandert. Stevenage in Hertfordshire nahe London ist ein kleines Städtchen mit 80'000 Einwohnern und einer eindrücklichen Altstadt. Lewis verdankt seinen Vornamen übrigens dem US-Leichtethleten Carl Lewis, den Hamiltons Vater bewundert hatte. Am ehesten kennt man von Stevenage die St. Nicholas Church. Lewis Hamilton besuchte in seinem Heimatort The John Henry Newman Sekundarschule. Als Achtjähriger erhielt Hamilton von seinem Vater einen Go-Kart - die Rennsport-Leidenschaft war geweckt, sofort reihte sich ein Sieg an den andern. Den auffälligen Helm trägt er übrigens, damit ihn sein Vater immer sofort erkannte. Als 11-Jähriger sah Hamilton bei einer Motorsportgala den McLaren-Boss Ron Dennis erstmals. «Eines Tages werde ich für Sie fahren», sagte der Knirps dem Formel-1-Veteranen - zwei Jahre später nahm Dennis Hamilton unter Vertrag. 2001 begann in der Formel Renault - weiterhin unter seinem grossen Förderer Ron Dennis - die Profikarriere des Lewis Hamilton. Zwei Jahre später gewann er die Meisterschaft. Hier ein Siegerbild des Europapokal-Rennens vom Oktober 2002 im portugiesischen Estoril. Sieger wurde dabei der Schweizer Neel Jani (M.), Lewis Hamilton (l.) wurde Zweiter, der Argentinier Jose Lopez Dritter. Nach dem Sieg in der Formel Renault stieg Hamilton 2004 in die Formel 3 Euro-Serie auf, die der im Jahr darauf als 20-Jähriger für sich entscheiden konnte. Lewis Hamiltons Vater Anthony konnte einen weiteren Karrieresprung seines Sohnes verfolgen. 2006 stieg er in die GP2-Serie ein, die er prompt gewann. McLaren-Chef Ron Dennis hatte genug gesehen und hievte seinen Jungstar ins Formel-1-Cockpit neben Weltmeister Fernando Alonso - für viele «Experten» ein grosses Risiko. Mit 22 Jahren hatte es der britische Publikumsliebling auf die höchste Motorsport-Bühne geschafft. In Melbourne fuhr Hamilton sein erstes Formel-1-Rennen - auf jedem Meter verfolgt von einer enormen Presseschar. Bereits bei seiner Premiere fuhr der Youngster als Dritter aufs Podest. Auch in den nächsten vier Rennen zeigte der Überraschungsmann seine Klasse und fuhr jeweils auf Rang 2. Auch das Leben abseits des Formel-1-Zirkus' scheint Hamilton zu gefallen. Der intelligente und gut aussehende Shootingstar ist Single. Im Qualyfing zum sechsten WM-Rennen, dem GP von Kanada, fuhr Hamilton - der sein Vater und Ron Dennis als seine Idole bezeichnet - erstmals Pole Position. Tags darauf der grosse Coup: Lewis Hamilton holt sich seinen ersten GP-Sieg, den sechsten Podestplatz im sechsten Rennen und die zwischenzeitiche Führung im WM-Klassement. 2007 lanciert Hamilton seinen Werdegang in der F1, bereits in seiner zweiten Saison erlangt er einen ersten Höhepunkt seiner grossen Karriere. Der McLaren-Pilot wird Anfang November 2008 in Brasilien zum ersten Mal Weltmeister. Bis zu seinem nächsten Titel muss sich der Brite gedulden. Auch abseits der Rennstrecken sorgt Hamilton für Schlagzeilen: Etwa wegen seiner Beziehung zu Sängerin Nicole Scherzinger. Während Hamilton mit McLaren schwierige Zeiten durchlebte, eroberte der zwei Jahre jüngere Sebastian Vettel (M.) die Königsklasse. Der Deutsche wurde im Red Bull viermal in Serie Weltmeister (2010 bis 2013). Die Wende: Seit der Saison 2013 steht Hamilton bei Mercedes unter Vertrag. Im zweiten Anlauf klappt es: 2014 holt sich der Brite im Mercedes seinen zweiten Fahrertitel. Auch die Weltmeisterschaften 2015, 2017, und 2018 gehen an Hamilton und Mercedes. Erinnern Sie sich, wer sich den Titel 2016 geholt hatte? Es war Hamiltons Teamkollege Nico Rosberg. Der Deutsche erklärte nach dem Titelgewinn überraschend den Rücktritt. Und auch in diesem Jahr konnte sich der Brite bereits vorzeitig als Weltmeister feiern lassen. Es war sein sechster Titel, was ihn in der All-Time-Rangliste auf Platz 2 bringt.

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Lewis Hamilton weiss noch genau, wie das damals war. Seine Mutter hatte extra gespart, um ihm im Alter von 17 Jahren die Reise nach New York City zu ermöglichen. «Ganz besonders» sei das gewesen, als er erstmals an seinen grossen Sehnsuchtsort reiste. 17 Jahre später hat sich im Leben des Rekordjägers vieles geändert.

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In New York hat er längst sein eigenes Penthouse, sein Nachbar ist Tom Brady, einer der grössten Football-Helden der USA. Möglich wurde das alles dank seiner ganz besondere Karriere: Titel sammeln, Bestmarken brechen, die Formel 1 beherrschen - es ist das Leben des Superstars.

Auserzählt ist die Erfolgsstory des Mercedes-Fahrers aber noch lange nicht, daran wird auch ein sechster WM-Triumph ausgerechnet in den USA nichts ändern. Hamilton ist das Gesicht der Königsklasse des Motorsports. Im Silberpfeil ist der 34-Jährige zum prägenden Piloten seiner Generation geworden, vor dem auch die grössten Bestmarken des siebenmaligen Champions Michael Schumacher nicht sicher sind.

Hamiltons WM-Titel

«Man darf nicht vergessen, welche Leistung dahinter steckt, sowohl von seiner Seite als auch von Mercedes», sagte Sebastian Vettel. «Er ist ein grossartiger Fahrer, der auch persönlich die Geschichtsbücher des Sports umschreibt», sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn.

Auch ein Leben für andere

Doch Hamilton ist viel mehr als ein grandioser Steuerkünstler. Zuletzt in Mexiko plauderte er seine Schauspiel-Ambitionen aus. Auch das passt ins Bild vom rastlosen Glücksjäger, der abseits der Rennstrecke unablässig nach Erfüllung strebt. Sein Freundeskreis reicht von Neymar über Serena Williams bis hin zu Justin Bieber.

Der überzeugte Veganer Hamilton hat sich ein eigenes Musikstudio eingerichtet. Hamilton entwirft Mode-Kollektionen. Und Hamilton, dessen jüngerer Bruder trotz Kinderlähmung auch Rennfahrer geworden ist, engagiert sich mit Überzeugung für behinderte und benachteiligte Kinder. Ein Leben in Beschleunigung, ein Leben aber auch für andere.

Der einzige schwarze F1-Pilot

Dafür muss Hamilton bisweilen den harten Weg gehen. Als junger Kartpilot sei der Sohn eines Einwanderers aus Grenada rassistisch attackiert worden, erzählte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. «Wenn das einem Acht- oder Zehnjährigen passiert, hinterlässt das Narben, die einfach nicht verschwinden», sagte der Österreicher. Noch immer ist Hamilton der einzige schwarze Rennfahrer der Formel 1.

Die Trennung der Eltern, das Zerwürfnis mit seinem ersten Teamchef Ron Dennis bei McLaren, die zerbrochene Liebschaft mit Popsternchen Nicole Scherzinger – Hamilton kennt auch die dunklen Stunden. Und er gewährt der Öffentlichkeit bisweilen tiefe Einblicke in seine Seele. Wie zuletzt, als er seine 13 Millionen Follower bei Instagram über seine Verzweiflung über Umweltsünden und das Versagen der Weltpolitik informierte. «Es passiert gerade so viel in meinem Leben, und es ist nicht immer einfach, positiv zu bleiben», bekannte Hamilton.

Schwer tut sich der Serien-Champion auch damit, dass er in der Heimat keineswegs ungeteilte Bewunderung geniesst. «Lewis erfährt vielleicht nicht die Anerkennung, die er verdient hätte», stellte der frühere Weltmeister Damon Hill gerade erst fest. Dabei stehe Hamilton doch «gerade am Zenit seiner Schaffenskraft».

Schumachers Rekord im Visier

Jedes dritte Rennen seiner Formel-1-Karriere hat Hamilton gewonnen, die meisten Pole Positions erobert und auch Schumachers Rekord von 91 Grand-Prix-Siegen fest im Blick. Angesichts der ungebrochenen Stärke von Mercedes winkt 2020 Titel Nummer sieben. Und dann? Hamiltons Vertrag läuft Ende des nächsten Jahres aus. Eine Regelreform könKinostarnte das Kräfteverhältnis in der Formel 1 ändern – doch genau das will er verhindern und selbst dabei helfen. «Ich will ein Pionier in dieser neuen Ära sein», sagte er im texanischen Austin. Das Ende scheint noch lange nicht gekommen, stattdessen will er immer mehr: «Ich geniesse, was ich mache. Ich habe den Gipfel noch nicht erreicht.»

Motorsport

(dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RonnyLU am 03.11.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Champion

    Gratulation Lewis! Perfekt eingefahren und hoch verdient!

  • Mona am 03.11.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo weiter so

    Verdienter Weltmeister ist Lewis Hamilton. Gönne es dir.

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  • Marlies Wandeler am 03.11.2019 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Amazing

    Er kommt aus ärmlichen Verhältnissen und hat sich Stück für Stück weiterentwickelt. Frei nach dem Motto: Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum. Vorbild für die junge Generation!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin G. am 04.11.2019 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    HAM ist ein fairer Fahrer

    Gratulation. Auch wenn man HAM nicht mag, muss man zugestehen, dass er ein sehr fairer Fahrer ist. Nicht so wie Schummel Schumi. Hoffe aber dass die nächste Saison Alfa-Sauber mehr Punkte einfahrt.

  • Peter am 04.11.2019 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top Fahrer

    Aber würde Er auch soviel erreichen in einem Alfa? Das Glück war im bisher hold!

    • Reto am 04.11.2019 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Stumpfsinnige Frage . Sinnlos und nicht zu beantworten

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  • Bädu am 04.11.2019 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gamer

    Und wer ist er...?

  • Plankton am 04.11.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wuuuhhuu

    Armes Tuck Tuck, zum Glück würde dem Rest der Welt Zucker in den allerwertesten gepustet. Ich ging als Teenager im Tierpark arbeiten im mir was leisten zu können, das musste nicht meine Mutti für mich mit 17. Für mich ist das ein Blender, nur schon im Interview seine Aussage, dass das Team das wichtigste is..... Ja sah man mit ehemaligem Teamkollege Rosberg, wie er da den teamgeist lebte.

  • Josef am 04.11.2019 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Rennfahrer und über Umweltsünden lästern.

    Auch wenn er Veganer ist, was er und der Formel 1 Tross an CO2 rauslässt ist kaum vorbildlich. Ich habe nichts gegen den Rennsport, aber andere anklagen geht gar nicht.

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