Lance Armstrong

11. Oktober 2012 12:23; Akt: 22.10.2012 15:57 Print

«Wir machen dir das Leben zur Hölle!»

Lance Armstrong war das Zentrum einer riesigen Doping-Verschwörung. Er konsumierte, handelte und bedrohte auch mal Teammitglieder. Selbst Cancellara spricht von einer «grossen Explosion».

Fabian Cancellara am 11. Oktober 2012 zum Fall Armstrong.
Zum Thema
Fehler gesehen?

«Das US Postal Cycling Team führte das höchstentwickelte, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das die Sportwelt jemals gesehen hat.» Das Fazit der US-Anti-Doping-Agentur USADA zu ihrem 1000-seitigen Bericht lässt keine Zweifel an der Schuld Lance Armstrongs übrig.

Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger soll jahrelang gedopt, mit illegalen Substanzen gehandelt und Teamkollegen eingeschüchtert haben. Einige dieser Teamkollegen haben ausgepackt, und für Armstrong, der Dopingvorwürfe stets bestritt, ist das Spiel inzwischen aus.

Zu den 26 Kronzeugen der Usada gehören 15 Radprofis, unter ihnen Levi Leipheimer, Floyd Landis und nun auch David Zabrisikie. Zusammen mit 11 weiteren Teammitgliedern haben die 15 Radprofis ein detailliertes und erschreckendes Bild des Systems Armstrong gezeichnet.

Drohungen, Nötigungen, Zurechtweisungen

Die USADA wirft Armstrong sowie fünf weiteren Teambetreuern und Ärzten systematisches Doping von 1998 bis 2010 vor, so die Deutsche Presse-Agentur. Armstrong habe selbst unter anderem EPO-, Kortison-, Testosteron- und Blutdoping betrieben sowie viele Mannschaftskollegen dazu aufgefordert. Seine Teams seien vom Anfang bis zum Ende «mit Doping verseucht» gewesen.

Laut Zeugenaussagen hat Armstrong Doping in seinem Team nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. David Zabriskie etwa berichtete, durch den Leistungssport den Drogen aus dem Weg gehen zu wollen, die er für den frühen Tod seines abhängigen Vaters verantwortlich macht. 2003 aber sei er dann doch von Teamchef Bruyneel überredet worden, EPO zu nehmen.

Armstrong sorgte in seinem Team und im Peloton nicht nur für Respekt, sondern auch für Angst: Als der Italiener Filippo Simeoni aus einer gegnerischen Mannschaft 2004 gegen den Armstrong-Arzt Ferrari aussagte, wurde er vom Amerikaner während einer Tour-Etappe vor laufenden Kameras zurechtgewiesen. Den Ex-Teamkollegen Tyler Hamilton habe Armstrong in einem Restaurant körperlich bedroht («Wir machen dein Leben zur verdammten Hölle»), Levi Leipheimers Frau habe er einschüchternde SMS geschrieben. Zudem habe er mehrfach versucht, andere Fahrer zu falschen eidesstattlichen Versicherungen zu nötigen.

Bei Teamkollegen vor Doping-Kontrolleuren versteckt

Schon 1998, in der ersten Saison nach seiner überstandenen Krebserkrankung, habe Armstrong im Team US Postal Doping mit EPO, Kortison, Testosteron und dem Wachstumshormon HGH betrieben. Ein Jahr später sei bei der Tour de France erstmals ein Motorradfahrer engagiert worden, um das Team unbehelligt mit Drogen zu versorgen. Danach sei die «Dopingverschwörung» immer professioneller geworden.

Um keine positiven Tests abzugeben, seien Armstrong und seine Kollegen zu gewissen Vorsichtsmassnahmen aufgefordert worden. In den ersten Jahren habe es zum Teil schon genügt, den Kontrolleuren einfach die Wohnungstür nicht zu öffnen. Später hätten die Teamchefs um Johan Bruyneel stets im Voraus erfahren, wann ein Test anstand. Weil die Dopingkontrollen von Jahr zu Jahr intensiver wurden, habe sich Armstrong mitunter in Wohnungen von Teamkollegen versteckt. Zudem hätten die Team-Mediziner penibel genaue Zeitfenster für die Doping-Einnahme errechnet, um später nicht aufzufallen. Einen positiven Kortison-Test Armstrongs habe Teamarzt Luis Garcia del Moral durch ein gefälschtes nachträgliches Rezept verschleiert.

Der USADA-Report ging an den Radsport-Weltverband UCI, der die Sanktionen gegen Armstrong bestätigen und über eine Aberkennung seiner Titel entscheiden musste. Das hat die UCI getan: Am 22. Oktober 2012 entzog sie Armstrong alle sieben Tour-de-France-Siege und sperrte ihn lebenslänglich.

(rey)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Schmid am 11.10.2012 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abartige Willkür

    Die Willkür der Anti-Doping Behörden ist abartig und erbärmlich in einem. Während gegen Lance seit Jahren eine Hetzkampagne läuft, fährt der positiv getestete Contador bereits wieder seelenruhig seine Rennen. Wann wird die Karriere von Indurain durchleuchtet? Er war in seiner Zeit genau so dominant wie Armstrong - Fazit: gedopt. Entweder richtig oder gar nicht!!

    einklappen einklappen
  • Radler am 11.10.2012 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Radfahrer dopt

    Sogar die hälfte der Semi-professionellen Radfahrer nimmt doch irgend etwas....

    einklappen einklappen
  • Marco Hutter am 11.10.2012 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Preisgelder etc.

    Also wenn die Beweise eindeutig sind, dann ist das ein Verbrechen! Dann gehört er hinter Gitter, genau für die Zeit in der er gedopt hat oder den Gesetzen entsprechend. Und zusätzlich sollte er die Preisgelder, Werbeeinnahmen etc. zurückzahlen. Das ist alles ein riesiger Skandal!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon Gerber am 12.10.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Skandalöses vorgehen der USADA

    Der wahre Skandal ist, das die USADA einen Sportler fertig macht, nur weil er Ihnen nicht in den Kramm passt. Zur Erinnerung er wurde während seiner Radfahrerkarriere hunderte Male getestet und bis heute liegt KEIN positiver Dopingtest vor. Stellt euch mal es würde behauptet, dass Roger Federer gedopt ist, ohne das ein positiver Test vorliegt. Würdet ihr RF auch gleich vorverurteilen?

  • nicht wichtig am 12.10.2012 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wider ausgeglichen

    Wenn man Doping erlauben würde dan wáre es wider gerecht und mann müsste nicht so viel zeit und geld inwestiren. Dan weis man es einfach und mit der zeit wenn sie sich zu tode Dopen weil jeder der Siger sein möchte . Sieht es vielleich der eine oder andere ein wie traurig das ist und der erfolg mehr zählt alls ihr eigenes leben . Nur so ein gedanken

  • Alberto DelVecchio am 12.10.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Jede Sekunde zaehlt

    Echt schade, ich lese gerade sein Buch "Jede Sekunde zaehlt". Dort beschreibt er ueberzeugend, dass er niemals gedopt war und wie vehement das franz. Gericht gegen ihn vorging, nur um ihn, so scheint es, zu schikanieren. Dopingtests in den Laboren wurden bis zu 2 Monate verlaengert, nur weil der testende Wissenschaftler es nicht wahr haben wollte, dass es nicht moeglich war, nach besiegtem Krebs solch eine Leistung zu erbringen. Auch trotz dieser 2 monatigen Verlaengerung konnte nichts gefunden werden. Die Franzosen mochten Armstrong nicht, er habe die Tour de France "beschmutzt".

  • M.R. am 12.10.2012 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Indurain? Pantani?

    Was ist mit Indurain, war der nicht gedopt? Pantani, etc.? Fignon hat den härtesten Preis bezahlt. Eigentlich könnte man die ganze TdF-Geschichte streichen.

  • Yannick Brunner am 12.10.2012 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    Es kommt wie es kommen muss

    Es ist auffällig, wie sich Cancellara bei Dopingskandalen immer entweder sehr zurückhaltend, oder eher auf die Seite der Sünder stellt. Was sagte er mal sinngemäss: Wenn die auf mich losgehen, dann packe ich aus..... Was denn? Und noch auffälliger, wie er an der Olympiade in China im Strassenrennen bei Smog, Hitze und extremer Luftfeuchtigkeit nach über 220 km wie ein Töff(!!!) an allen vorbeifuhr und noch die Bronzemedaille holte. Auch bei Cancellarra wird vermutlich noch mal was kommen...........

    • Urs M am 12.10.2012 08:24 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      Meine Meinug, Cancellara war bis und 2011 sicher gedopt, 2012 nach seinen Leistungen hat er eher weniger doping genommen.

    einklappen einklappen