Nach Monza-GP

09. September 2019 19:07; Akt: 09.09.2019 20:02 Print

Vettel verzweifelt am neuen Ferrari-Liebling

Die Euphorie um den neuen Ferrari-Hoffnungsträger Charles Leclerc ist gross. Derweil erlebt der Deutsche die vermutlich schwerste Zeit seiner Karriere.

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Sebastian Vettel zupfte immer wieder an seiner Unterlippe. Er zog den roten Kragen seiner Regenjacke im wohltemperierten Motorhome von Ferrari nach oben, als wolle er sich dahinter verstecken. Ein Lächeln suchten Beobachter vergeblich. «Ich liebe noch immer, was ich mache, aber wenn du es nicht gut machst, kannst du auch nicht glücklich sein», räumte Vettel ein. Dem viermaligen Formel-1-Weltmeister droht das schlechteste WM-Abschneiden, seit er für Ferrari fährt.

Das fünfte Jahr bei der Scuderia sollte wie einst bei Vorbild Michael Schumacher zum Durchstarter mit dem ersten Titel für Ferrari werden. Weiter könnte Vettel davon nach dem Desaster von Monza kaum entfernt sein. Auf Platz 5 im Klassement rutschte der 32-Jährige nach Rang 13 beim hochemotionalen Grossen Preis von Italien ab – überrundet vom eigenen Teamkollegen Charles Leclerc. «Leclerc schickt Vettel mit einem prächtigen Sieg in Monza in Rente», urteilte die spanische Sportzeitung «Marca» bereits.

«Er hat ein paar Fehler gemacht»

Vettel also nur noch ein Auslaufmodell? Er macht wohl die schwerste Zeit seiner Formel-1-Karriere durch, die 2007 startete. «Der Schwan wurde zum hässlichen Entlein. Die Parabel von Sebastian Vettel ist ein Fall von Sportpsychologie», kommentierte die italienische «La Stampa» kühl, nachdem sich Vettel einmal mehr selbst um eine gute Platzierung gebracht hatte. «Er hat ein paar Fehler gemacht, aber das ist Monza», sagte Ferraris Teamchef Mattia Binotto.

Monza ist für Vettel aber inzwischen fast überall. Seit dem 26. August 2018 wartet er sehnsüchtig auf den 53. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere. Der britische Sender BBC errechnete, dass Vettel sich in den vergangenen 27 Rennen neun kapitale Fehler leistete. So wird man nicht Weltmeister. So verliert man stattdessen die Gunst der Ferraristi.

Vettel nur noch Leclercs Helfer?

In Belgien vor gut einer Woche musste sich der gebürtige Heppenheimer schon in die Rolle des Helfers für seinen über ein Jahrzehnt jüngeren Teamkollegen fügen. Und am Sonntag in Italien beim zweiten Leclerc-Sieg innerhalb einer Woche wurde für viele Beobachter die neue Rangordnung bei den Roten zementiert – auch wenn das die Beteiligten natürlich nicht zugeben würden.

Es reichen aber Momentaufnahmen als Belege. Mit der Qualität eines Champions verteidigte Leclerc seine Führung ebenso cool wie kompromisslos. Und das unter dem Druck des Ferrari-Heimrennens und mit WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton zumeist grossformatig im Rückspiegel. «Selbst Ayrton Senna wäre nach einem so einem Rennen stolz auf diesen so zarten, so unerbittlichen Jungen», meinte Italiens «Corriere della Sera». Die «Gazzetta dello Sport» feierte den «siegreichen Prinzen: Alle sind verrückt nach ihm.»

Den Wohlfühl-Teampartner verloren

Leclerc ist viel zu clever und smart, um seine neue Rolle allzu demonstrativ, genussvoll und vor allem vor Vettel zur Schau zu stellen. Man müsse als Team zusammenarbeiten, betonte der Monegasse, der vom Sohn des ehemaligen Ferrari-Teamchefs Jean Todt beraten wird. Nach einem Jahr beim Ferrari-Partner Sauber (seit dieser Saison Alfa Romeo) war Leclerc vor dieser Saison bereits zum Stammfahrer der Scuderia ernannt worden. Der in die Jahre gekommene Vettel-Kumpel Kimi Räikkönen musste Ferrari verlassen, mit seinem Titel 2007 ist der Finne noch immer der letzte Weltmeister der Marke aus Maranello.

Vettel verlor mit dem bald 40 Jahre alten Räikkönen seinen Wohlfühl-Teampartner und bekam in Leclerc den neuen Hoffnungsträger von Ferrari an die Seite gesetzt. «Natürlich war das früh und ich bin Ferrari dafür sehr dankbar», sagte Leclerc nach seinem Sieg vor den Tifosi. Während Vettel in seiner roten Regenjacke nur neidische Blicke auf die Trophäe blieben, die neben dem 21 Jahre alten Monza-Gewinner stand, fügte Leclerc noch an: «Ich war aber mehr bereit als manche Leute gedacht haben.»

Motorsport

(dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • frankG. am 09.09.2019 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "superTalent"

    Bravo Charles Leclerc. Du bist ein Super Talent für diesen schwierigen Sport. Hoffe Du bleibst für immer an der Spitze Deines Teams!

  • F1 Fan am 09.09.2019 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Something new

    Vettel sollte zu einem Underdog Team wechseln und versuchen, das hoch zu bringen. Das würde ihm und seinen Fans mehr Befriedigung bringen, die Zukunft von Ferrari gehört Leclerc.

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  • Mischu am 09.09.2019 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Vettel wurde schon bei RedBull gehenüber Mark Webber bevorzugt, obschon dieser gleichschnell, wenn nicht schneller war. Bei Ferrari war das auch so. Nur ist es jetzt so unübersehbar offensichtlich, dass SB "nur" ein guter Durschnittsfahrer ist im Gegensatz zu einem wahren Talent.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fernando am 18.09.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mit den eigen Waffen!

    Nun sind wir mal ehrlich, war und ist Vettel nicht genau so? Mich stört, dass Vettel wie auch Schumi unfair gekämpft haben als es abwärts ging!? Nun ich kann mich auch irren!

    • Schildkröte am 22.09.2019 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fernando

      Wie kann Ferrari bloss einen Newcomer gegenüber einem 4-fachen Weltmeister so bevorteilen? Bessere Boxenstops, bessere Strategie, einfach unglaublich!

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  • Willy Bienerich am 10.09.2019 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    aufhören

    Die Zeit der Verbrennungsmotoren neigt sich dem Ende, egal welche überbezahlte Gurke das Auto fährt. Stellt endlich die Motoren ab.

  • Jo West am 10.09.2019 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch egal?

    Vettels Ziel, die WM als Erster zu beenden kann er nach diesem Rennen vergessen, dann ist es Leclerc egal ob er daran hilft oder nicht. Wenn Vettel in den nächsten sieben Rennen gewinnen würde, wäre es selbst hier extrem Schwierig die Meisterschaft zu gewinnen, ausser Hamilton fällt aus, aber das passiert ja nie ausser einmal im Jahr, oder so wie in GP von Deutschland. Und selbst dieser Gedanke ist eher zum Träumen. Also kommt man in die Realität.

  • Arrivederci Vettel am 10.09.2019 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    tutto ha una fine......mille grazie!

    Der Vettel ist nur noch der Schattenparker von Charles Leclerc! ,)

  • kein Fan am 10.09.2019 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Technik

    Vettel wird nur gepuscht weil er Deutscher ist war nie ein guter F1 Fahrer. Schumacher Sen. müssten alle Platz machen war ein unfairerer Fahrer.Ich hoffe Mick ist fairer. Aber die F1 ist sowieso nicht mehr das selbe viel zu viel Technik da kann man von derBox aus Fahrer langsamer machen das der gewinnt den man will. Senna Prost waren noch wahre Rennfahrer ohne Technik.

    • Biitte am 10.09.2019 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kein Fan

      Bitte Deutsch lernen, dann lernen wie die Formel 1 funktioniert und dann urteilen.

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