Dopingpraktiken

18. Juli 2014 07:42; Akt: 18.07.2014 07:53 Print

Armstrong geht gegenüber Fahndern ins Detail

In einem siebenstündigen Gespräch stellt sich Lance Armstrong den Fragen von Dopingfahndern. Er spricht dabei über die Jahre, in denen er massives Doping betrieben hat.

Bildstrecke im Grossformat »
Armstrong: Ja. Armstrong: Ja. Armstrong: Ja. Armstrong: Ja. Armstrong: Ja. Armstrong: Meiner Meinung nach nicht. Armstrong: Damals? Nein. Das ist erschreckend. Armstrong: Nein. Das ist noch erschreckender. Armstrong: Nein. Das ist das Erschreckendste an allem. Ich habe die Definition für Betrügen einmal nachgeschlagen. Und die Definition war, sich einen Vorteil über einen Rivalen oder Feind zu verschaffen. Das habe ich nicht so gesehen, es fühlte sich nicht so an. Ich habe es eher als ausgeglichenen Wettbewerb betrachtet. Armstrong: Das war schon sehr früh. Ich begann mit Cortison. Danach kam EPO auf. Armstrong: Da hab ich keine Antwort. Ich kannte die Wahrheit immer und wusste, dass es nicht das war, was ich sagte. Aber es hörte sich lange richtig an. Es war die perfekte Story. Armstrong: Ich habe die Doping-Kultur nicht erfunden, aber ich habe das nicht gestoppt. Das war mein Fehler und der Sport zahlt jetzt die Rechnung dafür. Armstrong: Es war sicher professionell und clever. Aber effizienter als das DDR-System? No way. Armstrong: Das braucht zu viel Zeit, um es hier zu erklären. Das Dopen ist so zur Routine geworden, als ob man sagen würde, wir brauchen Luft im Reifen oder Wasser in unseren Flaschen. Das war, aus meiner Sicht, Teil des Jobs. Armstrong: Nein. es gab damals wenig Tests ausserhalb der Rennen. Im Wettkampf war ich sauber. Aber dann änderte die UCI zwei Dinge: Tests ausserhalb der Rennen und den Bio-Pass. Das hat den Weg zur Dopingaufklärung geöffnet. Armstrong: Nein, 2005 war das letzte mal. Bei der Tour de France 2009 und 2010 war ich absolut sauber. Armstrong: Ich war im Team der Leader, aber nein, wir haben niemanden gezwungen. Ich hätte das tun können, tat es aber nicht. Es gab Fahrer im Team die nicht dopten. Armstrong: Ich war immer ein Kämpfer. Ich wollte unbedingt gewinnen. Es war diese Einstellung. Heute sage ich: Das war nicht gut. Armstrong: Nein. Ich wusste, ich werde die Tour de France gewinnen. In meinem Leben gab es bisher zwei Situationen, bei denen ich nicht wusste, wie es endet. Das war der Kampf gegen den Krebs und das Interview hier. Armstrong: Ich machte einige Fehler in meinem Leben. Ich erhielt das Mikrofon überraschend und wusste nicht was sagen. Das kam einfach über meine Lippen. Wenn ich es jetzt sehe, ist das absolut lächerlich. Armstrong: Wichtiger war der Prozess, der machte mich glücklich. Meine erfolgreichste war nicht meine glücklichste Zeit. Armstrong: Nein. Der UCI hatte kein Geld, ich hatte Geld. Sie haben mich nach einer Spende gefragt und ich sagte okay. Armstrong: Ich wollte alles kontrollieren. Das ist unverzeihbar. Armstrong: Ich weiss gar nicht mehr, ob ich Emma verklagt habe. Wir haben so viele Leute verklagt. Bei Emma kann ich mich nur entschuldigen. Mit Betsy hatte ich ein 40-minütiges Telefongespräch. Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass wir nichts davon erzählen. Armstrong: Er kennt die Story besser als jeder andere. Ich kenne ihn, seit ich 16 bin und wir sind immer noch Freunde. Wir telefonieren einmal die Woche. Armstrong: Wie immer: Attacke. Aber heute gäbe ich alles dafür, zu deisem Tag zurückzukehren. Ich würde nicht kämpfen und verklagen, sondern zuhören. Ich würde sagen: Gebt mir drei Tage, ich rufe einige Leute an. Dann würde ich meine Familie, meine Mutter, die Sponsoren und die Foundation informieren und mich danach stellen. Ich wünschte ich könnte, aber das geht nicht. Armstrong: Das ist unmöglich zu sagen, aber die Chancen wären auf jeden Fall um einiges besser gestanden. Ich habe nie gedacht: Das kommt eh alles raus. Armstrong: Ich liebe Velofahren. Wenn sie mich fragen, werde ich mir das sicher anhören.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Laut Armstrongs Anwalt Elliot Peters hat der einstige Superstar, dessen sieben Tour-de-France-Siege aberkannt worden waren, das Treffen in Washington selbst angeregt und organisiert. Das Meeting fand bereits am 22. Mai, wurde aber zunächst nicht publik.

Armstrong wurde gemäss Peters «zu allem» befragt, insbesondere zu den eigenen Dopingpraktiken und den Zusammenhängen mit den Verantwortlichen des Rad-Weltsportverbandes UCI. Beleuchtet wurden die Jahre um die Jahrhundertwende herum.

Einzelheiten des langen Gesprächs, das Armstrong mit den drei Mitgliedern der unabhängigen Radsport-Reformkommission führte, wurden nicht bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass Armstrong frühere UCI-Exponenten wie den Holländer Hein Verbruggen, der von 1991 bis 2005 Präsident war, belastet hat. Die beträchtlichen Geldsummen, die Armstrong der UCI für Projekte geschenkt hatte, lassen sich im Grunde genommen nur dadurch erklären, dass die UCI von Armstrongs massivem Doping wusste, aber es geheim hielt.

Präsidiert wird die Kommission vom Schweizer FDP-Politiker und früheren Staatsanwalt Dick Marty. Die weiteren Mitglieder sind der deutsche Dopingexperte Ulrich Haas und der Australier Peter Nicholson, ein ehemaliger Militäroffizier und Ermittler von Kriegsverbrechen.

(sda)