105. Tour de France

27. Juli 2018 17:31; Akt: 27.07.2018 20:16 Print

Roglic siegt solo – Thomas steht vor Triumph

Primoz Roglic gewinnt die letzte Bergetappe der Frankreich-Rundfahrt. Der Slowene setzt sich in der Schlussabfahrt ab. Geraint Thomas wahrt seine Chance auf den Gesamtsieg.

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Das letzte Teilstück in den Pyrenäen beinhaltete alles, was sich der Radsportfan nur wünschen kann. Auf den gut 200 km galt es sechs Bergpreise, unter ihnen die grossen Klassiker Aspin, Tourmalet und Aubisque, zu überwinden. Bald einmal nach dem Start im Wallfahrtsort Lourdes setzten sich 18 Fahrer aus dem Feld ab – ihre Hoffnungen auf den Tagessieg sollten sich jedoch nicht erfüllen.

Hinauf zum Tourmalet, als die Distanz zum Ziel in Laruns noch über 100 km betrug, attackierten mit Romain Bardet, Mikel Landa, Rafal Majka und Ilnur Sakarin auch Fahrer aus dem erweiterten Favoritenkreis – und zogen auf bis zu drei Minuten weg. «Als Landa und Bardet so weit vorne lagen, war es doch etwas stressig», gab Geraint Thomas zu.

Doch er und seine Helfer vom Team Sky verloren nie die Kontrolle. Immer wieder erhielten die Briten zudem Hilfe von anderen Equipen, die aufgrund der Rennsituation ihre eigenen Interessen verfolgten. Auch beim letzten Hindernis, dem über 16 km langen Aufstieg zum Aubisque, konnte Thomas auf fremde Unterstützung zählen. «Ich musste mich eigentlich nur darauf konzentrieren, Dumoulin zu folgen. Ich wusste, dass er helfen würde, den stark fahrenden Roglic unter Kontrolle zu halten», so der Leader und designierte Gesamtsieger der 105. Austragung der Tour de France.

Froome erneut in Nöten

Bei den wiederholten Tempo-Steigerungen von Roglic und Dumoulin geriet nicht Thomas, sondern vielmehr sein Teamkollege Chris Froome in Schwierigkeiten. Der vierfache Tour-Sieger (2013 und 2015 bis 2017) lag am Aubisque zwischenzeitlich eine halbe Minute hinter seinen direkten Konkurrenten. Der erneut Schwäche zeigende Froome verlor nur dank der Hilfe des jungen Kolumbianers Egan Bernal kaum Zeit auf die Besten. Der Sieger der Kalifornien-Rundfahrt und Gesamtzweite der Tour de Romandie, der als künftiger Tour-de-France-Sieger gehandelt wird, führte seinen Captain wieder an Thomas, Dumoulin und Roglic heran.

Letzterer, als ehemaliger Skispringer ein Quereinsteiger in den Radsport, vermochte sich erst in der fast 20 km langen Schlussabfahrt von seinen Konkurrenten abzusetzen. In Laruns triumphierte der 28-jährige Slowene mit 19 Sekunden Vorsprung vor dem zu Platz 2 sprintenden Thomas. «Als ich angriff, dachte ich nur an den Etappensieg, und nicht an das Tour-Podest. Dieses zu erreichen wird nochmals eine grosse Herausforderung», sagte Roglic nach seinem zweiten Tagessieg in Frankreich nach demjenigen im Vorjahr in Serre Chevalier in einer Etappe mit vergleichbarem Profil.

Wer wird Zweiter?

Roglic und der Niederländer Dumoulin erhalten am Samstag die letzte Möglichkeit, Thomas noch vom Leaderthron zu stürzen. Auch wenn das Zeitfahren von Saint-Pée-sur-Nivelle nach Espelette 31 km lang ist und über sehr coupiertes Gelände führt, erscheint wenig wahrscheinlich, dass der britische Zeitfahr-Meister mehr als zwei Minuten einbüssen wird. «Ich habe zwar einen schönen Vorsprung. Doch ich muss immer noch ein gutes Zeitfahren zeigen», sagte Thomas. Spannender präsentiert sich hinter dem 32-jährigen Waliser der Kampf um den 2. Platz. Zwischen Zeitfahr-Weltmeister Dumoulin, der 2:05 Minuten hinter dem Leader zurückliegt, dem neu drittklassierten Roglic (2:24) sowie Froome (2:37) liegen nur gerade 32 Sekunden. Alle drei gelten als starke Zeitfahrer.

Ziel erreicht, das galt in der letzten Bergetappe nicht nur für Thomas und Roglic, sondern auch für Julian Alaphilippe. Der Franzose gehörte einmal mehr der Ausreissergruppe an. Als Erster erreichte er die Passhöhen auf dem Col d'Aspin und dem Col du Tourmalet, wodurch er seinen erstmaligen Triumph in der Bergwertung frühzeitig sicherstellte. Danach liess Alaphilippe, der Nachfolger seines Landsmanns Warren Barguil wird, bald einmal abreissen.

105. Tour de France.

19. Etappe, Lourdes - Laruns (200,5 km): 1. Primoz Roglic (SLO) 5:28:17. 2. Geraint Thomas (GBR) 0:19 zurück. 3. Romain Bardet (FRA). 4. Daniel Martin (IRL). 5. Rafal Majka (POL). 6. Tom Dumoulin (NED). 7. Mikel Landa (ESP). 8. Chris Froome (GBR), alle gleiche Zeit. 9. Steven Kruijswijk (NED) 0:31. 10. Ilnur Sakarin (RUS), gleiche Zeit. - Ferner: 13. Egan Bernal (COL) 1:47. 19. Nairo Quintana (COL) 7:09. 20. Jakob Fuglsang (DEN) 7:18. 28. Alejandro Valverde (ESP) 14:38. 36. Julian Alaphilippe (FRA) 18:28. 43. Silvan Dillier (SUI) 31:41. 44. Michael Schär (SUI) 31:43. 51. Stefan Küng (SUI) 31:55. 60. Mathias Frank (SUI), gleiche Zeit. 143. Peter Sagan (SVK) 38:23.

Gesamtklassement: 1. Thomas 79:49:31. 2. Dumoulin 2:05. 3. Roglic 2:24. 4. Froome 2:37. 5. Kruijswijk 4:37. 6. Landa 4:40. 7. Bardet 5:15. 8. Martin 6:39. 9. Quintana 10:26. 10. Sakarin 11:49. - Ferner: 12. Fuglsang 16:36. 14. Valverde 25:50. 15. Bernal 26:08. 33. Alaphilippe 1:24:10. 52. Frank 2:03:24. 54. Küng 2:06:02. 70. Sagan 2:31:11. 82. Dillier 2:47:54. 88. Schär 2:57:07.

Radsport

(ddu/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas S. am 27.07.2018 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Leistung von Roglic

    Roglic hat für den 3. Platz persönlich mehr kämpfen müssen als der von Edelhelfern über tausende Kilometer unterstützte Thomas. Aber beide sind gut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas S. am 27.07.2018 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Leistung von Roglic

    Roglic hat für den 3. Platz persönlich mehr kämpfen müssen als der von Edelhelfern über tausende Kilometer unterstützte Thomas. Aber beide sind gut.