Motorrad-WM

18. März 2011 11:38; Akt: 18.03.2011 11:41 Print

Zu wild um ein neuer Tom Lüthi zu sein?

von Klaus Zaugg, Doha - Die Schonzeit für Dominique Aegerter ist vorbei: Erstmals steht er unter hohem Erwartungsdruck. Aber nach dem ersten Trainingstag zum GP von Katar ist er ratlos.

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Dominique Aegerter: Seine Schonzeit ist vorbei. (Bilder: Keystone)

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So ratlos wie nach den ersten zwei Trainings zum GP von Katar war Dominique Aegerter noch selten. «Ich bin einfach zu wenig schnell», sagte er gegenüber 20 Minuten Online. «Ich weiss nicht woran es liegt. Die Maschine ist gar nicht so schlecht. Ich muss einfach mehr riskieren und näher ans Limit gehen.»

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Das ist allerdings nicht ganz ohne Risiko. Bei Testfahrten ist ihm bei Tempo 180 km/h das Vorderrad weggerutscht. Er kam wie durch ein Wunder heil davon. Aber die Maschine war zerstört. Seither ist er verunsichert. Sein Teamchef Alain Bronec macht sich schon ein wenig Sorgen: «Domi will zu viel. Er hat im Winter hart gearbeitet und ist nun enttäuscht, dass es bei den Tests nicht besser geht. Er hat Mühe einzusehen, dass er nichts erzwingen kann und dass es nicht immer am Motorrad liegt. Seine Sturheit ist seine Stärke. Aber manchmal auch seine Schwäche.»

Hat Aegerter Angst?

Aegerter bestreitet nicht, dass ihm der 180-km/h-Sturz in die Knochen gefahren ist. «Das hat mich schon verunsichert, ich stürze ja sonst nicht oft. Im Hinterkopf hatte sich Angst eingeschlichen.» Er überlegt kurz, merkt, dass er zu ehrlich war und korrigiert: «Also mit Angst meine ich die Angst, die Maschine noch einmal bei einem Sturz zu zerstören...»

Der Schweizer hatte sich ganz zum Schluss der Vorsaisontests in Jerez doch noch auf Position 18 verbessert und die Zuversicht war wieder da. Aber nun zeigt sich: Die Verunsicherung ist noch nicht weg. Aegerter weiss, dass es schneller gehen muss. Aber er weiss nicht, wie er schneller werden kann. Platz 32 nach zwei Trainings ist ganz einfach nicht gut genug.

Die Lehrzeit ist vorbei

Die Erwartungen an den Garagistensohn aus Rohrbach ob Langenthal («Rohrbach-Rossi») sind indes zu Recht hoch. Die Lehrzeit, die jedem Rennfahrer im GP-Zirkus zugestanden wird, ist vorbei. Ein Platz in den Top Ten der Moto2-WM, der zweitwichtigsten Töffrennklasse der Welt, wird erwartet.

Aegerter beginnt beim GP von Katar das fünfte WM-Jahr und das zweite in der Klasse Moto2. In der zweiten Hälfte der letzten Saison ist es dem kräftigen Modellathleten sogar gelungen, als erster Schweizer Tom Lüthi (24) auf WM-Niveau zu besiegen. Über einen 7. Platz ist er zwar noch nie hinausgekommen. Aber beim GP von Portugal verspielte er im Herbst einen Platz auf dem Podest erst in den letzten Runden.

Ein Rohdiamant, der geschliffen werden muss

Im Team des Industriellen Olivier Métraux geniesst der Berner eine optimale Betreuung. Er verdient zwar nach wie vor nicht viel mehr als einen Lehrlingslohn – aber er muss sich nicht um die Finanzierung der Saison kümmern und kann so gesehen unbelastet Gas geben und als Rennfahrer rocken und rollen. Im Laufe seiner Karriere hat er gezeigt, dass er eigentlich alles für die grosse Karriere hat: den Mut, den Willen, das Talent, die Fitness und die technischen Voraussetzungen. Nun muss er bloss lernen, alles in einem Rennen auf eine Reihe bringen. Der fahrerische Rohdiamant muss weiter geschliffen werden. Dominique Aegerter ist nach wie vor zu wild und zu wenig konstant, um ein neuer Lüthi werden zu können.


Dominique Aegerter
30. September 1990
66 Kilo 174 cm

Motorrad: Suter
Teamkollege: Kenan Sofuoglu (Tur, 26)

Debut: GP von Portugal 2006 (26.)
52 Rennen 125 ccm
17 Rennen Moto2
Beste Rennklassierung: Platz 7 (Moto2)

2006 keine WM-Punkte/nur zwei Rennen
2007 23. 125er WM
2008 16. 125er WM
2009 13. 125er WM
2010 15. Moto2-WM

Zielsetzung 2011: Top Ten in der WM


GP von Katar. Nach zwei von vier Trainings. Moto2.

1. Yuki Takahashi (Jap), Moriwaki, 2:01,695.
2. Scott Redding (Gb), Suter, 0,054 Sek. Zur.
3. Stefan Bradl (De), Kalex, 0,106.
4. Andrea Iannone (It), Suter, 0,288.
5. Tom Lüthi (Sz), Suter, 0,448.
6. Marc Marquez (Sp), Suter, 0,653.
7. Michele Pirro (It), Moriwaki, 0,803.
8. Aleix Espergaro (Sp), Kalex, 0,882.
9. Julian Simon (Sp), Suter, 0,925.
10. Claudio Corti (It), Suter, 0,978.

Ferner: 21. Randy Krummenacher (Sz), Kalex, 2,027. 32. Dominique Aegerter (Sz), Suter, 3,228.

39 Piloten am Start.

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