105. Tour de France

17. Juli 2018 19:11; Akt: 17.07.2018 22:10 Print

Ein Franzose gewinnt die erste Bergetappe

Leader Greg van Avermaet zeigt eine starke 10. Etappe. Der Belgier wird Vierter und baut seine Gesamtführung aus. Der Tagessieg geht an Julian Alaphilippe.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Van Avermaet suchte am Dienstag frei nach dem Motto «Angriff ist die beste Verteidigung» sein Heil in der Offensive. Der Strassen-Olympiasieger aus dem Team BMC ging auf der 158,5 km langen 10. Etappe von Annecy nach Le Grand-Bornand früh in die Offensive. «Ich wusste, dass ich nach einem Ruhetag (wie am Montag) über die Grenzen gehen kann», sagte der 33-Jährige.

Als Mitglied einer ursprünglich 21-köpfigen Ausreissergruppe erreichte er das Ziel südlich des Genfersees schliesslich als Vierter und holte mehr als eineinhalb Minuten Vorsprung auf die Favoriten heraus. Seine Reserve auf den in der Gesamtwertung zweitklassierten Briten Geraint Thomas baute er damit auf 2:22 Minuten aus. Der Co-Captain von Sky rollte wie sein Teamkollege und vierfache Tour-Gewinner Chris Froome zeitgleich mit den meisten Anwärtern auf den Gesamtsieg über die Ziellinie.

Wohl nicht mehr lang im Maillot Jaune

Trotz seiner Parforceleistung in den Bergen rechnet Van Avermaet nicht damit, das gelbe Leadertrikot einen weiteren Tag verteidigen zu können: «Drei schwere Anstiege, das ist zu viel für mich. Ich habe keine Chance auch in La Rosière noch in Gelb zu sein.» In der Skistation nahe der italienisch-französischen Grenze steht am Mittwoch die erste Bergankunft an. Tags darauf folgt die schwere Etappe nach Alpe d'Huez.

Bereits aus dem Rennen im Kampf um das Maillot jaune verabschiedet hat sich wohl Rigoberto Uran. Der Vorjahreszweite aus Kolumbien, der bei einem Sturz am Sonntag kurz vor Roubaix bereits eineinhalb Minuten liegen liess, verlor am Dienstag im letzten Anstieg den Anschluss und büsste weitere zweieinhalb Minuten auf Froome und Co. ein.

Alaphilippe erlöst die Franzosen

Während sich die Favoriten in der ersten von drei Alpenetappen noch zurückhielten, freute sich mit Julian Alaphilippe ein aufstrebender Franzose über seinen ersten Etappenerfolg im Rahmen der Tour de France. Der 26-Jährige vom Team QuickStep Floors schüttelte im letzten Anstieg des Tages hinauf zum Col de la Colombière seinen letzten Fluchtgefährten ab und feierte gut eineinhalb Minuten vor dem Spanier Ion Izagirre und dem Esten Rein Taaramäe einen Solosieg.

Bereits in der Abfahrt ins Ziel nach Le Grand-Bornand hatte Alaphilippe seinen grossen Sieg vor Augen mehrmals ungläubig den Kopf geschüttelt. Im Ziel flossen dann die Tränen. «Da fehlen mir etwas die Worte. Ich bin glücklich, das hat richtig Spass gemacht», sagte Alaphilippe, der für den viel umjubelten ersten Heimsieg bei der 105. Frankreich-Rundfahrt gesorgt hat. Dazu versüsste er seinen rundum gelungenen Tag mit der Eroberung des gepunkteten Bergtrikots.

«War nach der Mûr-de-Bretagne enttäuscht»

Schon mehrfach war Alaphilippe nahe dran an einem Etappensieg bei der Tour. Bereits bei seiner ersten Teilnahme vor zwei Jahren fuhr er dreimal in die Top 5. Auch letzte Woche fehlte nicht viel zum Coup. Besonders bei der steilen Sprintankunft der 6. Etappe hatte sich Alaphilippe mehr ausgerechnet, doch da «waren die Beine nicht gut genug», sagte der Puncher. «Ich war nach der Mûr-de-Bretagne enttäuscht, die Ankunft lag mir. Dort habe ich aber gegen stärkere Fahrer verloren. Dieser Sieg ist jedoch die beste Art, um zurückzuschlagen», so Alaphilippe, der im letzten Herbst schon eine Etappe bei der Vuelta gewonnen hatte. Nun feierte er neben dem diesjährigen Sieg im Klassiker Flèche Wallonne den grösste Erfolg seiner Karriere.

105. Tour de France.
10. Etappe, Annecy - Le Grand-Bornand (158,5 km): 1. Julian Alaphilippe (FRA) 4:25:27. 2. Ion Izagirre (ESP) 1:34 zurück. 3. Rein Taaramäe (EST) 1:40. 4. Greg van Avermaet (BEL) 1:44. 5. Serge Pauwels (BEL), gleiche Zeit. 6. Lilian Calmejane (FRA) 2:24. 7. Daniel Martin (IRL) 3:23. 8. Primoz Roglic (SLO). 9. David Gaudu (FRA). 10. Geraint Thomas (GBR). 11. Romain Bardet (FRA). 12. Steven Kruijswijk (NED). 13. Adam Yates (GBR). 14. Jakob Fuglsang (DEN). 15. Chris Froome (GBR). 16. Tom Dumoulin (NED). 17. Alejandro Valverde (ESP). 18. Nairo Quintana (COL). 19. Vincenzo Nibali (ITA). 20. Mikel Landa (ESP), alle gleiche Zeit. - Ferner: 26. Bob Jungels (LUX) 4:14. 31. Ilnur Sakarin (RUS). 32. Rafal Majka (POL), beide gleiche Zeit. 34. Rigoberto Uran (COL) 5:59. 42. Mathias Frank (SUI) 10:52. 60. Stefan Küng (SUI) 18:52. 85. Michael Schär (SUI) 22:36. 87. Philippe Gilbert (BEL), gleiche Zeit. 89. Silvan Dillier (SUI) 25:03.

Gesamtklassement: 1. Van Avermaet 40:34:28. 2. Thomas 2:22. 3. Valverde 3:10. 4. Fuglsang 3:12. 5. Jungels 3:20. 6. Froome 3:21. 7. Adam Yates. 8. Landa, beide gleiche Zeit. 9. Nibali 3:27. 10. Roglic 3:36. 11. Dumoulin 3:42. - Ferner: 14. Bardet 4:11. 16. Quintana 4:29. 17. Martin 5:01. 22. Uran 7:08. 28. Alaphilippe 12:05. 39. Gilbert 21:36. 51. Frank 30:30. 52. Küng 30:58. 108. Dillier 52:37. 127. Schär 1:02:12.

Radsport

(ddu/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kwalitaeter am 18.07.2018 01:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täglich grüsst das

    Team Quick Step. Die müssten eigentlich Quick Pedal heissen. Nicht normal, was die Jungs diese Saison so abräumen. Aber ich mags jedem gönnen, der eine Toue-Etappe gewinnt - gut gemacht, Julien Alaphilipe!

  • Laura Merz am 19.07.2018 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Substanz

    Jetzt mal ehrlich, gibt es noch jemanden, der das Doping-Festival verfolgt und ernst nimmt? Da ist ja das einfallslose Ballgeschiebe der Schweizer Nati gegen Schweden noch interessanter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Laura Merz am 19.07.2018 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Substanz

    Jetzt mal ehrlich, gibt es noch jemanden, der das Doping-Festival verfolgt und ernst nimmt? Da ist ja das einfallslose Ballgeschiebe der Schweizer Nati gegen Schweden noch interessanter.

  • Kwalitaeter am 18.07.2018 01:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täglich grüsst das

    Team Quick Step. Die müssten eigentlich Quick Pedal heissen. Nicht normal, was die Jungs diese Saison so abräumen. Aber ich mags jedem gönnen, der eine Toue-Etappe gewinnt - gut gemacht, Julien Alaphilipe!