Berg- und Talfahrt

07. Dezember 2018 18:35; Akt: 07.12.2018 20:46 Print

Armstrong rettete dank Uber seine Familie

Der ehemalige Radprofi Lance Armstrong wäre wohl längst pleite, hätte er vor Jahren keine Risiko-Investition getätigt.

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Das Leben von Lance Armstrong gleicht einer Berg- und Talfahrt. Als Radprofi hat der US-Amerikaner viel gewonnen, aber dann auch wieder verloren. Seine sieben Gesamtsiege an der Tour de France in Folge wurden ihm wegen Dopingmissbrauchs (siehe nebenan) entzogen. 2012 sprachen die US-Antidopingagentur (Usada) und folglich auch der Weltradsportverband UCI lebenslange Sperren gegen ihn aus.

Die mit den Dopingvorwürfen – Armstrong hatte sie zuerst ausdrücklich von sich gewiesen, ehe er 2013 die Einnahme illegaler Substanzen zur Leistungssteigerung öffentlich zugab – verbundenen Verfahren waren kostspielig. Armstrong verriet dem amerikanischen TV-Sender CNBC, dass er 111 Millionen Dollar (rund 109 Millionen Franken) an Rechtskosten und Abfindungen gezahlt habe. Im vergangenen Jahr stimmte der ehemalige Radsportler zu, der US-Regierung 5 Millionen Dollar zu überweisen, um eine langwierige Klage abzuschliessen, die ihn mit einer Schadenersatzforderung in der Höhe von 100 Millionen hätte belasten können.

Der fünffache Vater hätte sich ohne eine risikoreiche Investition finanziell nicht über Wasser halten können. 2010 zahlte Unternehmer Chris Sacca in Armstrongs Namen 100'000 Dollar in einen Risikokapitalfonds einer Fahrdienst-App ein. «Ich wusste gar nicht, in was er mein Geld investiert, als ich es ihm gab», gesteht der Texaner ein.

«Die Familie gerettet»

Heute weiss Armstrong, wohin sein Geld damals geflossen ist: Sacca hatte ein gutes Händchen und in Uber investiert. Der rund um den Globus tätige Fahrdienst-Service hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Unternehmen entwickelt, das hohe Gewinne abwirft. Als Sacca die sechsstellige Summe in den Fonds steckte, hatte Uber einen Wert von rund 3,7 Millionen US-Dollar. Dieser ist mittlerweile auf über 72 Milliarden Dollar angestiegen. Für das kommende Jahr (2019) strebt Uber gar eine Bewertung von 120 Milliarden Dollar an.

«Diese Investition hat unsere Familie gerettet», betonte Armstrong gegenüber CNBC. Ohne die Geldanlage hätte der 47-Jährige all die Verfahrenskosten kaum begleichen können und einen Kredit in Millionenhöhe aufnehmen müssen. Armstrong wollte nicht verraten, wie viel er mit seiner Uber-Investition verdient hat. «Es ist zu schön, um wahr zu sein», liess sich der Amerikaner lediglich entlocken. Eine zweistellige Millionen-Summe zog er aber sicher heraus. Denn auf die Frage, ob er «10, 20, 30, 40 oder 50 Millionen US-Dollar verdient» habe, gab Armstrong preis: «Es ist einer von diesen Beträgen.»

Späte Einsicht

Letztlich zeigte sich der tief gefallene Radfahrer bezüglich seines Verhaltens vor und nach seinem Rücktritt einsichtig: «Das Problem war, wie aggressiv ich mich damals verteidigte und mit den Menschen umging.» Den meisten Leuten sei aber bewusst, worin er geschlittert sei. «Zu meinem Untergang führte nicht nur die Tatsache, dass ich betrogen hatte, sondern auch wie ich mich benahm.» Das habe ihn ins Verderben geführt.

All das ändert jedoch nichts an der Feststellung der Usada, wonach Armstrong «das anspruchsvollste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das der Sport je gesehen hat» anführte. Da kann sich der bis ans Lebensende gesperrte Athlet noch so reuig zeigen und sagen: «Ich würde lieber zurückgehen und sieben Touren in Folge gegen alle anderen gewinnen, die Wasser trinken und Brot essen.»

Radsport

(ddu)